Neuer Ausbildungskompass: Über 300 Angebote „vor der Haustür“

Die Jugend im Landkreis Miesbach hat die Wahl

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Die Kooperationspartner sind vom Ausbildungskompass überzeugt: (v.l.) Michael Vontra (Arbeitsagentur), Schirmherr Wolfgang Rzehak, Wolfgang Janhsen (IHK), Michael Pelzer (Bildungskoordinator), Johann Holzinger (SMG) und Ulrich Throner (AK Schule-Wirtschaft).

Miesbach/Landkreis – Der neue „Ausbildungskompass Landkreis Miesbach“ für das Ausbildungsjahr 2020 ist veröffentlicht und wurde in allen weiterführenden Schulen verteilt.

Darin zu finden sind über 300 Ausbildungs- und duale Studienangebote im ganzen Landkreis. Erstmals mit dabei sind auch Stellen zum Freiwilligendienst. Vor kurzem trafen sich die Kooperations-Partner bei der Herausgeberin, der Standortmarketing Gesellschaft (SMG) in Miesbach, um das neu aufgelegte Magazin vorzustellen. Was als Experiment begann, ist in seiner dritten Auflage (3500 Stück) zum fast unverzichtbaren Nachschlagewerk bei der wohnortnahen Berufsorientierung im Miesbacher Land geworden. Begleitend zum Ausbildungskompass, der in den Gemeinden des Landkreises ausliegt und in allen weiterführenden Schulen eingesetzt wird, gibt es eine vollwertige Online-Suche (www.mein-ausbildungskompass.de), die übrigens auch Landkreis-übergreifend funktioniert. So hat die „Generation Z“ lediglich die Qual der Wahl. Über 100 verschiedene Ausbildungsberufe, die man im Landkreis Miesbach erlernen kann, stellen sich in der aktuellen Auflage vor. Darunter sind „Klassiker“ wie der/die Industriekaufmann/frau und Elektroniker/in, aber auch „Exoten“ wie Sattler/in - Feintäschnerei zu finden. „Erfreulicherweise enthält der neue Ausbildungskompass noch einmal deutlich mehr Angebote“, sagte Johann Holzinger, Regionalmanager bei der SMG. So sollen die Schüler auf spannende Betriebe und Karrierechancen direkt vor der eigenen Haustür aufmerksam gemacht werden. Erstmals sind zudem Vorschläge zum Freiwilligendienst (FSJ, FÖJ, BFD) dabei. Es haben sich 170 regionale Unternehmen und Institutionen (Vorjahr 128) mit über 300 Ausbildungs-, dualen Studien- und Freiwilligendienststellen (Vorjahr 230) beteiligt. Mit dem Kompass können sich die künftigen Berufseinsteiger nicht nur ausführlich über die angebotenen Berufsfelder informieren, sondern auch unkompliziert Kontakt mit den direkten Ansprechpartnern bei den jeweiligen Unternehmen aufnehmen. Ferner geben die teilnehmenden Betriebe an, ob optional Praktika oder Ferienjobs absolviert werden können. Herausgegeben wird der Kompass von der SMG Miesbach in Zusammenarbeit mit dem Landkreis, der IHK München und Oberbayern, der Agentur für Arbeit, der Handwerkskammer für München und Oberbayern und erstmalig der Kreishandwerkerschaft Miesbach Bad Tölz-Wolfratshausen. Alle Partner sind vom Konzept und der Wirkung auf den lokalen Arbeitsmarkt überzeugt. „Der Landkreis Miesbach hat einen unwahrscheinlich dynamischen und stabilen Arbeitsmarkt. Im Bereich Jugendliche haben wir aktuell einen Bestand von 69 Arbeitslosen. Das sind ein Viertel weniger als noch im Vorjahresmonat“, bestätigte Michael Vontra von der Agentur für Arbeit Rosenheim. „Das zeigt schon, welche Anstrengungen notwendig sind, in Zeiten des verstärkten Fachkräftebedarfs, die Jugendlichen zu erreichen. Und obwohl wir eine eigene Jobbörse haben, unterstützen wir diese lokale Börse und sind sehr froh, unser Know-how einbringen zu können.“ „Der Kompass wird mit jedem Jahr noch professioneller. Eine super Arbeit“, lobte Landrat und Schirmherr Wolfgang Rzehak. Mit der „Stuzubi“ Schüler Messe, der Ausbildungstour und dem Ausbildungskompass habe man drei wichtige Bausteine geschaffen – in Kombination sei der Landkreis Miesbach damit anderen Regionen voraus sei, meinte der Landrat. Dies bestätigte Bildungskoordinator Michael Pelzer: „Dieser Dreiklang hat es geschafft, dass wir den Fachkräftemangel tatsächlich eher zurückschieben, wohingegen er bei anderen noch wächst.“ Pelzer hatte überdies ein großes Anliegen an die „Bildungsregion“ Landkreis Miesbach: Fachkräfte auszubilden bedeute mehr – nämlich Menschen in die Lage zu versetzen, dass sie ihr eigenes Leben gestalten können. Die Unternehmen müssten begreifen, den Menschen mehr zu geben als „nur“ einen Arbeitsplatz. Die IHK München und Oberbayern ist ebenfalls Kompass-Partner der ersten Stunde. „Ich sehe das auch als alternativlos. Über 60 Prozent aller Azubis lernen einen IHK-Beruf, 25 Prozent davon im Handwerk, um die zwölf Prozent sind freie Berufe und Sonstiges“, teilte Geschäftsstellenleiter Wolfgang Janhsen mit. 2019 sei zudem eine ganz leichte Trendwende zu bemerken. Die Studierenden-Zahlen, die der Erstsemester, würden stagnieren oder leicht zurückgehen, während die Auszubildenden-Zahlen leicht wachsen. „Wir sind im Moment an einem Punkt, an dem sich die Balance langsam wieder einstellt. Wir brauchen beides: akademisch gebildete Mitarbeiter und die klassisch beruflich gebildeten Fachkräfte. Insofern ist das ein sehr positives Signal.“ Über die Anwendung des Ausbildungskompass‘ vor Ort, an den Schulen, berichtete schließlich Ulrich Throner vom AK Schule-Wirtschaft. „Der Kompass entwickelt sich von Jahr zu Jahr weiter, er ist absolut schülerorientiert. Wir von schulischer Seite sind sehr dankbar, dass es so etwas gibt.“ Der Rektor der Grund- und Mittelschule Rottach-Egern meinte zudem, dass Bildung mehr ist als Berufsorientierung, mehr als der nützliche Teil, den die Wirtschaft braucht. „Wenn man sich die gesellschaftlichen Entwicklungen anschaut in letzter Zeit, wird das Ganze umso wichtiger. Vielleicht wäre es ein Auftrag, die ökonomische Bildung damit zu verzahnen, was in der bayerischen Verfassung steht, mit Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne.“ 

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