Einweihung und Fest bei der Evangelischen Kirchengemeinde in Miesbach

Eine Mauer wie eine Himbeertorte

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Weihten zusammen die neue Mauer an der evangelischen Kirche ein: (v.l.) Dekan Martin Steinbacher, Betty Mehrer, Ronald Corsepius und Pfarrer Uwe Sergel.

Miesbach – Schon bei ihrer Konfirmation habe die Kirchenmauer etwas gebröselt, erzählte Bürgermeisterin Ingrid Pongratz. Mit den Jahren wurde der Zustand der Stampfbetonmauer immer schlechter. Umso mehr freute sie sich, dass sie nun der Einweihung der neuen Kirchenmauer beiwohnen konnte.

„Es ist schwierig in der heutigen Zeit eine Mauer bauen zu wollen“, sagte Pfarrerin Anika Sergel-Kohls. Mauern trennen. Das beste Beispiel dafür lässt sich in der deutschen Geschichte finden. Gerade deshalb sei es wichtig, dass es auch ein Tor gebe. In der neuen Miesbacher Kirchenmauer gibt es sogar ein ganz besonderes: Bundespräsident Joachim Gauck hatte es am Rande des Patronatstages der Gebirgsschützen selbst eingeweiht. Dekan Martin Steinbacher witzelte, dass zur Einweihung des Tores „eigens der Bundespräsident gekommen ist. Dass er auch noch Zeit für die Gebirgsschützen hatte, war äußerst großzügig.“ Der Dekan lobte die Kreativität der Kirchengemeinde, um Geld zusammen zu bekommen. So gab es Benefiz-Konzerte, Entenrennen auf der Schlierach, ein Benefiz-Schafkopfturnier und Verkaufsstände auf diversen Veranstaltungen in Miesbach. Zunächst sei er skeptisch gewesen, dass sich die Miesbacher für eine Betonmauer entschieden hatten, sagte Steinbacher. Doch von der nun entstandenen Mauer zeigte er sich angetan und sagte: „In Miesbach ist es gelungen, aus Beton etwas zu machen.“ Es wurde kein Stampfbeton verwendet, so wie es bei der gut 100 Jahre alten Mauer der Fall gewesen war. Zwar bestand das Landesamt für Denkmalschutz zunächst darauf. Als aber absehbar wurde, dass die Kirchengemeinde weder eine Sanierung noch eine neue Mauer aus Stampfbeton finanziell realisieren hätte können, stimmte das Amt schließlich der günstigeren Variante zu. Die hat exakt dieselben Ausmaße und kostet auch noch 100.000 Euro. Ein Drittel davon übernahm die Landeskirche, der Rest wurde aus Erlösen der oben genannten Veranstaltungen und weiteren Spenden finanziert. Und auch die Schwestergemeinde in Neuhaus ließ sich nicht bitten und spendete 5000 Euro. Nach der Fertigstellung bleibt nun lediglich eine Finanzierungslücke von wenigen tausend Euro. Neben dem finanziellen Engagement gab es mehrere Personen, die sich auch mit Tatkraft an dem Projekt beteiligten. Allen voran: Ronald Corsepius, Kirchengemeinderatsmitglied und Bauingenieur. Er habe den Kirchenleuten stets verständlich gemacht, welche Schritte wie gemacht werden müssen beim Bau der neuen Mauer. Und als er erläutert hatte, wie eine Schalung errichtet und mit Beton befüllt wird, fühlte sich Pfarrerin Sergel-Kohls an das Backen einer Torte erinnert, erzählte sie. Und weil Corsepius ein Fan der „Sergelschen Geburtstags-Himbeertorte“ sei, dankte sie ihm mit einer solchen. Durch die neue Kirchenmauer entstehe ein „geschützter Raum“ in dem „klösterlicher Friede“ herrsche, habe ein Kirchengemeindemitglied ihr erzählt, sagte die Pfarrerin. Die Kirche soll einladen, aber auch den Raum geben, zu sich und zu Gott zu finden, sagte Sergel-Kohls. Und ganz nebenbei verschönert die neue Mauer auch noch das Stadtbild. Bürgermeisterin Pongratz frohlockte: „Die Kirchenmauer schaut wunderschön aus. Und auch das Tor schaut so einladend aus – wie zu unserer Kindheit.“ tk

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