Bilanz der Amphibienwanderung

Urzeittiere überraschen bei Schutzaktion des Bund Naturschutz Holzkirchen

Schneeflöhe auf Amphibien
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Mit Schneeflöhen bedeckt waren zahlreiche Amphibien dieses Jahr in Holzkirchen.

Holzkirchen – Das Team der Ortsgruppe Holzkirchen im Bund Naturschutz hat bei der Amphibienwanderung 2021 einige Überraschungen erlebt.

2021 hat ein 18-köpfiges Helferteam der Ortsgruppe Holzkirchen im Bund Naturschutz die beiden Amphibienwanderungen in Sufferloh und im Teufelsgraben betreut. So manche Kuriosität taucht im Abschlussbericht der Schutzaktion auf.

Wegen vielfältiger Wetterkapriolen wie mehrfacher Schneefälle und vieler Nachtfröste sind die Amphibienwanderungen in diesem Jahr über einen außergewöhnlich langen Zeitraum betreut worden – nämlich zehn Wochen.

In Sufferloh und im Teufelsgraben

„In Sufferloh wurden heuer 840 Amphibien sicher über die Straße gebracht“, erklärt Helmut Schneider, der für das Amphibien-Schutzprojekt verantwortlich ist. „Das ist ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um zirka 25,4 Prozent.“ Meist waren es Erdkröten. Über die Gründe könne nur spekuliert werden. Möglich wäre zum Beispiel, dass es sich dabei lediglich um eine natürliche Schwankung handelt.

Im Bereich Teufelsgraben erlebten die Helfer dagegen eine kleine Überraschung: Nach den massiven Rückgängen geretteter Amphibien in den vergangenen vier Jahren um insgesamt über 71 Prozent stieg die Zahl der geretteten Amphibien heuer erstmals wieder leicht an. Dies habe sich insbesondere bei den Erdkröten gezeigt, von denen heuer 11,7 Prozent mehr als 2020 sicher über die Straße gebracht wurden. „Bei den übrigen Amphibienarten zeigten sich keine nennenswerten Veränderungen“, resümiert Helmut Schneider.

Besonderes Phänomen im Teufelsgraben

Die Hauptwanderung der Amphibien im Bereich Teufelsgraben konzentrierte sich auch heuer auf sieben Tage, die allerdings durch mehrere Nachtfrostphasen und Schneefälle mit teilweise bis zu 15 Zentimetern Neuschnee unterbrochen wurden. So mussten die Helfer die Schutzzäune und Fangeimer mehrmals von Schnee befreien.

Ein besonderes Phänomen zeigte sich heuer zudem im Teufelsgraben: „In mehreren Fangeimern lagen an einigen Tagen unzählige hüpfende violett-schwarze Insekten“, erläutert Helmut Schneider in seinem Abschlussbericht. „Dabei handelte sich um Abertausende ein bis zwei Millimeter kleine, winteraktive Springschwänze – im Volksmund auch Schneeflöhe genannt.“ Im Spätwinter brechen diese Insekten massenweise auf, um neue Nahrungsquellen und geeignete Lebensräume zu finden.

Wetter beeinflusst Wanderverhalten

Das Wetter ist alljährlich die große Unbekannte, die das Wanderverhalten der Amphibien massiv beeinflusst. Nach etlichen Tagen mit starken Nachtfrösten herrschten bereits Mitte Februar milde Temperaturen mit teilweise bis zu 20 Grad Celsius. Da das Wetter im Frühjahr immer wieder wechselte, wanderten die Amphibien immer nur in den kurzen Phasen, in denen die Nächte feucht und relativ warm waren. Waren die Nächte frostig, unterbrachen die Amphibien sofort ihre Wanderung.

„Um den Start der Amphibienwanderung nicht zu verpassen, ließen wir deshalb schon in der vierten Februarwoche die Amphibienschutzzäune in Sufferloh und im Teufelsgraben aufstellen“, berichtet Helmut Schneider. „Bereits am 27. Februar wurden im Teufelsgraben die ersten Amphibien gesichtet.“ ksl

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