Kuriosum am Sudelfeld

Darum bietet Familie Berger eine eigene Karte für den Rankenlift an

Neben dem Bergbahnenverbund mit dem Achter-Sessellift (im Hintergrund) gibt es am Sudelfeld nun das Skizentrum Grafenherberg.
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Neben dem Bergbahnenverbund mit dem Achter-Sessellift (im Hintergrund) gibt es am Sudelfeld nun das Skizentrum Grafenherberg.

Bayrischzell – Quasi ein Skigebiet im Skigebiet gibt es derzeit am Sudelfeld, denn Familie Berger bietet eine eigene Karte für den Rankenlift. Zum Ärger für Skifahrer.

Wer am Sudelfeld auf die Piste möchte, hat jetzt eine kuriose Wahl: Denn neben – oder praktisch im Skiparadies – wie sich der Bergbahnenverbund nennt, gibt es jetzt ein zweites Skigebiet, das Skizentrum Grafenherberg-Sudelfeld. Damit ist ein neues Kapitel im Liftstreit oberhalb von Bayrischzell und Oberaudorf eingeläutet. Einen Nutzen davon hat vermutlich niemand.

So mancher, der in den vergangenen Tagen am Sudelfeld angekommen und zu den Parkplätzen am Waldkopf gefahren ist, wird sich gewundert haben. Schilder weisen den Weg zum Skizentrum Grafenherberg. Dabei handelt es sich um den Rankenlift der Familie Berger. Sie bietet dort laut den Infos ihrer Internetseite zwei beschneite Abfahrten, eine Wellenbahn, einen separaten Kinderlift und eine Gastronomie mit der Grafenherbergalm.

Im aktuellen Pistenplan des Skiparadieses Sudelfeld ist der Rankenlift zwar eingezeichnet, aber mit seinen Abfahrten als nicht im Skipassverbund gekennzeichnet. Und nun ist es wirklich soweit, dass es dort eigene Liftkarten gibt. Am 27. Dezember ist das Skizentrum in die Saison gestartet „und unsere Erwartungen wurden sogar übertroffen“, wie die Betreiber mitteilen. Mit den Bergbahnen Sudelfeld arbeiten sie nicht zusammen, weil deren Angebot nicht wirtschaftlich sei.

„Ich verstehe es nicht“, zeigt sich Bergbahnen-Geschäftsführer Egid Stadler überrascht und ratlos ob der neuen Entwicklungen. „Das bringt nur Unruhe“, findet er. Der Streit zwischen der Bergbahnen-GmbH und Familie Berger dauert schon lange an, letztendlich ist diese aus dem Liftverbund ausgestiegen. Es geht ums Geld. Die Aufteilung der Einnahmen im Verbund erfolgt nach der Zahl der Skifahrer, die einen Lift nutzen. Und Sessellifte werden höher bewertet als Schlepplifte. „Das ist überall auf der Welt so“, sagt Stadler. „Sonst würde ja auch niemand investieren.“ Um wieder in den Verbund zu kommen, müsste Berger den Bewertungsschlüssel akzeptieren. Die Tür sei immer offen, macht Stadler deutlich. Um den Streit beizulegen, haben die Bergbahnen der Familie Berger sogar angeboten, mit einer eigenen Karte am Verbund zu partizipieren. Das sei zwar eigentlich ausgeschlossen – „aber um des Friedens willen“, erklärte Stadler.

Für den Rankenlift hat aber die Betreiberfamilie ein „umfangreiches, betriebswirtschaftliches Gutachten“ erstellen lassen. Laut diesem „wäre entsprechend dem Angebot der Bergbahnen Sudelfeld ein kostendeckender Liftbetrieb vollkommen unmöglich“, erklärt Familie Berger. Sie versucht es nun mit ihrem eigenen kleinen Skizentrum, das sich vor allem an Familien mit Kindern richtet und eine günstige Alternative sein soll. Die Tageskarte kostet 8 Euro für Kinder, 14 für Erwachsene und 35 für Familien.

Für auswärtige Skifahrer bedeutet das Kuriosum mit zwei Sudelfeld-Skigebieten wohl nur Verwirrung und oft Ärger. Denn wer mit Liftkarte der Bergbahnen versehentlich zum Rankenlift schwingt, muss sich entweder dort eine Karte kaufen oder seine Bretter abschnallen und die paar Höhenmeter zur Achter-Sesselbahn hinauf stapfen. Einheimischen Skifahrern und Snowboardern wird das zwar kaum passieren. Sie ärgern sich dafür, dass sie auf eine schöne Abfahrt verzichten müssen. „Das passt eigentlich so gut dazu“, bedauert auch Stadler. Vor allem würden zwei Pisten mehr auch die anderen Abfahrten entlasten. Und noch eine steht nicht mehr zur Verfügung: die von der Ostabfahrt des Rankenlifts abzweigende Piste zum Waldkopf. Da haben die Bergers einen Zaun aufgestellt, erklärt Stadler.

Ob das Konzept des Grafenherberg-Skizentrums aufgeht, wird die Zeit zeigen. Ein gutes Zeichen für den Tourismus und den Wintersport in der Region ist es sicher nicht. ft

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