Besserung in Sicht

Dilemma bei Finanzen: Otterfing verabschiedet schwierigen Haushalt 2021

Haushalt 2021 in Otterfing
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Der Abgang eines großen Steuerzahlers und erste Auswirkungen der Corona-Krise bescherten Otterfing für 2021 einen komplexen Haushaltsplan.

Otterfing – Ein großer Gewerbesteuerzahler fehlt, die Kreisumlage schnellt in die Höhe: Der Otterfinger Haushalt 2021 ist kein einfaches Werk. Trotz Corona verspricht der Kämmerer 2022 Linderung.

Weil ein großer Gewerbesteuerzahler abgewandert ist und die Kreisumlage stieg, muss der diesjährige Verwaltungshaushalt mit einer 380.000-Euro-Spritze aus dem Vermögenshaushalt ausgeglichen werden. Eigentlich sollte das laut Otterfings Kämmerer Peter Kirschenhofer umgekehrt laufen. Das sehen auch die Prognosen für die kommenden Jahre voraus.

Völlerei sei aber trotzdem nicht angesagt. Ob neben den Investitionen in die Wasserversorgung Geld für die neue Sporthalle oder das Mehrgenerationenwohnprojekt übrig ist, bleibt abzuwarten. Das Gesamtvolumen des Haushalts ist mit knapp 16,3 Millionen Euro bemessen.

2022 wieder positive Entwicklung

„2021 wird ein Ausreißerjahr, für nächstes Jahr können wir realistisch mit einer positiven Entwicklung rechnen“, sagte Kirschenhofer, der erst seit Kurzem in der Verantwortung als Kämmerer steht und dann auch gleich das unerfreuliche Ergebnis errechnen sowie verkünden musste.

Wie Kirschenhofer erklärte, entstand die negative Situation, weil die Firma Hermes ihren Firmensitz nach Holzkirchen verlegte und Corona nach ersten vorsichtigen Berechnungen ein Loch in Höhe von rund 617.000 Euro reißt. Somit bleiben auf der Einnahmeseite bei der Gewerbesteuer nur noch etwa 1,5 Millionen Euro.

3,67 Millionen Euro Kreisumlage

Da im Spitzenjahr 2019 dort rund 3,25 Millionen Euro standen, wurde die Steuerkraft der Gemeinde wesentlich höher eingeschätzt. Dementsprechend muss Otterfing heuer trotz Senkung des Satzes an die 3,67 Millionen Euro Kreisumlage überweisen. Damit die Gemeinde kurzfristig handlungsfähig bleibt und ihre laufenden monatlichen Fixkosten von rund 800.000 Euro stemmen kann, muss ein Kredit in Höhe von 2,25 Millionen Euro aufgenommen werden.

Zudem müssen für den Ausgleich des Vermögenshaushalts 3,21 Millionen Euro aus den allgemeinen Rücklagen entnommen werden, damit bleiben auf diesem Konto zum Jahresende nur noch 2,27 Millionen Euro. Wobei Kirschenhofer aber für 2022 mit einer Entspannung und Zuführungen rechnet.

Zahlen lassen keinen Platz für Spielereien

Genau im Auge behalten möchte der Gemeinderat die Schulden­entwicklung. Bis Ende 2021 sollen die Verbindlichkeiten bei rund 2,4 Millionen Euro liegen. Werden alle Projekte wie etwa Turnhallenbau und Mehrgenerationenwohnanlage umgesetzt, steigen nach den Berechnungen Kirschenhofers die Schulden bis 2024 sogar auf über 8 Millionen Euro.

Im Gemeinderat herrschte dann auch Übereinstimmung, dass die Zahlen keinen Platz für Spielereien lassen, wie Stefan Burgmayr (FWO) es ausdrückte. So sah es auch Robert Schüßlbauer (CSU) als unwahrscheinlich, dass alle Großprojekte umgesetzt werden können: „Wir müssen uns bei der Klausurtagung grundsätzliche Gedanken machen, wie wir uns gut aufstellen und finanziell handlungsfähig bleiben können.“

Einstimmiges Votum für Otterfinger Etat

Dem schloss sich Andreas Eichhorn (SPD) an: „Die Situation könnte schöner sein. Wir müssen überlegen, wie wir Mehreinnahmen generieren können.“ Thomas Hogger (Grüne) bescheinigte dem Haushaltsentwurf eine vorsichtige Handschrift, die es ermögliche, mit einem blauen Auge davon zu kommen. Positiv bewertete Burgmayr, dass trotz knapper Haushaltsmittel die Bohrungen für den dritten Brunnen vorangetrieben werden: „Davon profitieren wir die nächsten Jahrzehnte.“

Nach einhelligem Lob für Kirschenhofers strukturierten Vortrag und Erläuterungen billigte das Gremium das Zahlenwerk schließlich einstimmig. hac

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