Dämpfer für die CSU

Neuer Wiesseer Gemeinderat wählt überraschende Vize-Bürgermeister

Bad Wiessees neuer Gemeindechef Robert Kühn (M.) hat als Stellvertreterin Birgit Trinkl an seiner Seite. Rolf Neresheimer ist Dritter Bürgermeister.
+
Bad Wiessees neuer Gemeindechef Robert Kühn (M.) hat als Stellvertreterin Birgit Trinkl an seiner Seite. Rolf Neresheimer ist Dritter Bürgermeister.

Bad Wiessee – Der neue Bad Wiesseer Gemeinderat hat Birgit Trinkl zur Vize-Bürgermeisterin gewählt – und damit der CSU einen Dämpfer verpasst.

Die CSU hat bei der Kommunalwahl in Bad Wiessee ein starkes Ergebnis erzielt. Es sitzen jetzt neun Mitglieder am Ratstisch. Fast die Hälfte des Gremiums gehört somit zur CSU-Fraktion. Aber eben nur beinahe die Hälfte. Und so gab es neben der äußerst knappen Niederlage des Ortsvorsitzenden Florian Sareiter in der Stichwahl ums Bürgermeisteramt in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats auch gleich die erste Schlappe: Nicht die CSU, sondern die Freien Wähler des Wiesseer Blocks stellen den Vize-Bürgermeister. Birgit Trinkl ist Stellvertreterin von Robert Kühn.

Mit nur ein paar Stimmen mehr hatte sich Kühn bei der Bürgermeisterwahl gegen Sareiter durchgesetzt. Der schlug nun bei der ersten Sitzung des neuen Gemeinderats seinen Fraktionskollegen Peter Kathan als Bürgermeisterstellvertreter vor. „Es wäre fair und richtig, wenn die CSU den Zweiten Bürgermeister stellen darf“, sagte Sareiter und erinnerte an das fantastische Ergebnis der Partei. Zudem, blickte er zurück, habe es im Wahlkampf von allen Seiten geheißen, ein „Weiter so“ dürfe es nicht geben. „Jetzt ist die einmalige Gelegenheit, neu zu beginnen“, betonte Sareiter. Doch der politische Neubeginn mündete nicht in dem von ihm erhofften Ergebnis.

Statt Kathan, den Sareiter als engagiert, aktiv, kommunalpolitisch unbelastet und echten Teamplayer bezeichnet hatte, wählte das Gremium Trinkl zur Bürgermeisterstellvertreterin. Sie war von Wilhelm Dörder (WB) vorgeschlagen worden. Als Gastgeberin wisse sie um die Belange in Bad Wiessee. Zudem kann sie auf langjährige Erfahrung im Gemeinderat verweisen. Bernd Kuntze-Fechner sagte ihr Unterstützung durch die SPD-Fraktion zu.

Die gab es dann auch von den übrigen Gruppierungen, wie das Ergebnis der geheimen Wahl dann offenbarte. Kathan erhielt neun Stimmen – so viele wie die CSU Sitze hat. Für Trinkl votierten demnach der Wiesseer Block (drei), SPD (vier plus Kühn), Grüne (drei) und Rolf Neresheimer (BBW). Das Ergebnis gibt einen ersten Eindruck von den Machtverhältnissen im Gremium. Entsprechend bedröppelt blickten die CSU-Räte drein. Kathan zeigte sich aber als äußerst fairer Verlierer und gratulierte Trinkl sofort unter Einhaltung der Abstandsregeln zur Wahl.

Dritter Bürgermeister – das Gremium hat beschlossen, diesen Posten einzusetzen – wollte dann kein CSU-Rat werden. Auch aus den anderen Reihen herrschte erst Zurückhaltung, bis erneut Wilhelm Dörder ans Rednerpult schritt und Neresheimer vorschlug. Mit der Gruppierung ranBW war er 2014 als Bürgermeisterkandidat unterlegen, jetzt ist er alleiniger BBW-Vertreter im Gremium. Mit 16 Stimmen wählte der neu zusammengesetzte Gemeinderat Neresheimer dann zum Dritten Bürgermeister. Vier Wahlzettel wurden leer abgegeben, auf einem Thomas Erler genannt. Nun freut sich Neresheimer über das Vertrauen und darauf, zusammen mit Trinkl Bürgermeister Kühn unterstützen zu dürfen. ft

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis Miesbach: Wendelsteinbahn macht zu
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Wendelsteinbahn macht zu
Wegen Corona-Krise: Schulschachverein schaltet neues Angebot für Kinder
Wegen Corona-Krise: Schulschachverein schaltet neues Angebot für Kinder
Unterricht startet wieder: Warum den Schülern dabei nicht ganz wohl ist
Unterricht startet wieder: Warum den Schülern dabei nicht ganz wohl ist
Mit Abstand das Beste: Lebenszeichen vom Bergfilm-Festival
Mit Abstand das Beste: Lebenszeichen vom Bergfilm-Festival

Kommentare