Neinsager oder Vorbilder?

Spielplätze offen, Bolzplätze zu: Miesbach bleibt bei konsequenten Corona-Regeln

Im Miesbacher Stadtrat gehen die Meinungen auseinander zu den Maßnahmen, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Fakt ist, dass Funcourt und Bolzplatz bis auf Weiteres geschlossen bleiben.
+
Im Miesbacher Stadtrat gehen die Meinungen auseinander zu den Maßnahmen, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Fakt ist, dass Funcourt und Bolzplatz bis auf Weiteres geschlossen bleiben.

Miesbach – Die Stadt Miesbach bleibt bei ihrem strengen Corona-Kurs: Bolzplatz und Funcourt bleiben zu – trotz guter Ideen im Stadtrat.

Im Stadtentwicklungsausschuss gab es jüngst Unmut über die von einigen Stadträten als zu eng empfundene Auslegung der Corona-Schutzmaßnahmen in öffentlichen Einrichtungen. Wie Bürgermeister Gerhard Braunmiller nun in der jüngsten Sitzung des Stadtrats bestätigte, bleibt es aber bis auf Weiteres dabei, dass Bolzplatz und Funcourt gesperrt sind. Ebenso bleiben im Warmfreibad die Sitzbänke abgebaut und die Rutsche gesperrt. Wie der Rathauschef sagte, stehe man aber stets in engem Kontakt mit dem Landratsamt, um die Regeln zu lockern, sollten sich die Voraussetzungen ändern.

Die Entscheidung der Stadt, wie das bayerische Infektionsschutzgesetz umgesetzt wird, ist für manche Mandatsträger nicht nachvollziehbar. So wetterte SPD-Fraktionssprecher Paul Fertl: „Ihr macht es euch zu einfach. Kein Wunder, wenn die Jugendlichen unkontrolliert Partys feiern.“ Ihm ist unverständlich, warum Funcourt und Bolzplatz geschlossen bleiben, wohingegen beispielsweise die Freizeitsportanlage in Holzkirchen geöffnet ist, Kinder in Begleitung Erwachsener auf Spielplätze und Sportvereine wieder trainieren dürfen.

Den Hinweis Braunmillers, dass in den Gemeinden unterschiedliche Voraussetzungen herrschen – so stellt beispielsweise in Holzkirchen ein Streetworker die notwendige Ermittlung der Kontaktdaten sicher – ließ Fertl nur bedingt gelten. Um Funcourt und Bolzplatz zumindest täglich vier Stunden zu öffnen, stellte Fertl den Antrag, einen Bauhofmitarbeiter abzustellen, der die Aufgabe übernehme, eine Namensliste zu führen, um gegebenenfalls Infektionsketten rückverfolgen zu können.

Geschäftsleiter Gerhard Führer erklärte daraufhin ausführlich, warum die Hygienekonzepte einzelner Einrichtungen und Gemeinden nicht einfach über einen Kamm geschert werden können und dass für deren individuelle Umsetzung der Bürgermeister die Haftung trage. Die, so Braunmiller, übernehme er, sei aber nicht bereit, einen Hotspot zu riskieren.

Alle aktuellen Nachrichten zum Coronavirus im Landkreis Miesbach lesen Sie in unserem Ticker.

Fertls Vorschlag, stundenweise zu öffnen, fand auch Markus Seemüller (FW) im Prinzip eine gute Idee. Allerdings müsse das nicht zwangsläufig vom Bauhof übernommen werden: „Wir sind 25 Stadträte, wenn jeder einen Tag übernimmt, wäre ich dabei.“ Zudem empfahl Seemüller, sich doch an anderen Gemeinden zu orientieren und nachzufragen, wie die es machen. „Macht es nicht komplizierter, als es ist, ein Hinweis auf die Einhaltung der allgemeinen Hygienevorschriften reicht doch anderswo auch.“ Dies sollte seiner Einschätzung nach auch ausreichen, um die Haftungsfrage zu klären, da so nicht mehr von grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz ausgegangen werden könne. „Außerdem versteht draußen keiner mehr den Vorwurf, dass wir mit der aktiven Vertretung der Bürgerinteressen die Gesundheit der Bevölkerung gefährden“, schloss Seemüller.

Auch Aline Brunner (FW) schlug vor, in der Sommerpause über den Tellerrand hinaus zu schauen und Informationen einzuholen, wie das Infektionsgesetz andernorts umgesetzt werde: „Ich habe viel Kontakt zu meinen Gästen und höre oft, dass sie unzufrieden sind. Manchmal hat man das Gefühl, überall geht es, nur in Miesbach nicht.“ Dabei nahm sie auch die abgebauten Sitzbänke und die gesperrte Rutsche im Warmfreibad aufs Korn.

Eine Kritik, die Badreferent Erhard Pohl (CSU) so nicht stehen lassen wollte: „Vergesst nicht, wir waren die ersten, die ihr Bad überhaupt wieder aufgesperrt haben. Dafür höre ich zu 98 Prozent Lob von den Gästen, die dafür höchst dankbar waren und sind.“ Aufgrund von Personalmangel sei aber die Kontrolle der Sicherheitsabstände auf Sitzbänken und Rutsche nicht möglich. Deshalb muss, wie Braunmiller klarstellte, weiterhin darauf verzichtet werden: „Wir haben einen Badebetrieb unter Pandemie-Bedingungen, da kommt es leider zu Einschränkungen.“

Unverständnis über die ganze Lockerungsdiskussion äußerte der Dritte Bürgermeister Franz Mayer (CSU): „Wir versuchen mit allen möglichen Mitteln, Corona einzudämmen und einen Hotspot zu vermeiden, und hier wird darüber diskutiert, wie wir es möglich machen, unsere Kinder einem Ansteckungsrisiko auszusetzen.“

Vor allzu großen Lockerungen warnte auch Manfred Burger (Grüne): „Wer die Bilder aus München gesehen hat, wie sich Menschen nur mit einer Badehose bekleidet und ohne Mundschutz in eine Trambahn zwängten, dürfte daran zweifeln, dass uns bei der Eindämmung von Corona gesunder Menschenverstand allein hilft.“

Der Antrag Fertls, den Funcourt stundenweise zu öffnen, kam indes nicht mehr zu Abstimmung, da er nicht Bestandteil der Tagesordnung war. hac

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis Miesbach: Scharfe Kritik an neuem Lockdown
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Scharfe Kritik an neuem Lockdown
Corona-Virus im Landkreis Miesbach: Diese Veranstaltungen sind abgesagt
Corona-Virus im Landkreis Miesbach: Diese Veranstaltungen sind abgesagt
Diese Frau leitet fortan die Grenzpolizeistation in Kreuth
Diese Frau leitet fortan die Grenzpolizeistation in Kreuth
Er will Bürgermeister in Fischbachau werden
Er will Bürgermeister in Fischbachau werden

Kommentare