Bolzplatz stört Anwohner

Unendliche Geschichte in Marienstein: Gemeinde soll Lärm verhindern

+
Der Bolzplatz in Marienstein gibt einem Anwohner immer wieder Anlass zur Beschwerde.

Marienstein – Dass Kinder und Eltern auf dem Bolzplatz in Marienstein kicken, ist für den Waakirchner Gemeinderat eine ganz normale Sache. Nicht jedoch für einen Anwohner, der sich vom Geräuschpegel gestört fühlt. Seit mehr als zwei Jahren lässt der Mariensteiner nichts unversucht, gegen den Platz vorzugehen. Inzwischen hat er sogar das Landratsamt Miesbach eingeschaltet.

Immer wieder hat sich Harald Aimer bei Bürgermeister Sepp Hartl über den Lärm auf dem Bolzplatz beschwert. Die Gemeinde tat, was sie tun konnte, das genügte aber offensichtlich dem Anwohner nicht. Aimer möchte den Platz umzäunt und durch eine Lärmschutzwand abgegrenzt haben. Von der Kreisbehörde wollte er nun wissen, ob der Bolzplatz in seiner jetzigen Form überhaupt genehmigt ist.

Bei der Gemeinderatssitzung verlas Rathaus-Geschäftsleiter Markus Liebl das Antwortschreiben des Landratsamtes. Daraus geht hervor, dass sowohl der Bolzplatz als auch der angrenzende Spielplatz zulässig und nicht zu beanstanden sind. Allerdings sollte der Betrieb auf eine achtstündige Nutzung im Zeitfenster von 7 bis 22 Uhr begrenzt werden. Ferner sei auf dem Bolzplatz das Alter auf 18 Jahre zu beschränken. Was wiederum bedeutet, dass Eltern draußen bleiben müssen.

Dergleichen behagte dem Ratsgremium, das bewusst auf eine Altersbegrenzung verzichtet hatte, überhaupt nicht. „Es gibt doch nichts Schöneres, als wenn Eltern mit ihren Kindern Fußball spielen“, sagte Hartl. Gisela Hölscher (FWG) rief dazu auf, „ein Zeichen zu setzen, dass wir eine kinderfreundliche Gemeinde sind“ und stellte den Antrag, es bei der jetzigen Regelung zu belassen. Diese sieht keine Altersgrenze vor, jedoch eine Nutzungs-Beschränkung. Wie bekannt, hatte der Gemeinderat vor zwei Jahren festgelegt, dass samstags und sonntags um 18 Uhr sowie werktags um 20 Uhr Schluss sein muss.

Die Vorgaben des Landratsamtes nicht einzuhalten, davon riet Robert Englmann (CSU), von Beruf Richter, strikt ab. „Das Prinzip ‚verklag mich doch‘ hilft uns auch nicht weiter“, betonte Englmann und machte deutlich: „Wir widersetzen uns einer geltenden Rechtslage.“ 

So viel Wirbel um den Mariensteiner Bolzplatz – dabei berichteten Bürgermeister Hartl und Günther Schmöller (FWG), dass auf dem Platz ohnehin fast nichts los sei. „Da ist tote Hose“, bestätigte SPD-Rätin Gwenny Kalch. Eltern, die ihren Kindern das Fußballspielen beibringen wollen, könne man doch nicht verbieten, den Platz zu betreten, meinte Rudi Reber und wies in diesem Zusammenhang auch auf die elterliche Aufsichtspflicht hin.

Weil über die weitere Vorgehensweise Ratlosigkeit herrschte, folgte das Gremium schließlich dem Vorschlag von Andreas Hagleitner (FWG), die Abstimmung zu vertagen. Vor einer Entscheidung soll noch einmal genau die Rechtslage geprüft werden.

Dass am Ende eine Lösung gefunden wird, die Anwohner Aimer zufriedenstellt, bezweifelt Bürgermeister Hartl. „Egal, was wir machen, er wird wieder auf der Matte stehen“, ließ der Rathauschef verlauten und merkte abschließend an: „Es ist schon eine traurige Welt.“rei

Auch interessant

Meistgelesen

Nach bundesweitem Warnstreik: Zugverkehr rollt an
Nach bundesweitem Warnstreik: Zugverkehr rollt an
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Fischbachauer Bürgerversammlung: Lechner berichtet über Projekte und gutes Wirtschaften
Fischbachauer Bürgerversammlung: Lechner berichtet über Projekte und gutes Wirtschaften
Zu schnell unterwegs: Miesbacher kommt von Straße ab
Zu schnell unterwegs: Miesbacher kommt von Straße ab

Kommentare