Zu wuchtig für Elbach?

Betreutes Wohnen: Fischbachauer Gemeinderäte skeptisch wegen Großprojekt

Elbach Fischbachau
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Auf dem Grundstück gegenüber der Einfahrt zur Grundschule Elbach möchte ein Investor eine Anlage für betreutes Wohnen bauen. Für die Größe in dieser exponierten Lage gab es Kritik im Gemeinderat. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.

Fischbachau – Ein Investor plant, in Elbach eine Anlage für betreutes Wohnen zu bauen. Die Fischbachauer Gemeinderäte sind besorgt wegen des Dorfbildes.

Das Unternehmen Bremora möchte zwischen Elbach und Dürnbach eine Anlage für betreutes Wohnen bauen. Auf dem rund 8.200 Quadratmeter großen Grundstück soll eine barrierefreie Wohnanlage mit 50 Eigentumswohnungen entstehen. Begleitend ist eine Infrastruktur für verschiedene Pflege- und Servicepakete sowie eine parkähnliche Anlage vorgesehen. Dezidiert soll dies kein Altersheim werden.

Vorgestellt wurden die Pläne dem Fischbachauer Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung. Die Wuchtigkeit des Baukörpers mit einer Nutzfläche von zirka 2.600 Quadratmetern und einer Wandhöhe von rund 7,20 Metern sowie die von Bremora ins Auge gefasste Zielgruppe schmeckten der überwiegenden Mehrheit des Gremiums aber nicht. Die Entscheidung, ob ein Bauleitplanverfahren eingeleitet werden soll, wird der Gemeinderat voraussichtlich in der Sitzung Ende April fällen.

Anlage in Elbach könnte sinnvoll für Gemeinde sein

Bürgermeister Johannes Lohwasser legte Statistiken zur demografischen Entwicklung im Landkreis auf und meinte, dass, heruntergebrochen auf die Bedürfnisse der Gemeinde, eine solche Anlage durchaus sinnvoll sein könnte. Eva Köhler (Grüne) fürchtete hingegen, dass diese vor allem auswärtige Menschen anlockt, die es sich leisten können, ihren Lebensabend in einer schönen Gegend zu verbringen: „Wir sehen doch in vergleichbaren Anlagen im Landkreis, dass 50 Prozent der Bewohner sonst wo her kommen.“

Wie Andreas Gschwendtner (CSU) sagte, müsse in Bezug auf den demografischen Wandel natürlich auch in Fischbachau etwas passieren, aber die Bedürfnisse dafür sieht er anders: „Unsere Senioren wollen doch so lange es geht in ihren eigenen vier Wänden bleiben und werden dabei von Familie, Verwandten und Nachbarn unterstützt. Oft wird es erst kritisch, wenn die Pflegedürftigkeit eintritt, hier sollten wir ansetzten.“ Außerdem sei die Anlage auf einem derart exponierten Platz für ihn nicht vorstellbar. Ähnlich äußerte sich Andreas Estner (FWG): „Elbach ist einer unserer schönsten Ortsteile, den sollten wir mit solch einer großen Anlage nicht kaputt machen.“

Kaum Wertschöpfung für Fischbachau?

Zum Thema Wertschöpfung für die Gemeinde äußerte sich Michael Garmaier (CSU) kritisch: „Ich hab da so meine Zweifel, wenn die Anlage ein Unternehmen baut, das seinen Firmensitz von Hausham nach Grünwald verlegt hat und dazu einen Investor aus Berlin (Green Living Development) mit an Bord nimmt.“

Dem widersprach Bernhard Bremora: „Da muss halt die Gemeinde auf uns zu kommen.“ Auch entkräftete Bremora die Vorwürfe, dass dies eine Ferienwohnanlage für Betuchte und Familien werden wird: „Egal ob ein, zwei oder drei Zimmer, es wird vertraglich festgelegt, dass nur Menschen über 65 Jahre einziehen können.“

Entscheidung auf April vertagt

Er wollte aber auch nicht ausschließen, dass die Wohnungen von Jüngeren, eventuell auch Auswärtigen, gekauft und dann an wohnberechtigte Menschen weitervermietet werden. Auf das nicht zustande gekommene Projekt eines betreuten Wohnens in Hausham angesprochen, meinte Bremora, dass sich dies lediglich wegen der Lehmann-Pleite und der folgenden Finanzkrise zerschlagen hatte.

„Sinnhaft oder nicht, das Gebäude wirkt erdrückend. Außerdem würde ich lieber erst einmal die Fischeralm fertig bringen“, meinte Thomas Kantenseder (FaB). Dem stimmte Korbinian Wolf (Grüne) zu: „Ich sähe ein Altenheim auch als wichtiger an.“ Jetzt haben die Gemeinderäte bis zur Sitzung am 26. April Zeit, das Gehörte sacken zu lassen. Dann soll für die Anlage eine Entscheidung pro oder contra fallen. hac

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