Diskussion im Gemeinderat

Eckdaten vorgestellt: Wie Holzkirchen nach dem Superbahnhof sucht

Bahnhofsareal in Holzkirchen
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Dem Holzkirchner Bahnhofsareal steht nach dem Willen des Marktgemeinderats eine gravierende Umgestaltung bevor. Dazu soll es einen städtebaulichen Wettbewerb geben. Jetzt haben die Detaildiskussionen zu dessen Auslobung begonnen.

Holzkirchen – Holzkirchen und die Deutsche Bahn wollen das Bahnhofsareal komplett umgestalten. Der Gemeinderat hat sich mit dem Thema nun befasst.

In seiner jüngsten Sitzung wurden dem Holzkirchner Marktgemeinderat die Eckdaten für den Auslobungswettbewerb zur Umgestaltung des Bahnhofsareals vorgestellt. Darin eingeflossen sind sowohl die Erkenntnisse aus diversen Konzepten und die bei der Bürgerbeteiligung zur Neugestaltung geäußerten Wünsche und Bedenken. Die Chancen, dass auch die Bahn dabei mitspielt und Holzkirchen mit einem neuen Bahnhofsareal eine attraktive Visitenkarte mit ansprechendem Entree bekommt, stehen laut Bürgermeister Christoph Schmid momentan nicht schlecht. Nach einer ausgiebigen Diskussionsrunde wurde jedoch beschlossen, noch tiefer in die Detailplanung einzusteigen. Ein Beschluss zur Wettbewerbsauslobung wurde daher nicht gefasst.

„Videokonferenzen mit der Bahn sind anstrengend, aber fruchtbar“, fasste Bürgermeister Christoph Schmid die bisherigen Gespräche mit der Deutschen Bahn (DB) als Verhandlungspartner zusammen. Demnach sieht die DB Holzkirchen als wichtigen Drehpunkt mit hoher Kaufkraft und guter Rendite. „Ein attraktiver Bahnhof ist also durchaus eine Win-win-Situation“, meinte Schmid. Wie Marktbaumeister Florens Hintler ergänzte, gehört Holzkirchen zu den 30 Bahnhöfen, auf deren Erneuerung die DB einen besonderen Fokus gerichtet hat.

Derzeit ist das Bahnhofsareal aber eher eine Parkplatzwüste. Mittels des Ende 2018 beschlossenen städtebaulichen Wettbewerbs zu dessen Umgestaltung soll das geändert werden. Martin Gebhardt vom Büro Dömges stellte die Eckdaten des Wettbewerbes vor. Ziel sei es, Ordnung in den ruhenden und fließenden Verkehr zu bringen und gleichzeitig eine Mobilitätsdrehscheibe mit attraktivem Umfeld zu schaffen. Dazu sollen 400 der von der DB geforderten 500 Parkplätze auf die östliche Seite des Bahnhofes verlagert werden. Dies soll mittels eines Parkhauses neben der Frischeküche auf gemeindeeigenem Gelände realisiert werden. Die Verkehrslenkung dorthin soll über die Nordspange und den Ladehof erfolgen. Außerdem sind 1.500 Fahrradabstellplätze angepeilt, ein gutes Drittel davon überdacht.

Die Lage des Empfangsgebäudes bleibt unverändert. Möglich ist dessen Erhalt, aber auch ein Aus- oder Neubau. Zur bestehenden Wegeverbindung soll eine weitere Unterführung im Norden zum Parkhaus geschaffen werden. Des Weiteren ist ein Familienzentrum mit einer Geschossfläche von rund 3.200 Quadratmetern in der Nähe des Atriums Teil der Planung. Darin soll die Holzkirchner Tafel eine neue Heimat finden. Auch eine Wertstoffinsel und eine Upcycling-Werkstatt sowie ein öffentliches WC sind dort vorgesehen.

Optional wären, wie Gebhardt sagte, Büroflächen, Tagungsräume, Gastronomie und ein Unverpackt-Laden. Der Gedanke, dort auch ein Angebot für Jugendliche zu schaffen, sollte, wie Michael Wohlschläger (CSU) meinte, am besten gleich niedergeschrieben werden. Dem gegenüber bat Wolfgang Huber (SPD), die Senioren nicht zu vergessen. Karl Bär (Grüne) und Elisabeth Dasch (SPD) würden an dieser zentralen Stellte auch gerne das Arbeitsamt und die vhs sehen. Da winkte Hintler allerdings ab: „Das Arbeitsamt sieht keine Notwendigkeit, und die vhs möchte lieber ein eigenes Gebäude.“ Wie Dasch anmerkte, war in der Vergangenheit auch ein Kino im Gespräch, das Blockbuster zeigt.

Hubert Müller (FWG) vermisste es, dass der Bahnhofsweg nicht als Fuß- und Radweg berücksichtigt wurde. Wie Hintler sagte, gibt es laut DB dafür keinen Spielraum, weil die Fläche für den Brenner-Zulauf eine Rolle spielen soll. Insgesamt ist wohl der Bahnhof für die DB eine hübsche Braut, wie FWG-Fraktionssprecher Torsten Hensel feststellte. Das sollte dann auch bei künftigen Verhandlungen ausgenutzt werden.

CSU-Fraktionssprecher Sebastian Franz fasste es so zusammen: „Holzkirchen sucht den Superbahnhof – das bringt uns aber nichts, wenn die Bahn nicht mitspielt.“ Momentan ist dieses Fenster aber, wie der Rathauschef sagte, weit offen: „Und das sollten wir nutzen.“ Ähnliches gelte für die in die Überplanung aufgenommenen privaten Flächen wie die rund 50 Garagenstellplätze an der Erlkamer Straße und einen Zipfel im südlichen Bereich. Auch dort, sagte Schmid, sei er in Gesprächen und guten Mutes.

Weil einige Gemeinderäte eine nochmalige Detaildiskussion wünschten, blieb ein Beschluss aus. Stattdessen wird dazu auf Vorschlag von Bürgermeister Christoph Schmid eine Extraschleife im Verkehrsausschuss gedreht. Danach soll entschieden werden, ob nach der Preisrichtervorbesprechung im ersten Quartal 2021 der Startschuss für das Wettbewerbsverfahren fallen kann. hac

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