Hausham schafft das „Wir“

Es bleibt ein langer Weg: Fest zu vier Jahren Integration in Hausham

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Helferkreis-Mitarbeiterin Mechthild Manus mit Faadumo Nur Abdullahi. Da diese als Frau in ihrem Heimatland Somalia nicht zur Schule gehen durfte, war der Besuch der Berufsschule eine große Herausforderung, die sie aber mit Bravour meisterte. Heute ist sie im Krankenhaus als Pflegefachkraft unentbehrlich.

Hausham – Noch vor Bundeskanzlerin Merkels berühmtem Ausspruch „Wir schaffen das“ haben in Hausham Kommunalpolitik, Kirche und aufmerksame Bürger erkannt, dass sich in Sachen Migration etwas anbahnt und einen Runden Tisch organisiert. Erstmals traf sich die Runde vor vier Jahren im Katholischen Pfarrheim. Es war ein entscheidender Schritt, um die Integration auf einen guten Weg zu bringen. Grund genug, dieses Jubiläum mit einem bunten Fest am gleichen Ort zu feiern. Gekommen waren neben alteingesessenen Haushamern viele Asylsuchende und anerkannte Flüchtlinge, die die rund 70 Anwesenden mit Gerichten aus ihrer arabischen und afrikanischen Heimat verwöhnten.

Vor gut fünf Jahren nahm sich Gerhard Klante erstmals selbst in die Pflicht, um einem jungen Flüchtling in Hausham zu helfen. Klante wurde klar, dass dies kein Einzelfall bleiben würde. Um die Hilfe auf mehrere Schultern zu verteilen, fand er in Pfarrer Michael Mannhardt einen Mitstreiter, der nicht lange überlegte und zu einem Runden Tisch in das Pfarrheim mit der Kommunalpolitik und dem sich gründenden Helferkreis Asyl einlud. Deswegen klappte auch, wie Gemeinderätin Ria Röpfl in ihrem Grußwort erinnerte, die Aufnahme bei der großen Flüchtlingswelle im Herbst 2015 relativ reibungslos: „Deswegen konnten wir Gott sei Dank damals alle Asylsuchende dezentral unterbringen. Das war doch der sehr viel bessere Weg als eine Sammelunterkunft.“

Die derzeit etwa 100 Asylbewerber in Hausham benötigen aber weiterhin Unterstützung. Das geht von der Suche nach einem geeigneten Rechtsbeistand bis hin zur Erstaufnahme. Deshalb braucht der Helferkreis weiterhin Paten, die bei der Organisation von Schule, Familie und täglichem Leben unterstützen möchten. „Wir pflegen einen respektvollen Umgang miteinander und lernen auch voneinander. Hausham ist eine bunte Gesellschaft und ich möchte, dass das auch so bleibt. Ich zähle dabei auf ihre Hilfe“, ermunterte Klante zur Mitarbeit. Ein weiterer Appell des Helferkreises war die Bereitstellung von Wohnraum, einem nicht nur bei Einheimischen gesuchten Gut.

Was nicht in Haushams Macht liegt, ist den Arbeitsmarkt für Asylsuchende zu öffnen. Ein junger Schützling Klantes sprach vielen Anwesenden aus der Seele: „Ich bemühe mich wirklich sehr. Ich lerne Deutsch und würde gerne arbeiten oder eine Ausbildung machen, aber ich darf nicht. Ich verstehe auch nicht, warum ich täglich mit der Abschiebung rechnen muss, obwohl ich alle Gesetze achte, aber Asylbewerber, die Straftaten begehen, bleiben dürfen.“

Letztendlich war es ein gelungener Abend, bei dem über vieles gesprochen wurde. Wie Bürgermeister Jens Zangenfeind sagte, ist auch das wichtig: „Wir dürfen keine Berührungsängste haben und sagen, was uns freut oder auch belastet. Wir sollten dabei aber nicht vergessen, dass sich die Asylsuchenden ihr Schicksal nicht ausgesucht haben. Wenn wir so weitermachten, schaffen wir die Integration als Ortsgemeinschaft auch weiterhin.“ Eine Einschätzung, die auch Pfarrer Mannhardt als Hausherr der Veranstaltung teilte: „Wenn Parallelgesellschaften verhindert werden sollen, muss die Integration gelingen. Das bleibt ein langer Weg, den die Gesellschaft gemeinsam gehen muss.“ hac

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