Auf der Suche

Diese unbekannte Tierarten werden im Landkreis Miesbach vermutet

v.l.: Johannes Voith vom Landesamt für Umwelt, Theresa Schöpfer vom Landratsamt in Miesbach und Florian Bossert, der Gebietsbetreuer für das Mangfallgebirge
+
Sind auf der Suche nach unbekannten Arten im Sutten-Feuchtgebiet: (v.l.) Johannes Voith vom Landesamt für Umwelt, Theresa Schöpfer vom Landratsamt in Miesbach und Florian Bossert, der Gebietsbetreuer für das Mangfallgebirge.

Landkreis – An drei Stellen wird im Landkreis Miesbach nach bisher unbekannten Arten gesucht. Zum Beispiel im Sutten-Feuchtgebiet am Ufer der Rottach.

Die Arten gehen weltweit zurück. Deren Sterben ist auch in Bayern Realität. Andere Arten besiedeln infolge des Klimawandels neue Lebensräume. Trotz jahrhundertelanger wissenschaftlicher Forschung sind nicht alle Arten bekannt und erfasst. Das soll ein weltweit durchgeführtes Projekt ändern. Dazu werden von Frühjahr bis Herbst Insektenfallen aufgestellt. Diese stehen auch im Landkreis Miesbach – in der Nähe von Bayrischzell und im Sutten-Feuchtgebiet.

Johannes Voith schlägt wuchtig mit einem schweren Metallhammer auf einen Pfahl, treibt ihn in den nassen Untergrund des Moores im Suttengebiet. Voith arbeitet für das bayerische Artenschutzzentrum, das Teil des bayerischen Landesamtes für Umwelt ist. Der Holzpfahl ist Teil eines Gerüsts für ein schwarzes Zelt aus Netzmaterial. Mit dieser Malaise-Falle werden Insekten gesammelt. Sie fallen in einen weißen Plastikbehälter mit Alkohol, der regelmäßig ausgeleert und ausgewertet wird.

Im Sutten-Feuchtgebiet am Ufer der Rottach

Bei dem Projekt werden fünf Fallen aufgestellt – zwei in der Nähe von Bayrischzell, zwei an der Weißach bei Kreuth und eine Falle im Sutten-Feuchtgebiet am Ufer der Rottach. Bei dem Projekt kooperieren das bayerische Landesamt für Umwelt und die zoologische Staatssammlung in München. Im Landkreis Miesbach arbeitet Gebietsbetreuer Florian Bossert an der Aktion mit.

Das gesammelte Material wird nach Gruppen sortiert und zur Auswertung an Experten in ganz Deutschland geschickt. Die Gensequenzen werden dann in eine Datenbank in Kanada aufgenommen, das Barcode of Life Data System, kurz BOLD. Später sollen Forscher aus der ganzen Welt auf dieses Wissen zugreifen können.

Auf engstem Raum verschiedene Biotoparten

Im Landkreis Miesbach wurde das Suttengebiet bewusst gewählt, weil es so vielseitig ist. In dem Hochtal liegen auf engstem Raum verschiedene Biotoparten nebeneinander – Hoch-, Übergangs- und Niedermoore sowie Pfeifengraswiesen oder Hochstaudenflure. Das Gebiet umfasst geschützte Biotope auf 90 Prozent der Offenlandflächen. Die Hälfte der Fläche ist Landschaftsschutzgebiet.

„Wir wollen möglichst viele Arten erwischen“, erläutert Landschaftsökologe Johannes Voith. „Ein Schwerpunkt sind die Alpen. Gerade das Gebiet dort ist besonders artenreich und naturnah. In diesem strukturreichen Biotopkomplex liegen zum Teil äußerst seltene Biotope auf engem Raum. Aus wissenschaftlicher Sicht ist besonders die Vielfalt der Insekten interessant. Der Standort im Suttengebiet ist gut gewählt, weil wir die Fallen hier nicht vor Weidevieh schützen müssen.“

Erste Hinweise auf bisher unbekannte Arten

Das Projekt wurde 2020 schon einmal durchgeführt, unter anderem an der Hofbauernweißach in Wildbad Kreuth. Eine vollständige Auswertung dieser Sammlung liegt noch nicht vor.

Aber es gibt erste Andeutungen, berichtet Gebietsbetreuer Florian Bossert: „Es ist spannend. Es gibt erste Hinweise, dass bisher unbekannte Arten entdeckt wurden. In den bayerischen Alpen ist ein großer Reichtum besonders an Insekten zu beobachten. In den vergangenen Jahren bemerken wir besonders im Mangfallgebirge viel Bewegung bei den Insekten – sowohl bei aussterbenden Arten als auch Neuankömmlingen. Welche Arten nehmen zu und welche nehmen ab? Viele Arten kennen wir jetzt noch gar nicht, selbst wenn die Artenvielfalt auch in Bayern bereits spürbar zurückgeht. Wenn wir die Arten noch nicht kennen, kennen wir auch die Ansprüche nicht, die sie an ihren Lebensraum stellen – und das ist die Grundlage, um sie zu schützen.“

Wegekonzept für das Mangfallgebirge

Beim Aufstellen der Falle in der Moorwiese ist auch Theresa Schöpfer dabei. Die Forstwissenschaftlerin erarbeitet ein Wegekonzept für das Mangfallgebirge. Das Projekt zur Erfassung neuer Arten begeistert sie: „Es ist faszinierend, die vielfältige Flora und Fauna hier im Suttengebiet kennenzulernen. Dieses Projekt motiviert mich, die Natur noch besser zu schützen.“

Florian Bossert kombiniert das Barcoding-Projekt mit den Insektenfallen mit einer weiteren Aktion im Rahmen des Tagfalter-Monitorings Deutschland: Er kümmert sich um seltene Tagfalter, die kaum in die Fallen gehen. Dazu hat er an den Fallen Transekte eingerichtet. Das sind Beobachtungspunkte entlang einer geraden Linie. Alle zwei bis drei Wochen geht er die Strecke ab. Auf diesen 200 bis 400 Metern notiert er alle Tagfalter systematisch. Er freut sich über seltene Arten wie den Rand­ringperlmuttfalter, der auf der Roten Liste als stark gefährdet geführt wird, oder den Mittleren Perlmuttfalter, der sogar vom Aussterben bedroht ist.

Der Mittlere Perlmuttfalter ist vom Aussterben bedroht. Im Suttengebiet gibt es die letzten guten Vorkommen in Bayern.

Das Vorkommen dieser seltenen Tiere sei aber in den vergangenen Jahren massiv zurückgegangen, sagt der Gebietsbetreuer. Für die Falter gebe es im Mangfallgebirge eines der letzten guten Vorkommen in Bayern. Zum Erhalt der schönen Tiere trägt auch bei, dass die Wiesen nur einmal gemäht werden, möglichst spät im Jahr. Die Seilbahnbetreiber verwenden dazu eine umgebaute Pistenraupe. Deren Ketten greifen den empfindlichen Moorboden nicht so stark an.

Für Florian Bossert ist dies ein weiteres Zeichen, dass Natur- und Umweltschutz sowie der Erhalt der Arten gerade in so einem sensiblen Gebiet nur gelingen kann, wenn alle an einem Strang ziehen. Daher ist er sehr dankbar, dass die Projekte dort auch getragen und unterstützt werden vom Forstbetrieb Schliersee, den Weidepächtern und den Almbauern. ksl

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Hohe Gefahr: Risiko eines Waldbrandes im Landkreis Miesbach steigt
Hohe Gefahr: Risiko eines Waldbrandes im Landkreis Miesbach steigt
So soll der ÖPNV im Landkreis Miesbach verbessert werden
So soll der ÖPNV im Landkreis Miesbach verbessert werden
Silberne Ehrennadel mit Urkunde für Holzkirchnerin
Silberne Ehrennadel mit Urkunde für Holzkirchnerin
Schüler der Montessorischule Hausham präsentieren ihre „Großen Arbeiten“
Schüler der Montessorischule Hausham präsentieren ihre „Großen Arbeiten“

Kommentare