Einfach wohnen in Holzkirchen

Baukulturregion Alpenvorland: So werden Ressourcen gespart

Forschungshäuser in Bad Aibling
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Die Aiblinger Forschungshäuser wurden in den Bauweisen Leichtbeton, Massivholz und Mauerwerk (v.l.) ausgeführt. Sie berücksichtigen die vom Münchner Architekturprofessor Florian Nagler niedergeschriebenen Grundsätze für einfaches, nachhaltiges Bauen.

Holzkirchen – Architekt Florian Nagler hat in Holzkirchen über Potenziale und Notwendigkeiten künftigen Wohnungsbaus gesprochen.

Im Rahmen des Beitritts der Marktgemeinde Holzkirchen zum Leader-Projekt „Baukulturregion Alpenvorland“ fand kürzlich eine Online-Veranstaltung unter der Überschrift „Einfach wohnen“ statt. Dabei sprach der Architekt Florian Nagler über Potenziale und Notwendigkeiten künftigen Wohnungsbaus und wie sich Architektur auch unter Berücksichtigung alter Bauweisen weiterentwickeln kann. Dabei sah er den Zug für den Bau von Einfamilienhäusern als abgefahren an.

Nagler, der auch einen Lehrstuhl als Professor für Entwerfen und Konstruieren an der Technischen Universität München innehat, war unter anderem am Bau der bislang größten aus Holz errichteten Plus­energieschule in Diedorf beteiligt. Der technische Aufwand dafür war, wie der Münchner Architekt sagte, gigantisch und der Betrieb des Gebäudes in Zukunft mache ihm bei den anstehenden Software-Updates ein wenig Angst. Nach Fertigstellung dieses Gymnasiums für rund 1.000 Schüler stand für ihn fest: „Bauen muss einfacher gehen!“.

In Bad Aibling drei Forschungshäuser

So entstanden unter seiner maßgeblichen Mitwirkung in Bad Aibling drei Mehrfamilienforschungshäuser, die mit monolithischen Wandaufbauten aus Holz, Mauerwerk sowie Beton errichtet wurden und konsequent die Ziele einfachen sowie ressourcenschonenden Bauens verfolgen. So wurden die Haustechnik und Strominstallation in den Häusern beispielsweise nicht unter, sondern auf Putz verlegt, weil deren Zyklen weit kürzer sind, als die Häuser stehen. Weiter ist interessant, dass sich nach verschiedenen Experimenten und Berechnungen eine Raumhöhe von rund 3,30 Meter als ideal herausgestellt hat und laut Nagler eine Wandstärke von 30 Zentimeter bei allen Baustoffen dicke ausreiche.

Gemeinsam mit seinem Schweizer Kollegen Roger Boltshauser hat Nagler dazu ein Manifest niedergeschrieben, das überkomplizierten und technisch überfrachteten baulichen Lösungen eine klare Absage erteilt sowie den sparsamen Umgang mit Rohstoffen, Energie und Flächen fordert. Demnach ist bei Baumaßnahmen der Flächenverbrauch in der Stadt und auf dem Land zu reduzieren sowie beim Rückbau ein hochwertiges Recycling anzustreben oder sich noch besser verstärkt dem Umbau von Bestandsgebäuden zu widmen.

Geringer Energieverbrauch nötig

Zudem sollten Materialien verwendet werden, die möglichst wenig sogenannte graue Energie verbrauchen. Damit die Gebäude mit geringem Energieverbrauch auskommen, sollte verstärkt auf architektonische statt technische Elemente gesetzt werden.

Schluss­endlich sollten Gebäude langlebig, robust und einfach zu nutzen sein. Dies konnte, wie Nagler erklärte, nahezu vollständig in den Aiblinger Forschungshäusern umgesetzt werden. In diesem Zusammenhang sah er den Zug für den Traum aller Deutschen vom eigenen Einfamilienhaus als abgefahren an: „Dieser Typus ist fragwürdig und sollte nur noch in dafür vorhandene Lücken infrage kommen.“

Äußerst inspirierender Vortrag

Neben rund 70 Zuhörern verfolgte den Vortrag unter anderem der Holzkirchner Gemeinderat Robert Wiechmann (Grüne), der den Ausführungen von Architekt Florian Nagler in einem Online-Kommentar eine gute Entscheidungshilfe für kommunale Entscheidungsträger attestierte und den Bürgermeister Christoph Schmid zum Abschluss als äußerst inspirierend lobte.

Mehr zum Leader-Projekt „Baukulturregion Alpenvorland“ lesen Sie hier. hac

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