1. dasgelbeblatt-de
  2. Lokales
  3. Miesbach

Bürgerbefragung in Waakirchen: Enormes Echo für Arbeitskreis Dorfmitte

Erstellt:

Kommentare

Bäckervoitl-Anwesen in Waakirchen
Die bestehenden Grünflächen auf dem Bäckervoitl-Anwesen möglichst wenig zu verbauen – so möchten die Waakirchner ihre Ortsmitte auch künftig sehen. Die erfolgreiche Bürgerbefragung des AK Dorfmitte ergab eine Prioritäten-Liste, die nun Grundlage für weitere Planungen ist. © Daniela Skodacek

Waakirchen – Mit einem Fragebogen wollte der Arbeitskreis Dorfmitte herausfinden, was sich die Bewohner der Gemeinde Waakirchen wünschen.

Es soll nicht alles verbaut werden, sondern möglichst viel Grün erhalten bleiben. Das wünschen sich die Waakirchner am meisten für ihr Ortszentrum neben der Pfarrkirche. Dicht gefolgt von einem öffentlichen WC und einem Bistro oder Café mit Eisdiele. Balthasar Brandhofer vom Arbeitskreis Dorfmitte sprach von einer überwältigenden Teilnahme an der Umfrage der Bevölkerung, deren Ergebnisse er jüngst im Gemeinderat präsentierte.

Die Fragebogenaktion des erst im Juli 2022 gegründeten Arbeitskreises (AK) sei ein richtiger Schritt in Sachen Bürgerbeteiligung gewesen. Zudem interessiere die Gestaltung der Ortsmitte alle Gemeindeteile, resümierte AK-Sprecher Balthasar Brandhofer in der jüngsten Ratssitzung.

Zur Erinnerung: 2019 scheiterte die Gemeinde Waakirchen in einem Bürgerentscheid mit ihrem Vorhaben, das gemeindeeigene Bäckervoitl-Anwesen mit rund 30 Wohnungen zu bebauen. Seit Kurzem gehört ihr außerdem das angrenzende Sparkassen-Gebäude, in das möglichst bald das Rathaus umziehen soll.

Bis zum Stichtag am 16. Dezember sind 791 ausgefüllte und auswertbare Fragebögen eingegangen, die mit der November-Ausgabe des Waakirchner Gemeindeblatts an alle Haushalte verteilt wurden. Dieser Rücklauf übertraf die Vermutung des AK bei Weitem.

Bei einer Auflage von 2900 Stück entspricht das einem Rücklauf von 27 Prozent oder von rund 13 Prozent gerechnet auf die Einwohnerzahl. Also das Vier- bis Fünffache, was normalerweise bei Befragungen zurückkommt. „Für uns war das Weihnachten, Ostern und Pfingsten in einem“, sagte Brandhofer sichtlich erfreut. Ziemlich genau die Hälfte der anonym ausgefüllten Bögen wurde aus Waakirchen und seinen Außenbereichen im Rathaus abgegeben, die übrigen aus den anderen Ortsteilen, 29 Stück ohne Ortsangabe. Mit 30 Bögen sei auch der Anteil an jugendlichen Teilnehmern (zwölf bis 17 Jahre) beachtlich.

In den Fragebögen wurden Schwerpunkte entsprechend der Wünsche aus den vorangegangenen Ortsterminen des Arbeitskreises vorgegeben und nach einem Punktesystem ausgewertet. Die Teilnehmer konnten ihre Antworten in vier Schritten gewichten – von „sehr wichtig“ (5 Punkte) bis „nicht wichtig“ (2 Punkte), „keine Angabe“ entsprach 0 Punkten. Mit 3399 Punkten absoluter Renner ist ein offener Dorfplatz. Gefolgt von einem öffentlichen und barrierefreien WC (3220 Punkte) sowie einem Bistro/Café mit Eisdiele (3062 Punkte). Unter den Top Ten befinden sich zudem Wohnraum (2959), Obstgarten mit Sitzgelegenheit erhalten (2891) und ein Bürgersaal (2837 Punkte).

Auch das Freifeld kam gut an. Dort wurden insgesamt 246 offene Formulierungen eingetragen, wobei 90 Detailvorschläge und 47 Ideen über die Dorfmitte hinaus eingingen. Vor allem wünschen sich die Teilnehmer, die bestehenden Grünflächen des Bäckervoitl-Anwesens mögen nicht zu stark zu verbaut werden, sowie Raum für kulturelle Veranstaltungen, Erhalt der Gastronomie und mehr Parkmöglichkeiten bei Gottesdiensten. Das Thema Wohnraum wurde oftmals mitgenannt.

Absolut motiviert von dieser Resonanz, möchte der Arbeitskreis baldmöglichst einen Termin mit dem Amt für ländliche Entwicklung in Thierhaupten realisieren, an dem auch Vertreter der Gemeinde teilnehmen sollen.

Bürgermeister Norbert Kerkel dankte dem Arbeitskreis für seine gute Arbeit und versprach, die Terminfindung nicht auf die lange Bank zu schieben. Vom Ergebnis des Gesprächs ist laut Brandhofer abzuwarten, welche der Ideen förderfähig sind und welchen Antrag der AK dann an den Gemeinderat stellt, von dem eine konkrete Entscheidung erwartet wird, welche Planungen weiter verfolgt werden sollen. Ein Vorschlag des Arbeitskreises war zuletzt, den stark sanierungsbedürftigen Wohntrakt des Bäckervoitl-Anwesens samt Stall und Scheune abzureißen (wir berichteten), um Platz für einen Neubau zu schaffen, der mehreren Zwecken dienen könnte.

Ein weiterer Antrag des AK ist schon in Vorbereitung: Um dem im März 2022 verstorbenen und ehemaligen Eigentümer des Anwesens gebührende Anerkennung zu geben, soll die Dorfmitte künftig „Bäckervoitl-Platz“ heißen. Valentin Schmid, der Bäcker Voitl, hat das gesamte Grundstück schon 2010 an seine Heimatgemeinde verkauft. „Das haben er und seine Familie verdient“, sagte Brandhofer, der sich zudem am Ende dieses Arbeitsabschnitts bei allen Bürger für die überwältigende Resonanz bedankte. Diese sei Ansporn für weitere Bürgerbeteiligung und weitere Arbeitskreise.

Der zeitliche Rahmen von einem Jahr, den sich der AK Dorfmitte für seine Vorbereitungen selbst gegeben hatte, wird wahrscheinlich überschritten. Zumal ein Gesamtkonzept über den eigentlichen Platz hinaus angedacht ist, also auch das Dorfweiher-Areal und den Fußweg von der Kirche dorthin einbeziehen soll. sko

Auch interessant

Kommentare