Vom „Hößen“ und „Hubern“

Bruder Barnabas beste Sprüche aus der Fastenpredigt im Bräustüberl Tegernsee

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Wie üblich in Mönchs-Kutte und mit süffisanter Rede: Nico Schifferer trat zum elften Mal als Fastenprediger Barnabas auf.

Tegernsee – Als Fastenprediger hat man‘s im Tegernseer Tal dieser Tage wohl nicht so leicht mit der Themenfindung: Vorbei sind laut Barnabas alias Nico Schifferer die „herrlichen Zeiten“, als so mancher Rathauschef eigenmächtig getroffene Entscheidungen erst im Nachhinein vom Gemeinderat absegnen ließ. Dennoch hat der „Stoff“ aus dem zurückliegenden Jahr für eine rund zweistündige Rede gereicht, in der Schifferer das „heißgeliebte Tal“ und den „dazugehörigen skandalgeschüttelten Kreis“ mitsamt seiner Verantwortlichen und den VIPs rund um den See mal schmunzelnd, mal Keule schwingend ermahnte.

Den meisten Tal-Bürgermeistern attestierte Bruder Barnabas ohnehin „eingebaute Langweiligkeit“. Auch Wolfgang Rzehak, der „politisch etwas unglücklich aufgestellte Landrat mit dem Katastrophen-Gen“, gehöre zu den „kantenlosen Verwaltungsexperten“. Ganz anders dagegen ein Georg von Preysing, Vorgänger von Gmunds Bürgermeister Alfons Besel: „Wie vermissen wir solche Typen! Den Erfinder von Radlwegen mit spannend eingebauter Trekking-Unterbrechung. In Gmund singen die Kinder schon: Auf die Schulter muss das Rad, weil hier der Schorsch gebastelt hat.“

Für Tegernsee brannten Barnabas zwei Ideen auf den Nägeln: „Lieber Bürgermeister Hagn, ich kenne da ein Wort, da bekommst du umgehend Gegensystolen und hektische Flecken. Feuerwehrhaus! (…) Ich verstehe sowieso nicht, warum man die Pläne des umtriebigen Solo-Denkers Peter Janssen nicht wieder reaktiviert. Der wollte immer alles auf den See hinauf bauen. Unter dem Motto: Uns fehlt der Platz fürs Feuerwehrhaus, drum bauen wir‘s zum See hinaus! (…) Oder ihr lasst den Ernst Birkenstock bauen und enteignet ihn dann wegen Eigenbedarf. Auf 51 Metern bringt ihr die Feuerwehr leicht unter.“

In der Gemeinde Kreuth angekommen, der „Inkarnation der Entschleunigung“, zitierte Barnabas den Bürgermeister selbst: „Die Bergsteigerdorf-Idee passt so gut zu Kreuth, weil sie sich Werten widmet, die wir seit Jahrhunderten leben. Sommerruhe und Winterschlaf! (…) Der Bierschneider Sepp sagt seinen Verwaltungsmitarbeitern, wenn der Empfang für die Viktoria Rebensburg vorbei ist: So Leute, jetzt könnt ihr euch wieder hinlegen.“

Wer Streitkultur erfahren wolle, der müsse schon nach Bad Wiessee: „Da erleben Sie Beleidigungen, Soap Opera, Amtsneid, Dauerwahlkampf, lebendige Demokratie unter Zuhilfenahme von diversen Gerichten, Grabenkämpfe ausgetragen über die Presse und alle Jahre hochgradig beliebte Alleingänge inklusive schmerzhaft teurer Projekt-Einstampfungen.“ (…) Die „West-Bänkler“ seien eben eine eigene Rasse. Am „Langzeit-Vize und Hilfsbürgermeister“ Robert Huber – dieser war eingeladen, blieb der Fastenpredigt aber wie schon in den vergangenen elf Jahren fern – monierte Barnabas: „Kaum vertritt er den Kommunikationsverweigerungsweltmeister Höß, nimmt er sofort dessen Attitüden an und setzt selbstverliebt noch einen oben drauf.“ (…) Eigenmächtiger Vertragsabschluss, Umstieg auf CO2-freies Erdgas, keine Debatte, keine Fragen, kein Gemeinderat – typisches „Hößen“, bisher unbekanntes „Hubern“. Anscheinend mache so ein Chefsessel mutig, aber offensichtlich auch leichtsinnig. „Erhöhung der Kurabgabe! Da brauchst schon eine Extrahirnwindung! Normal müsste Bad Wiessee jedem Gast fünf Euro zahlen, dass er sich dieses Baustellenmuseum antut!“, schimpfte Barnabas und sorgte damit für einen der lautesten Lacher des Abends. Peter Höß wünschte er schließlich von Herzen, dass er schnell wieder gesund wird. „Wenn wir solche Alleingänge erleben müssen, dann hätten wir schon gerne das Original!“

Auch Alfons Besel, seit einem Jahr Gmunder Bürgermeister, nahm Barnabas ins Gebet: „Ihr wollt ein Parkhaus bauen in Gmund am Bahnhof? Ein ausg‘machter Kas!“ Auch über das Radlkonzept der bergigen Gemeinde mokierte er sich. Ein Kompliment bekam Besel jedoch für seine „treffende“ Einschätzung: „Kommunalpolitik ist wie ein dunkler Raum, in dem du eine schwarze Katze suchst, die gar nicht da ist.“

Beim Landrat sei das anders. Der suche ständig in einem schwarzen Landkreis grüne Politik, die auch nicht da sei. „Ich hatte eigentlich erwartet, dass ein grüner Landrat auf den ganzen Landkreis schaut, mit dem grünen Donnerkeil der ökologischen Überzeugung so richtig dazwischen haut und mutig grüne Standards setzt.“ Wahrscheinlich sei es einfach schwer, den Grün-Kreativen zu geben. „Dem Florian Silbereisen würde man den Rambo auch nicht abnehmen.“ Aber der Streit mit Stellvertreterin Ingrid Pongratz müsse doch nicht sein, meinte Barnabas – auch wenn sie eine „zache Hehna“ sei. „Bis du die Frau Pongratz von einer anderen Meinung überzeugt hast, machst du eher aus dem Bräustüberl einen Heurigen-Ausschank.“

Dann erklärte Barnabas einige neue Begriffe, die Eingang in den Duden gefunden hätten: Neben „Trumpen“, „Horsteln“ und „Markusieren“ erläuterte er das „Brommieren“, also „sozialschwaches, aggressiv-arrogantes Führungsverhalten mit krankhaft ausgeprägter und fremdfinanzierter Großmannssucht“. „Kreideln“ bedeute: „Mit dem Hintern einreißen, was man mit den Händen aufgebaut hat.“ Und „Hößen“ stehe für „kommunikatives Höhlenverhalten mit eigenbrötlerischer Ergebnisbekanntgabe“.

Süffisanter noch traf es an diesem Abend den Hausherrn selbst: Für seine „herausragende Leistung im Bereich der Holz- und Forstwirtschaft mit den dünnsten Ausreden seit es Schokolade gibt“, bekam Christian Wagner, Geschäftsführer des Herzoglichen Brauhauses, die „Ehrenmotorsäge am Bande“ verliehen. Mit Barnabas Auflage, die Miniatur-Maschine an Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis weiterzureichen, der gerade am Stuhl von Landrat Rzehak säge. „Und wenn Sie soweit sind, Herr von Löwis, könnten Sie die dann bitte an Herrn Thurnhuber weitergeben? Der sägt nämlich gerade an Ihrem Stuhl.“

Am Ende seiner Predigt hoffte Barnabas, dass der „gute alte Quirinus“ hilft, die überhitzen Gehirne etwas herunter zu kühlen. „Freuen wir uns, dass es das Tegernseer Tal rudimentär noch gibt. Begrüßen wir die Oligarchen und Scheichs in unserer Mitte. (…) Schenken wir den Bad Wiesseern ein neues Logo mit grabendem Maulwurf im Schwefelrand. (…) Und wünschen wir uns, dass die Eitelkeit hinter dem Humor zurückweicht.“ Schließlich verabschiedete er sich mit einem Post Scriptum aus dem Munde von Christian Köck: „Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn wir alle einfach ein wenig achtsamer miteinander umgingen.“ sko

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