„Wir waren immer handlungsfähig“

Corona: Erste Schritte in Richtung Normalität im Krankenhaus Agatharied

Krankenhaus Agatharied
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Die Corona-Lage hat sich entspannt, nun gibt es im Krankenhaus Lockerungen für Patienten und Besucher. Vorsichtsmaßnahmen und ein striktes Hygienekonzept bleiben aber.
  • VonFridolin Thanner
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Hausham – Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorüber, aber die 7-Tage-Inzidenz sinkt: Das Krankenhaus Agatharied lockert daher vorsichtig.

Die Corona-Pandemie hat die Verantwortlichen im Krankenhaus Agatharied vor eine Reihe von Herausforderungen gestellt. Seit März 2020 ist der Alltag in der Klinik ein anderer. Und wie geht es jetzt weiter? „Das ist die spannendste Frage“, sagt Geschäftsführer Michael Kelbel. Es könnte also auch weiterhin eine Menge Improvisationstalent nötig sein, wie er zusammen mit leitenden Ärzten sowie dem Chef der kbo-Lech-Mangfall-Klinik in Agatharied jüngst deutlich machte.

„Es schaut so aus, als ob es einfacher werden würde“, sagte Kelbel. Das Kreiskrankenhaus macht nun wieder die ersten Schritte zurück zur Normalität. Ganz einfach ist das jedoch nicht. Denn neben der optimalen Versorgung von Patienten haben deren Sicherheit und die der Mitarbeiter Priorität. Um vorbereitet zu sein, werden die Kapazitäten langsam hochgefahren, aber noch länger nicht völlig ausgeschöpft. „Wir sind für alles gerüstet“, betonte Kelbel.

Pflicht zum Registrieren und Testen

Was alles passieren kann, hat das Jahr 2020 gezeigt. „Die Belastung war extrem hoch“, berichtete Steffen Herdtle, Chefarzt der zentralen Notaufnahme und Pandemie-Beauftragter im Krankenhaus. Derzeit sei die Lage entspannt. „Momentan ist es wie vergangenen Sommer“, sagte Herdtle. „Da haben wir auch gedacht, die Krise ist durch“, ergänzte Kelbel.

So gilt weiterhin, vorsichtig zu lockern. Dank der entspannteren Situation dürfen nun wieder alle Patientengruppen besucht werden. Die Pflicht, sich zu registrieren und testen zu lassen, bleibt aber bestehen. „Nicht besucht zu werden, war für viele schon sehr schwierig“, weiß Peter Wellner, Chefarzt der Geriatrie. Der Kontakt zu Angehörigen beruhige die Patienten und damit die ganze Station, erklärte er.

Psychische Belastungen kommen erst noch

Die Bedeutung verdeutlichte auch Michael Landgrebe. Besuche trügen wesentlich zur Genesung bei, sagte der Leiter der Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Er befürchtet, dass sich die psychischen Belastungen der Corona-Pandemie erst noch richtig zeigen werden: „Das ist jetzt eine Marathon-Krise.“

Mit Beginn der Corona-Pandemie ging die Zahl der Patienten zurück. „In Summe etwa 11 bis 12 Prozent weniger“, erklärte Kelbel. Das habe Auswirkungen auf die Finanzen. Sehr komplex stelle sich die Lage dar, erklärte der Krankenhaus-Geschäftsführer. Allerdings muss er für 2020 keine großen Einbußen verzeichnen. „Die Corona-Hilfen haben uns über Wasser gehalten“, sagte er und prophezeite: „2021 schaut es ganz anders aus“. So rechnet Kelbel mit einem massiven Verlust und prognostiziert diesen auf einen siebenstelligen Betrag. Das Defizit wird der Landkreis ausgleichen, der sich klar zu dem Krankenhaus in öffentlicher Hand bekennt.

Bis zu 10 Covid-Erkrankte an einem Tag

Damit ist die breite medizinische Versorgung der Bevölkerung sichergestellt. Und das war sie auch durchgehend während der Pandemie. Zwar mussten zeitweise einzelne Stationen geschlossen werden, „aber wir mussten nie das ganze Haus abmelden“, erklärte Herdtle. „Wir waren immer handlungsfähig.“

Er gibt zu: „Auf so eine lange Pandemie war niemand vorbereitet.“ Bis zu zehn Covid-Erkrankte an einem Tag mussten aufgenommen werden. Doch dank einigen Organisationsgeschicks und der guten Zusammenarbeit im Verbund mit umliegenden Kliniken wurden alle Schwierigkeiten gemeistert.

Über die Schritte zurück zur Normalität im Krankenhaus Agatharied informierten (v.l.) Chefarzt Steffen Herdtle, Geschäftsführer Michael Kelbel, Chefarzt Peter Wellner, kaufmännischer Direktor Michael Guggemoos und Michael Landgrebe, Chefarzt und Leiter der kbo-Lech-Mangfall-Klinik.

Auch die fehlenden Personals. So waren – während der schlimmsten Phase im Dezember 2020 – einmal 30 Mitarbeiter gleichzeitig in Quarantäne. Negativer Spitzenwert sind auch acht positive Tests bei symptomfreien Mitarbeitern an einem Tag. In dem Zuge sprachen Chefärzte und Geschäftsleitung ihren Mitarbeitern ein dickes Lob aus: Die Motivation sei genauso groß gewesen wie die Belastung.

Alle hätten sich solidarisch gezeigt. Wer gerade weniger zu tun hatte, sei da eingesprungen, wo Personal knapp war. Zum Beispiel auch beim Testen. „Wir haben bis heute knapp 40.000 Antigentest durchgeführt“, sagte Herdtle. Hinzu kommen rund 10.000 PCR-Tests. Diese werden etwa bei stationären Patienten durchgeführt.

Hohe Impfbereitschaft unter Mitarbeitern

Worauf die sich derzeit entspannende Lage zurückzuführen ist, darauf wollten sich die Klinikleiter nicht festlegen. Ein Effekt durch die Impfungen lässt sich aber zumindest vermuten. So seien Heimbewohner, die als erste Gruppe gegen das Virus geimpft wurden, nicht mehr unter den Covid-Patienten. Auch bei den Mitarbeitern wurde schon lange kein asymptomatischer Fall mehr gefunden.

Die Impfbereitschaft unter den Mitarbeitern sei groß gewesen, bestätigte Wellner, habe bei über 70 Prozent gelegen. Von den Ärzten ließen sich sogar mehr als 90 Prozent das Vakzin verabreichen. Ein positiver Effekt ist auch, dass geimpftes Personal nicht mehr in Quarantäne muss und ausfällt.

Probleme haben sich in Luft aufgelöst

„Manche Probleme haben sich in Luft aufgelöst“, blickte Kelbel zurück. Auch bei der Beschaffung von Schutzausrüstung. Waren anfangs Masken, Kittel, Handschuhe und Co. knapp, habe sich alles normalisiert.

Bei vielen Menschen, befürchtet Michael Landgrebe, werde sich die Krise erst noch richtig zeigen. Sorgen um den Arbeitsplatz und das Geld sowie Isolation und Homeoffice, fehlender Ausgleich in der Freizeit, das mache zu schaffen, weiß der Leiter der psychiatrischen Klinik. „Auch das sind Long-Covid-Patienten“, sagte er und machte sich Gedanken über die Behandlung.

Planung für Parkdeck läuft

Die Krankheitswelle erwartet er erst noch. Den Krankenhausmitarbeitern hat seine Klinik während der Krise Hilfe angeboten. Sie wurde aber nicht in Anspruch genommen. Nun ändere sich die Situation, erklärte er: „Wir sehen, dass vielen langsam die Luft ausgeht.“

Auch für sie ist es eine große Erleichterung, wenn es schrittweise zurück zur Normalität geht. Zur langfristigen Entwicklung findet Ende Juli eine Klausurtagung statt. Bereits fix geplant war, eine geriatrische Rehabilitation zu schaffen. Aufgrund der Krise geht es da derzeit nicht weiter – im Gegensatz zur Planung für das Parkdeck. Wie Michael Guggemoos, kaufmännischer Direktor des Krankenhauses, sagte, läuft derzeit die Ausschreibung. Baubeginn soll im Frühjahr 2022 sein, Ende etwa ein Jahr später. ft

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