Weltarchitektur am Tegernsee

Strüngmann-Hotel in Bad Wiessee: „Für uns Oberbayern eine ganz neue Welt“

Freie Fläche: Auf diesem großen Areal an der Wiesseer Seepromenade – es stehen nur noch Nebengebäudes des früheren Hotels Lederer  (im Hintergrund) – soll das Luxushotel entstehen.
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Freie Fläche: Auf diesem großen Areal an der Wiesseer Seepromenade – es stehen nur noch Nebengebäudes des früheren Hotels Lederer  (im Hintergrund) – soll das Luxushotel entstehen.

Bad Wiessee – Von Wiesseer Weltarchitektur war im Gemeinderat die Rede. Dort ist jüngst der nächste Schritt für das Hotelprojekt an der Seepromenade eingeleitet worden.

Wie wird das geplante Haus aussehen? Je detaillierter die Pläne und Entwürfe, desto besser. Das gilt für kleine Bauvorhaben ebenso wie für große. Da wohl umso mehr. Insofern war die Präsentation der Planer des Strüngmann-Projekts im jüngsten Wiesseer Gemeinderat durchaus lobenswert. Allzu viele Pluspunkte sammelten sie damit bei dem Gremium dennoch nicht – wenngleich die Luxushotelanlage insgesamt große Zustimmung erfährt.

Der Gemeinderat hatte über die nächste Runde im Planverfahren zu entscheiden. Gegen die Stimme von Ingrid Versen (CSU) beschloss das Gremium dann auch, den geänderten Flächennutzungsplan für das Strüngmann-Areal an der Seepromenade sowie den vorhabenbezogenen Bebauungsplan ein zweites Mal öffentlich auszulegen. Der Satzungsbeschluss könnte im März erfolgen. Noch in diesem Jahr würde Strüngmanns Athos Service GmbH gerne anfangen zu bauen.

Eine Hotelanlage mit 90 Zimmern, Wellnessbereich und öffentlicher Gastronomie inklusive Biergarten. Die Eckpunkte waren bereits fix. Neu im aktuellen Entwurf ist das verschwundene Tiny House. Zunächst war der Kinderclub in Ufernähe vorgesehen, was Kritik hervorrief und womit selbst die Planer nicht so recht glücklich waren. Auch alle alternativen Standorte für ein separates Gebäude auf dem Areal überzeugten nicht. Eine Lösung fanden die Planer am Verwaltungsgebäude. Das soll um sechs Meter verlängert werden, damit würde genügend Platz für den Kinderclub geschaffen. Besser als am Ufer, lautete die einhellige Meinung im Gemeinderat.

Dennoch erkannte Klaudia Martini (SPD) eine gewisse „Salamitaktik“. Das zweigeschossige Verwaltungsgebäude selbst war auch schon nachträglich eingefügt worden. Martini machte aber auch klar: „Daran soll jetzt der Plan nicht scheitern.“ Fraktionskollege Robert Huber pochte ebenfalls darauf, dass nun aber Schluss sein müsse mit der Mehrung von Bauvolumen.

„Wir wollen nicht immer mehr“, bekräftigte Athos-Geschäftsführer Thomas Maier und erinnerte daran, dass „wir schon runtergegangen sind“. Anfangs war eine deutlich größere Bebauung zur Diskussion gestanden. Er versicherte auch, dass das Hotel nicht genau so aussehen werde, wie die Bilder es zeigen: „Sie können sicher sein, dass das nicht das Endprodukt ist.“ Vielmehr wollten die Verantwortlichen die Gemeinderäte am Planungsprozess teilhaben lassen.

„Für die Bürgerversammlung muss es dann sitzen“, sagte Maier. Da hatte er sich schon einige Kritik anhören müssen, etwa von Kurt Sareiter (CSU) für sehr viel Wand, mit der der mexikanische Architekt Manuel Cervantes die einzelnen Gebäude abgrenzt und für „einen Biergarten, der nicht sehr bayerisch ist“. Über die von Athos-Architekt Urs Fridrich benutzte Bezeichnung Dorfplatz für einen zentralen Ort der Anlage echauffierte sich Versen: „Das ist irreführend.“ Der Dorfplatz befinde sich in Alt-Wiessee, nicht in einem Hotel.

Und Martini befand: „Durch die Bilder entsteht ein völlig falscher Eindruck.“ Damit kritisierte sie sowohl die visuellen Darstellungen des mexikanischen Büros Manuel Cervantes als auch der Schweizer Landschaftsarchitekten des Büros Enea. Die zeichneten beispielsweise ausgedehnte Schilfflächen. Soviel Platz sei aber in Realität am Ufer nicht vorhanden. Grundsätzlich sei sie „dankbar für Bilder, weil man sich was vorstellen kann“, sagte Martini, „aber nicht so“.

Dennoch ist zu spüren, dass sich die große Mehrheit auf das Hotel freut. „Wir hatten da unten schon ganz andere Planungen“, sagte Robert Huber. Die aktuelle sei wesentlich kleinteiliger, übersichtlicher, moderner. Nicht weniger als Weltarchitektur bekomme der Ort, freut er sich und hofft, dass Bad Wiessee wieder eine Blütezeit erlebt. Von Weltarchitektur sprach auch Markus Trinkl (Wiesseer Block) – und sagte: „Das ist für uns Oberbayern eine ganz neue Welt“. Daran müsse man sich halt auch erst einmal gewöhnen. ft

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