Verantwortung für alle

Corona-Krise: Chefarzt spricht über Maßnahmen im Krankenhaus Agatharied

„Die Gesundheitsversorgung im Krankenhaus Agatharied ist für alle Fälle bestens vorbereitet“, sagt Chefarzt Steffen Herdtle.
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„Die Gesundheitsversorgung im Krankenhaus Agatharied ist für alle Fälle bestens vorbereitet“, sagt Chefarzt Steffen Herdtle.

Hausham – In der Corona-Krise im Landkreis Miesbach steht vor allem das Krankenhaus Agatharied im Fokus. Chefarzt Steffen Herdtle erklärt, welche Maßnahmen gegen das Virus dort ergriffen wurden.

Die Zahl der am Coronavirus Erkrankten im Landkreis Miesbach steigt weiter. Mittlerweile sind sogar mehrere Menschen daran gestorben. Aber auch die Zahl der Genesenen steigt weiter. „Wir wissen nicht, ob das nur eine Momentaufnahme zum Durchschnaufen ist“, sagt Steffen Herdtle, Chef­arzt der zentralen Notaufnahme im Kreiskrankenhaus Agatharied. Er glaubt, dass sich die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen bereits positiv auswirken. Und er macht klar: „Die Gesundheitsversorgung im Krankenhaus Aga­tharied ist für alle Fälle bestens vorbereitet.“

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Um sowohl mit dem Covid-19-Virus Infizierte als auch Nicht-Corona-Patienten weiterhin bestmöglich versorgen zu können, wurde die Organisationsstruktur der Agatharieder Klinik komplett aufgelöst, wie Herdtle erklärt. „Wir haben einen grünen und einen roten Bereich“, beim Eintreffen erfolgt sofort die Trennung in auf das Virus positiv Getestete und Verdachtsfälle sowie auf Patienten, bei denen weder Anzeichen noch ein Corona-Verdacht bestehen. „Wir haben alles getrennt“, sagt Herdtle – Stationen, Untersuchungs- und Behandlungsräume. Gleichzeitig wurden neue Kapazitäten geschaffen. Inzwischen stehen 24 statt der normalerweise 14 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit zur Verfügung. „Wenn es hart auf hart kommt, könnten wir fast 40 vorhalten“, bekräftigt Herdtle.

Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, gilt natürlich auch im Krankenhaus ein Besuchsverbot. „Gleichzeitig wollen wir die Menschlichkeit nicht vergessen“, sagt Herdtle. Ob nach Geburten oder am Lebensende, der Wunsch, seinen Liebsten nahe zu sein, sei verständlich, der Kontakt auch wichtig. So gibt es Ausnahmen für engste Angehörige, mehr ist nicht möglich, verweist Herdtle auf die Gesamtverantwortung der Klinikleitung. Bei den Untersuchungen und Kontrollen am Klinikeingang kann nicht jeder Infizierte gefunden werden, da nicht jeder Symptome zeigt. „Jeder Besucher ist eine potenzielle Gefahr für Patienten und Mitarbeiter“, betont Herdtle.

Wie außerhalb des Krankenhauses beschränken sich viele soziale Kontakte nun auf Internet und Telefon. Dafür hat das Haus alle Telefone freigeschaltet, die bisher kostenpflichtig waren. Über das Bayernnetz gibt es zudem kostenloses W-LAN, sodass auch soziale Medien und Videotelefonie möglich sind. Insgesamt freut sich Herdtle über das große Verständnis und die Vernunft in der Bevölkerung.

Begeistert ist der Chefarzt auch von der super Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten, Rettungsdienst, Gesundheits- und Landratsamt sowie Kreiskrankenhaus. Diese zeige sich auch an den Fallzahlen in der Notaufnahme, wo sich die Patientenströme halbiert haben. Sind es im Normalfall 60 bis 80 Patienten am Tag, kommen derzeit 30 bis 40 an. „Nur diejenigen, bei denen es wirklich erforderlich ist“,wie Herdtle bestätigt. Es gebe kaum schwere Unfälle, freut er sich. Außerdem sind Herzinfarkte und Schlaganfälle praktisch gar nicht mehr zu verzeichnen. „Woran das liegt, wissen wir nicht“, sagt Herdtle.

Die Ausgangsbeschränkungen tragen sicherlich auch dazu bei, dass weniger auf den Straßen und in der Freizeit passiert. Herdtle rät im Sinne der Pandemie-Bekämpfung dringend dazu, den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zu folgen. Der Arzt weiß aber auch, dass Bewegung an der frischen Luft wichtig ist und gut tut. Am besten wohnortnah. „Alles, was ungefährlich ist“, empfiehlt er. Also Spazierengehen, Gartenarbeit, Radfahren. „Aber natürlich keine Downhills“, macht Herdtle klar. Auch alles, wo mehrere Menschen aufeinander treffen, ist zu meiden. Vom Motorradfahren rät der Mediziner ab, ebenso von Skitouren etwa auf den Pisten an Spitzing und Sudelfeld. Zu häufig gebe es da Unfälle und die Bergwacht werde benötigt. Doch auch bei den Hilfsorganisationen gebe es bereits Corona-Fälle. Dabei würden die Einsatzkräfte gebraucht, um genügend Hilfskapazitäten im Notfall zur Verfügung zu haben.

Auch im Krankenhaus wird versucht, genügend Personal vorzuhalten. Zuletzt wurde sogar ein öffentlicher Aufruf zur Mithilfe gestartet. Die Resonanz war laut Herdtle riesig, er ist begeistert von der großen Hilfsbereitschaft. Nun werde sortiert, viele Kräfte werden erst in ein paar Wochen oder Monaten gebraucht. Damit die Klinik auch dann bestens vorbereitet ist und die Patienten weiter optimal versorgt werden können. ft

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