20 Jahre engagiert

Stimme für Menschen mit Handicap im Landkreis Miesbach: Anton Grafwallner sagt Servus

Anton Grafwallner
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Anton Grafwallner verabschiedet sich als Beauftragter für Menschen mit Behinderung im Landkreis Miesbach in den wohlverdienten Ruhestand.

Landkreis – Nach 20 Jahren als Beauftragter für Menschen mit Behinderung im Landkreis Miesbach verabschiedet sich Anton Grafwallner.

Seit dem Sommer 2000 war Anton Grafwallner ehrenamtlich als Behindertenbeauftragter des Landkreises Miesbach tätig. Zum Ende des Jahres verabschiedet sich der 72-Jährige nun in den Ruhestand. Während der vergangenen zwei Dekaden hat der Gmunder, der selbst seit seinem 42. Lebensjahr auf den Rollstuhl angewiesen ist, vielen Menschen mit Handicap bei deren Sorgen und Nöten geholfen. Begriffe wie Inklusion und Teilhabe erfüllte der engagierte Wegbereiter mit Leben. Schwerpunkt seines ergebnisorientierten Handelns war stets die Barrierefreiheit.

„Jeder Tag brachte eine neue Herausforderung“, sagt Grafwallner und blickt auf die unterschiedlichen Aufgabengebiete seiner zeitaufwendigen Ehrenamtstätigkeit zurück. „Bei der sogenannten Soforthilfe ging es darum, Landkreisbürgern mit Behinderungen zu helfen und sie zu unterstützen, wenn beispielsweise Probleme und Schwierigkeiten mit Ämtern, Behörden, Krankenkassen, Institutionen oder Organisationen auftraten“, erläutert Grafwallner. Der zweite Bereich sei das Bemühen um eine Verbesserung der Infrastruktur für gehandicapte Menschen gewesen.

Ein weiteres Anliegen war dem Behindertenbeauftragten der barrierefreie Tourismus im Miesbacher Landkreis. Bekanntlich hat Grafwallner in diesem Zusammenhang bereits im Jahr 2002 eine Internetplattform mit wichtigen Informationen in Sachen barrierefreier sowie behindertengerechter Parkplätze, Toiletten, Gaststätten und Kirchen erstellt. „Mittlerweile besuchen jährlich knapp 100.000 Personen – das sind täglich um die 260 Aufrufe – die Internetseite des Behindertenkompasses“, zieht Grafwallner Bilanz.

Viel Lob im Kreistag

Aufgrund der Corona-Pandemie nahm Anton Grafwallner nicht an der jüngsten Kreistagssitzung im Rottacher Seeforum teil. Landrat Olaf von Löwis verabschiedete den Kreisbehindertenbeauftragten dennoch mit vielen lobenden Worten. Diesen schloss sich Elisabeth Janner (Grüne) mit einer weiteren Laudatio an. Beide hoben Grafwallners unermüdlichen Einsatz hervor und vergaßen nicht, sich auch bei Grafwallners Frau zu bedanken, die ihn bei seiner Arbeit all die Jahre unterstützt hat. ft

Für die Zukunft wünscht sich der scheidende Kreisbehindertenbeauftragte eine tatsächlich barrierefreie Gestaltung von Internetseiten. Bislang sei es nur allzu häufig der Fall, dass ungeeignete Farbkontraste, Schriftgrößen und Schriftbilder gewählt würden. Deshalb auch Grafwallners Bitte und Appell: „Bei der Gestaltung von neuen Homepages sollte unbedingt auf Barrierefreiheit geachtet werden. Gerade touristische Auftritte müssen problemlos lesbar und wahlweise auch in leichter Sprache gehalten sein.“

Geradezu erschütternd sei das Erscheinungsbild des neuen ÖPNV-Fahrplans, stellt Grafwallner betrübt fest und zählt die wichtigsten Kritikpunkte auf: „Zu klein, nicht lesbar, kein Kontrast.“ Dabei sei gerade der ältere Personenkreis auf gut lesbare Fahrpläne angewiesen.

Eine Sache, die Grafwallner ebenfalls gewaltig auf den Nägeln brennt, sind die neuen Lint-Züge der BRB. Es bedürfe eines 37 Zentimeter großen Schrittes, um vom Bahnsteig in den Zug zu gelangen. „Für Geh- und Sehbehinderte oder für Mütter mit Kinderwagen ist diese Hürde schier unüberwindbar“, macht der Behindertenbeauftragte deutlich.

Nun will er sich verstärkt der Familie widmen und viel Zeit mit seinen vier Enkelinnen verbringen. Zudem wird der Ruheständler weiterhin seiner großen Leidenschaft nachkommen: dem Beobachten von Fauna, Flora und Habitat. Seinem Nachfolger wünscht Grafwallner viel Kraft, Geduld und für die Zukunft alles Gute. rei

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