Kreative Ideen und mehr

So feiern die Kirchgemeinden des Landkreises Ostern in Zeiten von Corona

Pfarrer Martin Weber hält momentan aufgezeichnete Online-Andachten, um mit den Gemeindemitgliedern in Kontakt zu bleiben, da öffentliche Gottesdienste nicht stattfinden dürfen.
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Pfarrer Martin Weber hält momentan aufgezeichnete Online-Andachten, um mit den Gemeindemitgliedern in Kontakt zu bleiben, da öffentliche Gottesdienste nicht stattfinden dürfen.

Landkreis – Wie kann Ostern in Zeiten von Corona angemessen gefeiert werden? Die Kirchgemeinden des Landkreises Miesbach haben kreative Ideen.

Die Osterwoche steht bevor – doch in diesem Jahr wird alles anders sein als sonst. Das Coronavirus und die dadurch erlassene Kontaktsperre verhindern öffentliche Gottesdienste. Dennoch stehen die Kirchengemeinden ihren Mitgliedern in dieser schweren Zeit bei.

So hält die evangelische Gemeinde zum Beispiel ihre Kirchen in Tegernsee, Rottach-Egern und Kreuth rund um die Uhr geöffnet, damit die Menschen diese für Besinnung und Gebet nutzen können. Als Ersatz für die Sonntagsgottesdienste stellt Pfarrer Martin Weber jede Woche ein Video mit einer etwa 15-minütigen Andacht und der aktuellen Predigt auf der Internetseite www.tegernsee-evangelisch.de online. In den Kirchen sind diese Andachten immer am Samstag und Sonntag, von 10 bis 15 Uhr, in Dauerschleife zu hören und in ausgedruckter Form ausgelegt, sodass jeder teilhaben kann. Auf Anfrage wird der aktuelle Predigttext auch per Post oder E-Mail verschickt. Die Angebote würden sehr gut angenommen, berichtet der Pfarrer. „Es ist schön, dass wir damit ein Zeichen setzen können, dass wir trotzdem da sind.“

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Für Karfreitag hat sich Martin Weber ein recht heikles Thema für die Predigt ausgewählt. Das Bundesverfassungsgericht hat jüngst ein Urteil zur aktiven Sterbehilfe gefällt. Denn das allgemeine Persönlichkeitsrecht schließe auch die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen, dafür bei Dritten Hilfe zu suchen und – soweit sie angeboten wird – in Anspruch zu nehmen, heißt es im Urteil. Für Pfarrer Weber ein Unding, da diese Regel unabhängig von Alter oder irgendeiner Krankheit gilt – also auch, wenn man körperlich gesund ist. „Das ist ein Bruch mit allem, wofür christlicher Glaube steht und wofür wir uns als Kirchen einsetzen“, erklärt er. „Wenn ein gesunder Mensch über das Thema Tod und Sterben nachdenkt, bestimmen meist Ängste dieses Denken.“

Aufgrund solcher Ängste gibt es momentan auch großen Gesprächsbedarf. Zum einen wenden sich viele Ältere an den Pfarrer, aber auch zahlreiche Jüngere. Bei den Ersten gehe es oft um Lebens­ängste, erläutert Martin Weber. Bei vielen kommen Kriegsbilder wieder hoch. Bei den Zweiten sind es mehr Existenzängste.

Auch Dekan Michael Mannhardt vom Pfarrverband Miesbach und Hausham-Agatharied wird momentan oft angesprochen. Vielen tue es gut zu wissen, dass weiterhin Gottesdienste stattfinden. Diese werden vom Pfarrer alleine in der Kirche zelebriert – nur wer beim Gottesdienst anwesend sein muss, ist dabei. „Das ist auch eine ganz besondere Situation, wenn man das für sich zelebriert“, erklärt er, wie sich die Gottesdienste ohne Gemeindemitglieder anfühlen.

Für Ostern sind sie nun am Palmsonntag und Ostermontag dazu aufgerufen, gegen 10 Uhr zu Hause zusammen zu kommen und das Vaterunser zu beten – parallel zum Gottesdienst in der Kirche. „So können wir miteinander in Verbindung treten und wissen, dass der Segen zu den Leuten kommt, wenn die Glocken läuten“, erklärt der Dekan. Er stellt auch Andachten online auf www.pfarrverband-miesbach.de. Zudem werden Oster-Care-Pakete verteilt, die kreative Ideen enthalten, wie man mit Kindern Ostern feiern kann. Es zwicke die Leute unwahrscheinlich, dass keine öffentlichen Gottesdienste stattfinden, aber es zeige sich auch, dass es unter der Oberfläche ein überaus lebendiges Netzwerk gebe.

Im Pfarrverband Holzkirchen-Warngau liegen auch in den Kirchen Hefte für Hausgottesdienste aus, teilt Pfarrer Gottfried Doll mit. „Am Wochenende des Palmsonntags legen Kinder Palmbuschen vor viele Haustüren“, heißt es. „Die Osterspeisen kann man mit einem Gebet aus dem Ostersonntagsheft entweder selbst segnen oder den Korb in die Kirche stellen.“ Am Karsamstag, zwischen 16 und 18 Uhr, oder am Ostersonntag, zwischen 7 und 8 Uhr. Ab 11 Uhr können die Körbe abgeholt werden. Man erkenne, dass die Speisen gesegnet sind, wenn die Osterkerze in der Kirche angezündet ist. „Auch das Licht der Osterkerze, die Pfarrer Doll an einem kleinen Osterfeuer entzünden wird, kann mit nach Hause genommen werden“, heißt es weiter. Weitere Informationen gibt es unter www.pv-holzkirchen-warngau.de. ksl

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