Bad Wiessee hat die Wahl

Sanierung oder Neubau: Bürgerentscheid zum Badepark am Sonntag

Eingang zum Badepark in Bad Wiessee
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Der Badepark in Bad Wiessee ist in die Jahre gekommen. Bürger haben nun am Sonntag die Chance, über Sanierung oder Neubau zu entscheiden.

Bad Wiessee – Sanierung oder Neubau? Am 27. September entscheiden die Bad Wiesseer über das Schicksal des Badeparks.

Am Sonntag, 27. September, gilt es in Bad Wiessee. Der Bürgerentscheid zum Badepark findet statt. Die Frage, auf die die Gemeinde eine Antwort sucht, lautet: „Möchten Sie, dass der Badepark abgerissen wird und auf demselben Grundstück schnellstmöglich der Neubau eines Bades entsteht, welches mindestens die momentan vorhandenen Nutzungsmöglichkeiten beinhaltet? Ja oder Nein.“ Alle wahlberechtigten Bürger können wählen gehen – entweder am Sonntag, von 8 bis 18 Uhr, im Wahllokal im Hotel Gasthof zur Post oder per Briefwahl, die noch bis Freitag, 25. September, 15 Uhr, beantragt werden kann. Hier ein Überblick über die wichtigsten Fragen zum Bürgerentscheid:

Worum geht es bei dem Bürgerentscheid am 27. September?

Der Badepark wurde vor etwa 50 Jahren gebaut. Zwar ist die Anlage Ende der 1980er Jahre umfangreich saniert und erweitert worden, jedoch ist vor allem die Technik des Badeparks heute nicht mehr zeitgemäß, veraltet und teilweise kurz davor, ihre Funktion einzustellen. Auch energetisch entspricht der Badepark in keiner Weise dem heutigen Standard, was die Betriebskosten erheblich erhöht. Der Badepark kostet die Gemeinde rund 1 Million Euro pro Jahr – das sind 200 Euro pro Bürger und Jahr. Mittlerweile ist der Punkt erreicht, an dem immer wieder teure Reparaturen nötig sind, die den generellen maroden Zustand des Gebäudes jedoch nicht mehr signifikant verbessern. Es zu erhalten, wird also teurer, als ein neues zu bauen.

Warum muss neu gebaut werden? Würde es nicht auch eine umfassende Sanierung tun?

Nein. Die Kosten für eine Sanierung werden derzeit auf rund 20 Millionen Euro geschätzt. Damit wird aber nur der Bestand saniert, der derzeit kaum Gewinn einbringt, woran sich künftig auch wenig ändern würde. Zumal beim Sanieren von Abbausubstanz immer mit Überraschungen zu rechnen ist, welche die Kosten dann ungeplant in die Höhe treiben könnten. Auch ist unklar, ob die bestehende Bausubstanz aus statischer Sicht den Sanierungsarbeiten standhalten würde, wenn zum Beispiel neue Aufbauten erfolgen, wie das Gutachten eines Grundbau-Ingenieurbüros ergeben hat. Risse im alten Fundament wären zum Beispiel möglich – und damit ein Totalschaden am Gebäude.

Nachdem das Jod-Schwefelbad die Gemeinde in den vergangenen Jahren bereits viel Geld gekostet hat, kann sie sich den Neubau des Badeparks noch obendrauf leisten?

Nach aktuellem Kenntnisstand ja. Dabei ist von einer kompletten Fremdfinanzierung auszugehen. Vereinfacht ausgedrückt, macht es aber bereits der Wegfall der jährlich laufenden Verluste des jetzigen Badeparks in Höhe von 1 Million Euro pro Jahr möglich, dass sich der Bau von selbst finanziert. 2019 ist Kämmerer Franz Ströbel zu dem Ergebnis gekommen, dass die Gemeinde die Bausumme in Höhe von rund 30 Millionen Euro stemmen kann. Trotz der Corona-Pandemie, die sich teils gravierend auf die Gemeindefinanzen auswirkt, soll der Neubau nach wie vor möglich sein. Allen Überlegungen wurde folgender Gedanke zugrunde gelegt: Ein eventueller Neubau darf nur solch einen Kostenrahmen in Anspruch nehmen, der zwar die Wirtschaftlichkeit des Betriebes sichert, aber auch eine sorgenfreie Finanzierung durch die Gemeinde sicherstellt, die die Erfüllung von Pflichtaufgaben in keiner Weise behindert. Klar ist aber auch: Der Neubau erhöht wiederum den Schuldenstand der Gemeinde. Wenn sich die Bürger für einen Neubau entscheiden, entscheiden sie sich auch für neue Schulden. Zudem laufen Gespräche mit den anderen vier Tal-Gemeinden, sich an dem Projekt finanziell zu beteiligen, da auch deren Bürger von dem Neubau profitieren werden.

Wenn es zu einem Neubau kommt, wann könnte der Badepark wieder genutzt werden?

Sollte der Bürgerentscheid einen Neubau favorisieren, wäre 2021 das Planungsjahr. Danach folgen Abriss und Neubau. Realistisch ist nach derzeitigem Kenntnisstand, dass das neue Vitalbad zwischen Winter 2023 und Sommer 2024 eröffnet werden kann.

Welchen Stellenwert hat der Badepark für die Gemeinde?

Einen sehr hohen – nicht nur für die Gemeinde Bad Wiessee, sondern auch darüber hinaus. Eine Analyse der Eintritte zeigt, dass ungefähr ein Viertel aller Besucher aus dem Tegernseer Tal und etwa die Hälfte aus dem Landkreis Miesbach kommt. Damit ist der Badepark eine etablierte Freizeit­einrichtung für die einheimische Bevölkerung – und das soll er auch bleiben mit mehr Ruhe- und Liegeflächen sowie neuer Gastronomie und attraktivem Saunabereich im Neubau. ksl

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