Landrat räumt mit Gerüchten auf

Diskussion im Miesbacher Kreistag: „Niemand wird bei Corona-Impfung bevorzugt“

Impfzentrum in Hausham
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Landrat Olaf von Löwis (l.) und Arzt Thomas Straßmüller (hier mit Koordinatorin Beate Faus im Impfzentrum in Hausham) haben Gerüchte zur Corona-Impfung aufgeklärt.
  • VonFridolin Thanner
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Landkreis – Die Anschuldigung, dass Personen bei der Corona-Impfung im Landkreis Miesbach bevorzugt werden, haben Landrat Olaf von Löwis und Thomas Straßmüller, ärztlicher Leiter des Impfzentrums in Hausham, nun im Kreistag geklärt.

„Ich gehe fest davon aus, dass alles mit rechten Dingen zugeht“, stellte Landrat Olaf von Löwis zu Beginn klar. Zusammen mit Thomas Straßmüller, ärztlicher Leiter des Impfzentrums in Hausham, wollte er im Kreistag am Mittwoch (17. März) Irritationen bezüglich der Vergabe von Impfterminen ausräumen. „Wir müssen Vertrauen ins System schaffen“, sagte von Löwis.

Er berichtete dem im Rottacher Seeforum versammelten Gremium von rund 2.000 Beschwerden zum Thema Impfen und Testen, die das Landratsamt erreichten. Jede wurde beantwortet. Für Transparenz sorgten auch die Erklärungen des Allgemeinmediziners, der keinen Hehl daraus machte, dass nicht alles optimal laufe.

„Es ist zu wenig Impfstoff da“, sagte er etwa. Und dass anfangs die zur Verfügung gestellte Software nicht funktioniert habe. Im ersten Monat legte das Team vor Ort die Impfreihenfolge nach den Prioritätsklassen fest. „Da sind wir erst einmal in die Heime gegangen“, erklärte Straßmüller, der seine Praxis in Gmund hat und für die FWG im Kreistag sitzt.

Noch keine Corona-Impfung im Landkreis Miesbach verfallen

Parallel zur primären Festlegung wurden Namenslisten etwa mit Rettungsassistenten geführt, um bei kurzfristigen Absagen Ersatz zu finden und so alle Impfdosen nutzen zu können. „Wir haben aber immer gut gerechnet und hatten nie viele Dosen übrig“, erklärte Straßmüller. Bevor das Vakzin aber verfallen wäre, wurde die Ersatzliste bedient.

So hat der Landkreis geschafft, was oberstes Ziel sein sollte. „Wir haben noch nie eine Dosis weggeworfen“, sagte Straßmüller. Die Ersatzliste sei nun aber obsolet. „Wir sind verpflichtet, das Programm zu nutzen“, machte der Allgemeinmediziner klar. Dieses funktioniere nun auch, inklusive Nachrückerliste. Sage jemand ab, sei spätestens nach zehn Minuten ein anderer gefunden, der sich impfen lassen möchte.

Kritik an Corona-Impfungen von den Grünen

Kritisch hinterfragten die Grünen das Vorgehen des Landkreises. Gerhard Waas etwa vermisste die öffentliche Information, dass vor Ort eine Impfreihenfolge festgelegt wurde. Waas lobte das Impfzentrum, die Arbeit nannte er vorbildlich, aber nicht vorschriftsgemäß. Eine mangelnde Information wiesen Landratsamt-Sprecherin Sophie Stadler und Landrat von Löwis zurück. Täglich werde über die aktuelle Situation berichtet. Die Internetseite des Landkreises biete umfassende Infos. Da müssten die Bürger halt auch drauf schauen, findet von Löwis: „Da ist auch eine gewisse Holschuld.“

So gut die Arbeit im Haushamer Impfzentrum läuft, wo seit Ende Dezember an sieben Tagen pro Woche Impfungen verabreicht werden, richtig glücklich ist Straßmüller mit seiner Aufgabe nicht. Sie sei ein Minenfeld, er selbst im Landkreis ein Gesicht der nicht glücklich laufenden Impfkampagne in Deutschland. Er führe unzählige Telefonate. Angesichts der allgemeinen Unzufriedenheit habe er schon mehrfach in die Untiefen der menschlichen Psyche geblickt.

Größere Mengen an Corona-Impfstoff nötig

Lob für seine Arbeit bekam der Mediziner von Ursula Janssen (Grüne), die betonte, wie froh der Landkreis um Straßmüllers großes Engagement sein sollte. Und Christian Köck (CSU) schickte angesichts der insgesamt emotionalen Debatten und gereizten Stimmung einen Appell in die Runde: „Lasst‘s uns zamhalten!“

Besserung dürfte sich mit größeren Mengen an Impfstoff einstellen. Bis dahin hält Straßmüller übrigens nicht viel davon, auch Hausärzte impfen zu lassen. Denn dann hätten weder sie noch das Impfzentrum genug Dosen. Eine gerechte Verteilung wäre dann sicher nur ein frommer Wunsch. ft

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