„Wissen, was notwendig ist“

CSU-Kreisverband begeht Neujahrsempfang / Spahn als besonderer Redner

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it Gesundheitsminister Jens Spahn (2.v.l.) gab es erstmals einen Festredner aus der CDU beim Neujahrsempfang der Kreis-CSU. Mit dabei waren auch (v.r.) Fraktionssprecher Josef Bierschneider, Olaf von Löwis, Ilse Aigner und Alexander Radwan.F

Gmund – Zum dritten Mal in Folge seit dem Auszug aus Wildbad Kreuth lud der CSU-Kreisverband seine Mitglieder auf das Gut Kaltenbrunn ein. Rund 700 Besucher folgten der Einladung, obwohl viele der Anwesenden tags zuvor noch in München beim CSU-Sonderparteitag waren. Nach Festredner Horst Seehofer im vergangenen Jahr hatte CSU-Kreisvorsitzender Alexander Radwan heuer Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eingeladen. Damit wurde erstmals ein CDU-Politiker als Festredner präsentiert.

Spahn stammt gebürtig aus Hanau/Münsterland. Der 38-Jährige gilt als „Politiker der Zukunft“, hatte jedoch zunächst einmal beim CDU-Auswahlverfahren in Sachen Parteivorsitz als Schlusslicht vom Platz gehen müssen, um Annegret Kramp-Karrenbauer das Feld zu überlassen. Friedrich Merz wurde beim Neujahrsempfang nicht gesichtet, obwohl er seit langem einen Wohnsitz in Gmund unterhält. Nach der Wahl der beiden neuen Parteispitzen konnte sich Alexander Radwan den Hinweis nicht verkneifen, dass mit AKK und Markus Söder nun erstmals zwei Parteivorsitzende im Amt sind, die „nicht Mitglieder der Bundesregierung sind“. Trotz großer Harmonieversprechen beider Chefs könnte dies zu großen Spannungen führen. Bevor Radwan Spahn jedoch das Rednerpult überließ, kam er noch auf die Ziele der CSU im Landkreis zu sprechen: Mit Ilse Aigner als Abgeordneter und nun Landtagspräsidentin sollen wichtige Projekte weiter vorangetrieben werden. Dazu gehören die Elektrifizierung der BOB und der Streckenausbau des RVO. Notfalls will die Miesbacher CSU auch „die Staatsregierung in die Pflicht nehmen“. Radwan gelobte unter großem Beifall: „Wo es Reibungspunkte gibt, werden wir auch widersprechen“. Als Beispiel nannte er die Wasserschutzzone im Mangfalltal, gegen die zum Beispiel Miesbachs CSU-Bürgermeisterin Ingrid Pongratz auftritt. „Wir warten nicht auf einen Brief aus München“, stichelte der Kreisvorsitzende gegen Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne), „wir wissen nämlich selbst, was notwendig ist“.

Ein Thema Alexander Radwans war auch die Kommunalwahl im kommenden Jahr, was bereits die Schatten voraus werfe. Alle Gruppierungen seien nun auf Kandidatensuche. „Demokratie lebt vom Engagement“, rief Radwan aus, was man in diesen Wochen des Katastrophenfalls auch an der Hilfsbereitschaft der vielen freiwilligen Helfer gesehen habe.

Mit 38 Jahren hat Festredner Jens Spahn bereits eine steile Karriere hinter sich. Er fällt oft durch meinungsstarke, konservative Positionen auf. Doch zu Beginn seiner halbstündigen Ausführungen wollte Spahn in Gmund erstmals beim bayerischen Publikum punkten. „Für mich als Westfale ist das hier am Tegernsee, gleich nach dem Münsterland, die schönste Region“, meinte er schmunzelnd. Bei ihm zuhause sei alles so flach, „dass man schon am Montag sehen kann wer denn Freitag zum Essen kommt“. Mit seinem Besuch am Tegernsee wolle er bekunden, dass CDU/CSU eine Union bleiben, denn „wir sind nah beieinander und stark als Team“.

Spahn bestätigte als Bundesgesundheitsminister, dass seit Anfang dieses Jahres jedes Krankenhaus so viele Pflegekräfte vollfinanziert einstellen könne „wie es will“. Dem Raunen im Saal fügte er hinzu: „Das Geld ist jetzt jedenfalls dafür da, um 13.000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege zu schaffen“. Dass dies letztendlich noch zu wenig sei, wisse er auch, aber man müsse schließlich irgendwo anfangen. Auf die allgemeine Entgegnung, dass der Arbeitsmarkt leergefegt sei, könne er nur antworten, dass zuerst die Arbeitsbedingungen und das Bild der Altenpflege in der Öffentlichkeit verbessert werden müssen.

An die älteste Zuhörerin Irmgard Schmitt gewandt, freute sich Spahn, dass sich für manche Bürger zwar der Lebenstraum, 100 zu werden, erfülle. Dem gegenüber habe sich aber die Geburtenrate in den vergangenen 50 Jahren halbiert. Somit stünden künftigen Rentnern weniger Beitragszahler gegenüber, was massives Um- und Weiterdenken unumgänglich mache.

Jens Spahn wünschte sich für die nahe Zukunft, „dass wir bessere Debatten führen, denn bisher haben wir zu viel um zu wenig gestritten“, was den Bürger nerve. Wenn sich CSU und CDU vertragen, so könne 2019 ein erfolgreiches Jahr für alle werden.

Hinsichtlich der bevorstehenden Europawahl versicherte der CDU-Politiker, dass man sich in seiner Partei leidenschaftlich für den CSU-Kandidaten Manfred Weber einsetzen und für ihn kämpfen werde. „Mit guten und aufrichtigen Debatten müssen wir uns das verlorene Vertrauen der Bürger wieder zurückholen“, appellierte Spahn, wofür er viel Beifall erhielt. iv

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