Neues Radkonzept

Bad Wiessee diskutiert über Weg zur fahrradfreundlichen Kommune

Ortsmitte von Bad Wiessee
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Verbessert werden soll die Ortsmitte von Bad Wiessee, wo sich Radfahrer und Autos die enge Fahrbahn teilen müssen.

Bad Wiessee – Bad Wiessee möchte fahrradfreundlicher werden. Mobilitätsplaner Philipp Herzog hat nun aufgezeigt, wie es gehen kann.

Seit 2020 ist die Gemeinde Bad Wiessee Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK). In der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses wurde nun der Stand eines Radverkehrskonzeptes vorgestellt. Mobilitätsplaner Philipp Herzog vom Verkehrsplanungsbüro Kaulen machte in seiner Präsentation deutlich: Bad Wiessee bietet gute Voraussetzungen für mehr Fahrradfreundlichkeit – aber es gibt noch einiges zu tun.

Im Rahmen einer Bestandsanalyse bewertete der Referent unter anderem die 2020 angebrachten Radschutzstreifen entlang der Bundesstraße B318 sowie einige Tempo-30-Zonen etwa an der Adrian-Stoop-Straße und am Rohbognerweg als Pluspunkte. Zudem biete der Ort vier Fahrradverleihe und eine Ladestation an der Tourist-Information.

Radnetz für den Alltagsverkehr entwickeln

Insgesamt habe Bad Wiessee aber kein flächendeckendes, alltagstaugliches Radverkehrsnetz. Das bildet auch eine Mobilitätsanalyse ab: Der Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr liege bei gerade einmal 5 Prozent. Bei der Planung gelte es daher zu fragen: Wo würden Radfahrer fahren, wenn sie dies gesichert könnten?

Anhand einer Analyse wurden daher zuerst potenzielle Quell- und Zielpunkte des Radverkehrs ausgemacht. Unter Einbezug von gegebenen Hindernissen im Ortsbereich wurden dann idealtypische Routenführungen abgebildet, um daraus einen Netzplan zu erstellen. So soll ein Netz für den Alltagsverkehr entstehen, das bedarfsorientiert in Nord-Süd-Richtung entlang des Bereichs der Bundesstraße verläuft. Ergänzt wird es durch ein Verbindungsnetz für Freizeitsportler und Touristen.

Nachholbedarf bei Sicherheit und Fahrkomfort

Konkret weise der Bestand derzeit noch Nachholbedarf im Bereich Sicherheit und Fahrkomfort auf, erläuterte Herzog. So fehlen teils Querungshilfen für Radfahrer. Manche Wege wurden als sanierungsbedürftig eingestuft. Teils fehle noch eine klare Beschilderung. Zudem müssten manche Hindernisse entfernt und Konfliktstellen entschärft werden, um den erforderlichen Qualitätsstandards gerecht zu werden.

Bei den Parkmöglichkeiten für Radfahrer herrsche derzeit noch ein großes Defizit. Von momentan vier Abstellanlagen soll ihre Zahl auf 15 aufgestockt werden, wobei anstelle von Vorderradhaltern wie derzeit am Jod-Schwefel-Bad oder der Grundschule komfortablere und sicherere Modelle installiert werden sollen. So brachte Herzog neben Doppelstockparken auch Stellboxen ins Gespräch.

In der anschließenden Diskussion des Arbeitskreises Fahrradfahren waren sich die Mitglieder einig, dass mehr Stellplätze und die Schließung von Sicherheitslücken – etwa am verkehrsreichen Lindenplatz – in der Priorisierung ganz oben anzusetzen seien.

Stadtradeln im Sommer nutzen

Bernd Kuntze-Fechner (SPD) begrüßte das Konzept als solide Basis für die weitere Arbeit und drängte vor allem auf eine baldige Verbesserung der Stellplatzsituation. Johannes von Miller (Grüne) mahnte, in puncto Abstellanlagen nicht zu städtisch zu werden. Ein dreifarbiges Kennungssystem für die Routen regte Florian Sareiter (CSU) an. Und Verwaltungschef Hilmar Danzinger konnte auf einen positiven Effekt der Radschutzstreifen an der Münchner Straße hinweisen: Seitdem diese angebracht wurden, würden Autofahrer dort die Geschwindigkeit deutlich seltener überschreiten.

In drei Monaten findet die zweite Sitzung des Arbeitskreises statt, in der neben konkreten Maßnahmen auch die Finanzierung und das Investitionsprogramm thematisiert werden sollen. Da sich zum geplanten Bürgerdialog diesmal nur zwei Teilnehmer eingefunden hatten, will Bürgermeister Robert Kühn die nächste Auflage der Aktion Stadtradeln im Sommer nutzen, um das Projekt verstärkt in der Öffentlichkeit zu kommunizieren. ger

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