Mesner neuer Ehrenbürger

Gemeinde Gmund würdigt Tatkraft und Persönlichkeit von Johann Latein

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Als „wirklich außerordentliches Ereignis“ bezeichnete Gmunds Bürgermeister Alfons Besel (3.v.l.) die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Hans Latein (3.v.r.) – ein Mitverdienst der ganzen Familie (vorne Gattin Anneliese mit Töchtern, Schwiegersohn und Enkeln).

Gmund – Die Gemeinde Gmund hat einen neuen und derzeit einzigen, lebenden Ehrenbürger: Johann Latein. Die außerordentliche, weil selten verliehene Würdigung wurde nun dem 81-jährigen Mesner der Pfarrkirche St. Ägidius zuteil. Trotz seines jahrzehntelangen und umfangreichen Engagements rund um die Kirchengemeinde und darüber hinaus, ist der „Latein Hans“ ein recht bescheidener Mensch geblieben.

„Es kommt nicht häufig vor, dass die Gemeinde Gmund die Ehrenbürgerwürde verleiht“, sagte Bürgermeister Alfons Besel zur Begrüßung und erinnerte an die letzte Vergabe 2005 an Otto Beisheim (verstorben 2013). Ein außergewöhnliches Ereignis also, das am vergangenen Freitagnachmittag wetterbedingt in der Aula der Grundschule stattfand. Stellvertretend für alle anwesenden Gäste sprach der Rathauschef ein aufrichtiges „Gelt‘s Gott“ für das Engagement, den Fleiß, die Hingabe und Menschlichkeit von Johann Latein aus. „Hans, du bist als Persönlichkeit in unserem Gemeindeleben seit Jahrzehnten präsent und nicht mehr wegzudenken.“

Schon in jungen Jahren brachte sich der Gmunder in die katholische Kirchengemeinde ein, als bereits die Mutter den Mesner von St. Ägidius unterstützt hat. 1963 sprang Hans Latein „derweil bis ma oan kriagn“ für den damaligen Mesner ein, der seinen Dienst quittiert hatte. Das „Derweil“ dauert nunmehr 56 Jahre an. 2005 hat zwar Tochter Regina Killer mit Familie das Kirchenamt offiziell übernommen, Hans Latein aber ist nach wie vor täglich in und rund ums Gotteshaus tätig.

Der gelernte Zimmerer verkörpere wie kein anderer die Gmunder Kirchengemeinde, sagte Besel und stellte ihn als Bewahrer der alten kirchlichen Bräuche und Traditionen heraus. Hans Latein kümmert sich seither nicht nur um die Kirchenführungen, den Aufbau der Figuren zur Ölberg-Andacht, die Ausstattung der Fronleichnams-Prozessionen und des Skapulierfests in Gasse, sondern auch um den Erntedank-Altar und den Aufbau der Weihnachtskrippe. Darüber hinaus betreut Hans Latein die Mariahilfs-Kapelle und die Filialkirche Georgenried.

Das Mesner-Amt auszuführen sei allerdings schon immer eine Leistung der ganzen Familie Latein gewesen. So würdigte Alfons Besel insbesondere Anneliese Latein mit einem Blumenstrauß – eine Ehrenbürgerwürde für Ehepaare sehe das Prozedere leider nicht vor. „Vielleicht ein Fehler im System“, meinte der Bürgermeister.

Auch während der Generalsanierung der Pfarrkirche von 1999 bis 2001 habe sich Hans Latein bei den zahlreichen Ortsterminen mit viel Herz und Verstand eingebracht. Immer wieder schön sei außerdem, dass er die Pfarrgemeinde zusammenhält. „Wenn ich zu einem runden Geburtstag komme, dann schau ich, ob deine kleinen Milka-Schokoladen-Taferln schon da liegen“, erzählte der Bürgermeister schmunzelnd.

Doch nicht nur als Mesner bringt sich Johann Latein ins soziale und kulturelle Gemeindeleben ein. Er ist in verschiedenen sozialen Vereinen und Organisationen aktiv, unter anderem bei der Kolpingfamilie, seit 1962 sogar als Vorsitzender, und organisiert seit 50 Jahren die Textil- und Papiersammlungen. Ab 1956 sprang er bisher zwölf Mal in die Rolle des Kasperls bei den Gmunder Schäfflern, die alle sechs Jahre auftreten. Auch an politischen Entscheidungsprozessen in der Gemeinde zeige der neue Ehrenbürger seit jeher Interesse, lobte Besel. Ob als regelmäßiger Gast bei Ratssitzungen und Ausschüssen oder als durchaus kritischer Beobachter der Vorgänge in der „Heimatgmoa“, der stets auf aus seiner Sicht falsche oder unnötige Entscheidungen oder Ereignisse mit Nachdruck hinweise.

„Es soll heute deine Tatkraft und deine besondere Persönlichkeit gewürdigt werden, die nicht danach fragt, was andere tun können, sondern umgekehrt.“ Rechte oder Vorteile seien mit der Ehrenbürgerwürde zwar nicht verbunden, sagte Besel, aber sie symbolisiere das, was in der heutigen Zeit von außerordentlich großem Wert ist: Dank und Anerkennung für vorbildliche, beispielhafte und herausragende Verdienste um das Gemeinwohl.

„I woaß gar ned, was da den Ausschlag gibt“, sagte der frisch gebackene Würdenträger in seiner Dankesrede ganz bescheiden. Er dachte, die Verleihung der Bürgermedaille 1988 sei bereits der Ehre genug gewesen und bedankte sich sichtlich gerührt für die Aufwartung und insbesondere bei seiner Frau, seinen Töchtern und Schwiegersohn Bernhard Killer und den vielen Helfern für die Unterstützung. Nicht unerwähnt ließ er bei dieser Gelegenheit, welche „Fundstücke“ er bei der Betreuung der Friedhofs-Container schon bergen musste: Vom rohen toten Fisch bis zur Kloschüssel war einiges dabei. So ließ sich Hans Latein auch als Mahner für die guten Sitten verstehen. Ein Thema, das ihm sowieso Sorgen mache, sei die Dankbarkeit: „Ich meine, dass die Wertigkeit von Zufrieden-Sein und vom Dankbar-Sein schön langsam verloren geht und alles für selbstverständlich hingenommen wird.“

Wenn es die Gesundheit erlaubt, dann hüpft er nochmal bei den Schäfflern mit, versprach der neue Ehrenbürger und wünschte allen einen angenehmen Ratsch und in Zukunft eine gute Zeit. Ohne Frage: Dafür gab es stehende Ovationen. sko

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