Die drei Bewerber um den Chefsessel im Rathaus nehmen Stellung zum Ort und zu ihren Zielen

Großes Interview zur Bürgermeisterwahl in Gmund

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In Gmund finden am 25. Februar Bürgermeisterwahlen statt. Wir haben die Kandidaten zum Interview gebeten.

Gmund – Seit 18 Jahren ist Georg von Preysing Bürgermeister von Gmund. Wie kaum ein anderer vor ihm hat er den Ort geprägt. Auf dem Stimmzettel für die bevorstehende Bürgermeisterwahl am Sonntag, 25. Februar, sucht man aber den Namen des 63-Jährigen vergeblich. Schon im Oktober hatte der CSU-Mann bekanntgegeben, nicht mehr kandidieren zu wollen (wir haben berichtet).Wer künftig auf dem Chefsessel im Rathaus Platz nimmt, verspricht spannend zu werden. Schließlich haben die Gmunder diesmal drei Kandidaten zur Auswahl: Für die CSU tritt Franz von Preysing, für die Freie Wählergemeinschaft Alfons Besel und für die SPD Johann Schmid an. Das Gelbe Blatt stellt die Bürgermeisterkandidaten vor. Unsere Mitarbeiterin Barbara Reile hat ihnen fünf Fragen gestellt.

Was macht Gmund so besonders für Sie?

Von Preysing : „Gmund ist meine Heimat. Ich bin hier in einer Großfamilie aufgewachsen und von klein auf im Vereinsleben integriert. Gmund ist für mich deshalb so besonders, weil Gmund auf seine Familien und Bürger achtet. Es gibt eine große Anzahl an unterschiedlichen Vereinen, so dass für jeden etwas dabei ist. Außerdem bietet Gmund eine Vielzahl an unterschiedlichen Facetten, wie Berg-Tal, See-Mangfall, Industrie-Landwirtschaft, … Das macht Gmund sehr vielseitig und interessant.“

Besel: „Die engagierten Menschen machen Gmund zu etwas Besonderem. Darüber hinaus haben wir tolle Betriebe, Handwerker mit Produkten, auf die wir wirklich stolz sein können, beispielsweise die Federkielstickerei von Karl Stecher oder die Feinstpapiere der Büttenpapierfabrik Gmund. Was ich auch sehr genieße, sind die sportlichen Möglichkeiten: Schwimmen, Standup-Paddeln, Langlaufen, wunderschöne Wanderwege. Gmund hat zudem das schönste Seeufer und die schöne Mangfall im Ort.“

Schmid: „Gmund ist meine Heimat, mit der ich von Kindesbeinen an vertraut und in die Vereinswelt hineingewachsen bin. Dieses Heimatgefühl wurde mir so richtig bewusst, als ich im Rahmen der Familiengründung im Tegernseer Tal keine Wohnung fand (auch damals war es für junge Familien schon nicht leicht). Da merkte ich, dass es der Gmunder Boden ist, in dem meine Wurzeln stecken. Diese Wurzeln geben mir Halt, ohne dass sich das Denken nur um den eigenen Kirchturm dreht, sondern nach den Grundsätzen des AGMUNDA 21-Prozesses: Global denken – Lokal handeln.“

Wo sehen Sie für Gmund Verbesserungsbedarf?

Von Preysing: „Ganz klar bei der Neu/Umgestaltung des Bahnhofareals. Hier wurden die Weichen vor einigen Jahren gestellt. Durch den Erwerb der Grundstücke kann die Gemeinde hier nun endlich aktiv werden. Hier bietet sich meines Erachtens auch eine Bürgerbeteiligung an. Das gilt übrigens im Allgemeinen, ich wünsche mir eine AGMUNDA 2.0 – eine Mitmach-Gemeinde Gmund. Und dann möchte ich gerne noch das Thema Betreuungszeiten ausbauen, sprich Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

Besel: „In der innerörtlichen Entwicklung. Die Wiesseer Straße hat keine Aufenthaltsqualität und keinen Charme. Der denkmalgeschützte Bahnhof und das Café Wagner haben ein ansprechenderes Umfeld verdient. Ein ordentlicher Busbahnhof fehlt und die Park-and-Ride-Plätze sind wirklich keine Zierde. Und ganz klar, was die Verkehrsbelastung in unseren Ortsteilen angeht, besteht ein dringender Handlungsbedarf. Auch bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und der Digitalisierung darf nicht nachgelassen werden.“

Schmid: „Als Verantwortlicher des Arbeitskreises Energie, Umwelt und Verkehr sehe ich natürlich Nachholbedarf im Rahmen Energie-Effizienz. Auch im Rahmen der Bürgerdemokratie waren wir schon mal weiter, ob es die Bürgerwerkstatt zum Gasthof Maximilian, die Zukunftskonferenz im Jahr 2009 oder die Neufassung des Flächennutzungsplanes mit gemischten Arbeitsgruppen von Bürgern und Gemeinderäten waren. Hier gibt es ein riesiges Ideenpotential, das es für die Allgemeinheit nutzbar zu machen gilt.“

Falls Sie Bürgermeister werden – was würden Sie als Erstes anpacken?

Von Preysing: „Ich möchte mein Wahl-Programm strukturiert umsetzen. Das heißt, die Mitarbeiter der Gemeinde und den Gemeinderat einbinden und die Tal-Bürgermeister zur engen Zusammenarbeit einladen. Dabei möchte ich ,mehrgleisig‘ starten, zum Beispiel möchte ich prüfen, wo in Gmund bezahlbarer Wohnraum für die Bürger entstehen kann, welche gemeindlichen Aufträge an Landwirte vergeben werden können, einen Masterplan für die Digitalisierung erstellen, …“

Besel: „Die Neugestaltung der Wiesseer Straße, einen funktionalen Busbahnhof und ordentliche Park-and-Ride-Plätze. Die Verringerung der Verkehrsbelastung muss endlich beharrlich und konsequent angepackt werden. Auf dem Grundstück der ehemaligen Seeturnhalle stelle ich mir eine Sportleralm vor, wie in Bayrischzell, aber in Gmund in erster Linie für den Wassersport. Damit kann sich in Gmund auch ein Treffpunkt für die Jugend etablieren. Als Dienstwagen werde ich einen kleinen Bus anschaffen, der am Wochenende der Jugendarbeit in den Vereinen zur Verfügung steht.“

Schmid: „Neben der Einarbeitung in viele neue Aufgaben ist mir eine Verbesserung der Kommunikation insbesonders auch mit der jüngeren Bevölkerung wichtig. Es ist nun mal so, dass diese ihre Informationen kaum mehr aus Printmedien bezieht. Hier gilt es neue Wege zu gehen und gerade die junge Generation mitzunehmen. Schließlich muss sie doch am längsten mit den von uns geschaffenen Fakten leben.“

Die Hotelpläne am Bahnhofgelände wurden vorerst auf Eis gelegt. Wie sehen Sie das weitere Vorgehen?

Von Preysing: „Für Gmund hätte ein Hotel viele Vorteile, es sorgt für Belebung beim Einzelhandel und der Gastronomie und es bietet wohnortnahe Arbeitsplätze. Ein Hotelbau macht natürlich nur Sinn, wenn eine Erschließung möglich ist. Sollte sich der Standort am Bahnhof nicht realisieren lassen, dann stehe ich für ein Projekt ,Urlaub in Gmund‘. Es sollte erarbeitet werden, ob es alternative Standorte für ein Hotel gibt und/oder ob ein oder zwei Gästehäuser vielleicht besser zu Gmund passen.“

Besel: „Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern möchte ich im Rahmen einer Zukunftswerkstatt Ideen sammeln. An dieser Stelle muss ja nicht zwingend ein Hotel oder überhaupt gebaut werden. Die Zufahrt zum Grundstück und die Bodenverhältnisse sind problembehaftet, aber das ist nicht unlösbar. An dieser Stelle können wir mit ruhiger Hand ohne Zeitdruck vernünftig überlegen und planen.“

Schmid: „Das Vorhaben, an dieser Stelle ein Hotel zu verwirklichen, sehe ich auf absehbare Zeit gescheitert. Nun gilt es, den Zustand des Betriebsgeländes aufzuwerten, die Planungen für den Bereich nördlich der Gleise voranzutreiben und hier endlich die optischen und funktionalen Missstände zu beseitigen.“

Wie würden Sie sich Gmund in zehn Jahren wünschen?

Von Preysing: „Ich wünsche mir, dass Gmund immer noch Gmund ist. Damit meine ich, dass wir auf unsere Natur achten und bei Neu- und Umbauten berücksichtigen, dass sie sich in die Umgebung einfügen. Wir haben ein aktives Vereinsleben und engagierte Bürger. Das Bahnhofsareal ist neu gestaltet mit Busbahnhof, Kiosk und P&R. Die Breitbandversorgung ist gesichert, der Badepark wird talweit unterstützt, die Verkehrsproblematik wurde deutlich verbessert und die Gmunder haben gute Möglichkeiten, um Arbeit, Familie und Freizeit unter einen Hut zu bringen.“

Besel: „Gmund ist dann die Gute Stube im Tegernseer Tal und nicht nur das Tor ins Tal. Jung und Alt, Familien, Paare und Singles finden in Gmund bezahlbaren Wohnraum. Bei dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind wir unschlagbar. Bus und Bahn bieten in alle Richtungen hervorragende Verbindungen an, so dass die Verkehrsbelastung insgesamt abnimmt. In Gmund steht ein „Haus der Wirtschaft“, welches ein Ausgangspunkt unterschiedlichster wirtschaftlicher Aktivitäten ist und gerade auch unseren Jungen eine gute berufliche Perspektive bietet.“

Schmid: „Als hoffentlich nach wie vor lebens- und liebenswerte Gemeinde, in der sich die Bürger gerne ins Gemeinwesen einbringen. Diese Leistungen können zu einem gesunden Stolz befähigen, der jedoch nicht zu Überheblichkeit gegenüber anderen verleiten darf. Gerne bin ich bereit, hierfür meine Energie in der nächsten Wahlperiode einzubringen.“

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