Bürgermeister Georg Kittenrainer im Gespräch

Warmbad Bayrischzell: "Versuche, das Beste daraus zu machen"

Badespaß wie auf dem Foto gibt es heuer nicht in Bayrischzell. Über die Zukunft des Warmbades sollen die Bürger entscheiden.
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Badespaß wie auf dem Foto gibt es heuer nicht in Bayrischzell. Über die Zukunft des Warmbades sollen die Bürger entscheiden.

Bayrischzell – Hohe Kosten und sinkende Besucherzahlen: Wie es mit dem Warmbad weitergeht, sollen nun die Bayrischzeller entscheiden.

Um das in die Jahre gekommene Schwimmbad zu erhalten, braucht die Gemeinde Bayrischzell Geld für die Sanierung. Ebenso für die laufenden Kosten, da das Bad jedes Jahr rote Zahlen schreibt. Eine emotionale Diskussion im Ort ist entbrannt über die Frage, ob das Warmbad erhalten bleiben soll. Der Bayrischzeller Gemeinderat hat vor Kurzem beschlossen, die Bürger selbst entscheiden zu lassen – per Bürgerentscheid. Im Gespräch erklärt Bürgermeister Georg Kittenrainer die Hintergründe:

Herr Kittenrainer, das Bayrischzeller Warmbad ist Dauerthema im Ort und war ein wichtiger Punkt in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Was verbinden Sie persönlich mit dem Schwimmbad?

Mit unserem Schwimmbad verbinde ich sehr schöne Erinnerungen. Ich habe dort viel Zeit in meiner Jugend verbracht und auch Schwimmen gelernt. Das Schwimmbad war für mich eigentlich nie Diskussionsthema, weil es einfach zu Bayrischzell gehört. Allerdings habe ich in den vergangenen sechs Jahren als Bürgermeister und vorher schon als Gemeinderat gemerkt, wie viele Probleme und Schwierigkeiten mit dem Schwimmbad verbunden sind. Wir haben einfach einen Bau aus den 1950er Jahren. Dieser ist in vielen Bereichen sehr baufällig geworden und es besteht ein hoher Investitionsbedarf. Es muss irgendeine Lösung her, weil unser Schwimmbad so, wie es jetzt dasteht, leider über kurz oder lang nicht mehr betriebsfähig ist.

Gemeinderat Albert Jupé hatte die Höhe der von der Verwaltung geschätzten Sanierungskosten angezweifelt. Vergangene Woche stellte er ein von ihm in Auftrag gegebenes Kurzkonzept im Gremium vor. Ist die Schwimmbad-Sanierung jetzt doch nicht so teuer wie gedacht?

Ich bin sehr froh, dass sich Gemeinderat Albert Jupé die Arbeit gemacht hat und den Kosten auf den Grund gegangen ist. Er hatte immer von Sanierungskosten von maximal 250.000 Euro gesprochen und jetzt hat er selbst bewiesen, dass das nicht möglich ist. Er ist zu Fachplanern und Fachfirmen gegangen und hat sich beraten lassen. Daraufhin stellte er in der Sitzung des Gemeinderats ein Sanierungskonzept vor, bei dem das Schwimmbad für 700.000 Euro zu sanieren wäre. Das Konzept ist sehr detailliert, aber es fehlen beispielsweise die Gastronomie, die Umkleiden- und Toilettenanlagen – diese wurden nicht berücksichtigt. Damit gibt er der Verwaltung Recht. Wenn das dann so umgesetzt wird, dann werden wir die Million mit Sicherheit reißen. Alles andere ist leider nicht realistisch.

Gibt es schon Ideen, wie die hohen Kosten für eine eventuelle Sanierung geschultert werden könnten?

Wenn die Gemeinde Bayrischzell das Warmbad erhält und stark investiert, dann müssen wir uns über die Finanzierung Gedanken machen, weil wir das nicht aus dem laufenden Haushalt finanzieren können. Dann reden wir über eine deutliche Anhebung der Kurtaxe und wir werden auch bei den sonstigen Gebühren oder Steuern die Stellschraube nach oben drehen müssen. Es ist die Grundsteuer B, also die Steuer, die die Hausbesitzer betrifft, in der Diskussion. Natürlich gibt es auch Zuschüsse. Aber ich glaube, es ist nicht seriös, jetzt einen hohen Kredit aufzunehmen und darauf zu warten, dass irgendwann sehr gute Zeiten kommen und wir es dann aus dem laufenden Haushalt zurückzahlen können.

Der Gemeinderat hat in der jüngsten Sitzung beschlossen, im Herbst die Bürger per Bürgerentscheid über die Zukunft des Warmbads abstimmen zu lassen. Warum geht der Gemeinderat diesen eher ungewöhnlichen Weg?

Das Schwimmbad ist für Bayrisch­zell ein sehr emotionales Thema. Wir haben auf der einen Seite Befürworter, die sehr lautstark für ihr Schwimmbad kämpfen. Die möchten das Schwimmbad unbedingt so erhalten, wie es immer war. Ich habe Verständnis dafür. Auf der anderen Seite stehen die Betriebswirtschaftler, die nicht wollen, dass unsere Steuergelder derart verschwendet werden. Das Schwimmbad ist so schlecht besucht wie noch nie. Wir haben seit Jahren sinkende Besucherzahlen. Da prallen zwei Fronten aufeinander. Ich traue dem Gemeinderat die Entscheidung schon zu, aber ich befürchte, dass nach einer Entscheidung die Diskussionen erst richtig losgehen. Es ist eine Entscheidung mit einer sehr großen Tragweite. Es gab noch nie einen Bürgerentscheid in Bayrischzell, aber ich glaube, diese Entscheidung ist am besten bei den Wählern aufgehoben. Und das Ergebnis müssen dann auch alle akzeptieren.

Werden die Bürger vor dem Bürgerentscheid nochmal über Zahlen und Fakten informiert?

Es wird eine Sonderausgabe der Gemeindenachrichten geben. Jeder darf alles wissen, jeder darf jede Zahl wissen. Da wollen wir alles offenlegen, von der möglichen Sanierung bis hin zur Finanzierung und wie sich das Ganze dann auf den Gemeindehaushalt auswirkt. Und auf der anderen Seite möchte ich auch aufzeigen, welche Alternativen es gibt, wenn es das Schwimmbad nicht mehr gibt. Diese Entscheidung der Bürger muss sich dann der Gemeinderat zu Herzen nehmen. Ich kann versprechen, dass ganz egal, wie die Entscheidung ausgeht, ich versuche das Beste daraus zu machen.

Interview: Judith Weber

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