Bayernweiter Aktionstag „Lasstunsöffnen“

Corona-Lockdown ohne Ende: Unternehmer am Tegernsee fordern Perspektive

Voitlhof in Rottach-Egern
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Für Touristikunternehmer Andreas Scherzer (2.v.l.) und einige Mitstreiter ist der anhaltende Corona-Lockdown nicht mehr nachvollziehbar. Die Protestaktion vor dem Voitlhof in Rottach-Egern wurde per Video aufgezeichnet.
  • vonDaniela Skodacek
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Rottach-Egern – Corona-Lockdown ohne Perspektive: Gastronomie und Hotellerie am Tegernsee waren beim bayernweiten Aktionstag „Lasstunsöffnen“ dabei.

Konkrete Öffnungsperspektiven für Gastronomie und Hotellerie sowie weitere Branchen forderten Bus­unternehmer Andreas Scherzer und einige Mitstreiter jüngst im Rahmen des bayernweiten Aktionstags „Lasstunsöffnen“. Ein Ziel der angesetzten Proteste war, den anhaltenden Corona-Lockdown zu hinterfragen und auf sichere Öffnungen mit sinnvollen Hygienekonzepten hinzuweisen.

Der Lobby-Lockdown müsse beendet werden, sagte Andreas Scherzer, der selbst viele Gespräche mit Hoteliers und Abgeordneten in Berlin geführt habe und zur Protestaktion vor dem Voitlhof eingeladen hatte. Immer nur werde auf dem Tourismus herum gehackt, kritisierte der Touristik­unternehmer. „Kein Automobilbauer ist zu, keine Chemie, keine Groß- und Supermärkte.“ Im Vergleich zum Lockdown in Wuhan Anfang 2020 müsste alles geschlossen sein. „Was haben wir in 157 Tagen gemacht?“

Mitarbeiter auf Zuschläge und Trinkgeld angewiesen

Josef Bogner, Gastwirt und Vorsitzender des Rottacher Verkehrsvereins, beklagte vor allem die Perspektivlosigkeit, die am meisten schmerze und nach unten ziehe. Zudem habe er ein schlechtes Gefühl, wenn ihn seine Mitarbeiter fragen, wann die Sommersaison losgehen könnte. „Wenn endlich einmal gesagt werden würde, am 1. Juni geht es los, dann wissen wir das. Aber wir wissen es nicht. Schön wären noch zwei Wochen, heißt es, und dann schauen wir mal. Das ist kein Zustand.“

Auf die Mitarbeiter im Gastgewerbe ging auch Hotelier Korbinian Kohler ein. Er wollte verdeutlichen, dass diese großteils an Zuschlägen und Trinkgeld verdienen sowie viele Paare in der Gastronomie tätig sind, die trotz Kurzarbeitergeld nur 30 bis 40 Prozent des ursprünglichen Nettogehalts zum Leben haben, was zu Verwerfungen in der Familie, im Sozialen führe. „Meine Bitte wäre, diese Komponente noch mehr ins Augenmerk zu nehmen, um diesen besonders hart Betroffenen noch mehr unter die Arme zu greifen“, erklärt er.

Senioren brauchen dringend Sport

Olaf Breiding, Betreiber eines Fitnessstudios in Rottach-Egern, berichtete im Rahmen des Termins zum bayernweiten Aktionstag „Lasstunsöffnen“ von vielen Senioren unter seiner Kundschaft, die Sport dringend brauchen und Ende Oktober teilweise mit Tränen in den Augen vor geschlossenen Studiotüren gestanden seien. Mit Hygienekonzept, Luftfiltern und Abstandsregeln sei eine Öffnung nach dem Motto „Wer kommen will, kann kommen“ möglich. „Lasst diesen Menschen, die den Sport für die Gesundheit brauchen, die freie Entscheidung, ob sie zu uns kommen!“

Ebenfalls für den sportlichen Bereich sprach Christa Winkler, Trainerin und Zweite Vorsitzende des Rottacher Skiclubs. Sie bedankte sich zunächst für die Trainingsmöglichkeit der Profifahrer am Sonnenbichl in Bad Wiessee. Immerhin 92 Trainingstage konnte dort gefahren werden. Zuletzt durfte auch der Nachwuchs bis 14 Jahre wieder auf den Hang. Die Resonanz der Eltern darauf sei enorm gewesen, berichtete Winkler. Dennoch bleibe dem Großteil der Kinder Sport versagt, obwohl es viele tolle Konzepte gebe. Auch den Ausfall der Waldfeste, als elementarer Bestandteil der Vereinsfinanzierung, thematisierte sie. Wenn es irgendwie geht, möchte der Skiclub heuer eine abgespeckte Waldfest-Version auf die Beine stellen.

Teststrategie etablieren

Eine Perspektive für die weitere Planung erwartet auch Kunsthandwerker Martin Goldhofer. Seit Ostern 2020 sind Kunsthandwerker, die zu 80 bis 90 Prozent Soloselbstständige seien, von den Schließungen betroffen. „Wir müssen aber trotzdem das ganze Jahr arbeiten.“ Hinsichtlich der Herbst- und Weihnachtsausstellungen 2021 brauche es daher ein klares Signal, wo es hingehe.

Ein konkretes Öffnungsdatum ist auch das, was sich Andreas Scherzer und seine Kollegen für die touristische Branche wünschen. Das Hochfahren eines Hotelbetriebs brauche rund zwei bis drei Wochen. Es helfe daher nichts, wenn es am 1. Mai heißt, ab 2. Mai darf geöffnet werden.

Bei den Öffnungsperspektiven helfen könnte Technologie, berichtete schließlich Thomas Köhler, Digitalisierungsexperte aus Rottach-Egern mit Research-Professur an einer Hochschule in China. Mit einer Teststrategie, wie sie derzeit auch hochgefahren werde, könne man das Thema beschleunigen und automatisieren.

QR-Code-Lösung im Landkreis Miesbach

Er verwies auf die bereits bestehende QR-Code-Lösung für Schnelltests im Landkreis Miesbach mit einmaliger Registrierung, um Testergebnisse portabel zu machen. „Wir sollten Gedankenoffenheit haben, was Technologie und eine konsequente Teststrategie angeht.“

Für ein Öffnen mit Tests sprach sich derweil auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger beim Live-Streaming-Termin im Presseclub München aus. Von 12.05 Uhr mittags bis abends 19.05 Uhr lief der bayernweite Aktionstag „Lasstunsöffnen“. Dazu aufgerufen hatten mehrere Initiativen, darunter „Gemeinsam Zukunft“ und der Bund der Selbstständigen Bayern. sko

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