Nach Corona-Vorfall im April

Gmunds Bürgermeister Alfons Besel: „Jetzt gilt es, nach vorne zu schauen“

Gmunds Bürgermeister Alfons Besel
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Bürgermeister Alfons Besel blickt auf Gmunds Corona-Krise im April zurück. Damals stand die Gemeinde wegen zahlreicher Ansteckungen im Fokus.
  • VonDaniela Skodacek
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Gmund – Nach dem folgenschweren Corona-Ausbruch im April haben die Gemeinderäte in Gmund jüngst Hybridsitzungen abgelehnt. Im Gespräch reagiert Bürgermeister Alfons Besel.

Nach der folgenreichen Gemeinderatssitzung im April, bei der sich mehrere Teilnehmer mit Corona infiziert hatten, der folgenlosen Prüfung der Sitzung durch das Landratsamt sowie nach der knappen Entscheidung des Ratsgremiums, aktuell keine Hybridsitzungen abzuhalten, äußert sich Bürgermeister Alfons Besel zu den Geschehnissen der vergangenen Wochen und zieht Bilanz.

Herr Besel, wie geht es Ihnen heute? Sie waren ja selbst an Covid-19 erkrankt nach der Aprilsitzung.
Es passt, es geht mir wieder gut. Es ist jetzt doch auch schon eine Zeit lang her.
Wissen Sie, ob es sich auch bei Ihnen um die infektiösere britische Mutation gehandelt hat? Das Gesundheits­amt geht beim Infektionsgeschehen in Gmund davon aus.
Das ist bei mir nicht festgestellt worden, ich weiß es nicht. Ich hatte sehr deutliche Grippesymptome. Es war zwar ein leichter Verlauf, aber nichtsdestotrotz habe ich es schon deutlich gespürt.
Laut aktuellem Prüfungsergebnis des Landratsamts haben Sie und die Gemeinderäte sich rechtlich einwandfrei verhalten. Was hätte aus heutiger Sicht dennoch besser laufen können bei der Sitzung am 27. April?
Über den rechtlichen Rahmen hinaus hätten wir eine durchgehende Maskenpflicht einfordern können. Also, dass man auch am Platz die Maske trägt. Es steht im Raum, dass das Infektionsgeschehen dann vermieden oder zumindest eingeschränkt hätte werden können.
Tests vor der Sitzung waren damals noch nicht vorgesehen?
Wir haben schon ziemlich früh an alle Gemeinderäte Test-Sets versandt mit der Bitte, sich vor Sitzungen zu testen. Ich darf mal davon ausgehen, dass die Gemeinderäte entsprechend verantwortungsvoll damit umgehen und keiner mit Krankheitssymptomen oder gar positiv zur Sitzung gekommen wäre. Ich selber habe mich sowieso jeden Tag getestet, weil ich mit vielen Leuten zu tun habe. Bis einschließlich 5. Mai war ich immer negativ im Schnelltest. Am 6. Mai dann positiv. Vom Infektionsherd habe ich am 4. Mai abends erfahren und am 5. Mai in der Früh das Gesundheitsamt verständigt und mich beraten.
Nach Bekanntwerden des Infektionsclusters durch die Sitzung gab es teils massive Kritik durch Leserbriefe oder auch auf Facebook. Wurden Sie davon überrascht?
Es hat ganz unterschiedliche Reaktionen gegeben. Mich haben viele E-Mails, auch von außerhalb unserer Gemeinde erreicht, die ihren verständlichen Ärger über den Anstieg der Inzidenz Luft gemacht haben, aber in einer sachgerechten Art und Weise. Bei einigen E-Mails oder Leserbriefen hat man auch erkannt, dass der Bedarf nach einem Ventil da war, um generell den gesamten Corona-Frust loszulassen. Aber es hat auch ganz viele rückenstärkende Reaktionen gegeben. Das hat mich im Grunde auch gefreut.
In der jüngsten Gemeinderatssitzung Anfang Juni galten bereits neue Hygieneregeln. Wie lange sollen diese verschärften Maßnahmen gelten?
Es unterliegt einer permanenten Abwägung zwischen Infektionsgefahr und dem Recht der Öffentlichkeit, eine Gemeinderatssitzung zu besuchen. Aufgrund der hohen Bedeutung des Öffentlichkeitsgrundsatzes darf der Sitzungsbesuch nicht unverhältnismäßig erschwert werden. Wir werden das weitere Geschehen beobachten, die Regeln in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt evaluieren und nach Bedarf anpassen. So wie das die anderen Gemeinden, denke ich, auch handhaben werden.
Die Einführung von Hybridsitzungen ist wider Erwarten abgelehnt worden im Gemeinderat, weil keine Zwei-Drittel-Mehrheit zustande kam. Wie stehen Sie zu diesem Ergebnis?
Dies ist bedauerlich. Ich hätte mir zum einen gewünscht, dass wir hier über die verschärften Hygienerichtlinien für Präsenzsitzungen hinaus ein weiteres Zeichen hätten setzen können. Zum anderen hätte ich es auch begrüßt, hier einen Schritt in Richtung zeitgemäßer Ratsarbeit zu gehen beziehungsweise Hybridsitzungen zumindest in einer Testphase zu erproben. Ich bin überzeugt, dass dies in einigen Jahren Standard sein wird.
Sind virtuelle Gemeinderatssitzungen in Gmund dennoch denkbar in nächster Zeit?
Viele Besprechungen der Fraktionsführer und auch Informationsveranstaltungen für den Gemeinderat wurden bereits im Vorfeld der Aprilsitzung online abgehalten. Insofern reduzieren wir die Treffen sowieso schon und das funktioniert auch. Die Mehrheit war ja für Hybridsitzungen, nur das Quorum haben wir nicht erreicht. Erneut zur Abstimmung wird das Thema dann kommen, wenn die Inzidenz wieder deutlich steigen sollte.
Welches Resümee ziehen Sie nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen?
Jetzt gilt es einfach, nach vorne zu schauen. Wir haben viel Energie und Zeit in dieses Infektionsgeschehen gesteckt oder eher verloren, so dass viele wichtige Themen in den Hintergrund getreten sind. Da gilt es, wieder ganz konzentriert weiter zu arbeiten, was unser Bahnhofsareal, den Wohnungsbau und die Mobilität betrifft. Auch bei unserem Baukultur-Projekt müssen wir aufholen. Für den Beschluss des Haushalts 2021, der bereits steht und im Finanzausschuss vorberaten wurde, wird es jetzt auch Zeit. Da der Mai sitzungsfrei war, ist viel liegen geblieben.

sko

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