Einweihung der offenen Wohngruppe von Domus Mea in Fischbachau

Eine besondere Tür

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Zur Einweihung und offiziellen Eröffnung der neuen offenen Wohngruppe von Domus Mea in Fischbachau waren viele Besucher gekommen, die Blaskapelle spielte ebenfalls auf.

Fischbachau – Aufgeregt sausen die Bewohner zwischen Haustüre, Küche und Wohnstube hin und her, heißen die Gäste willkommen, verteilen Getränke und erzählen stolz über ihr neues Zuhause. Seit Oktober vergangenen Jahres bewohnen drei Männer und zwei Frauen den „Moarhof“ in Fischbachau.

Nichts ungewöhnliches für erwachsene Menschen mag man denken, doch die Bewohner und die Form ihres neuen Zuhauses sind etwas besonderes. Weit mussten die neuen Bewohner des ältesten Bauernhofes in Fischbachau ihre Habseligkeiten nicht tragen, denn die Fünf wohnten bis zu ihrem Umzug in der geschlossenen Einrichtung von Domus Mea in Fischbachau. Nur 200 Meter trennen sie nun von ihren Betreuern und den 32 anderen Heimbewohnern. Ihnen allen wurde die Dreifachdiagnose mit geistiger Behinderung, psychischer Erkrankung und Verhaltensauffälligkeiten gestellt. „Aber diese fünf haben jetzt einen gewissen Reifestatus erreicht, um nun den Schritt aus dem Heim zu wagen“, erklärt Geschäftsführer Alfred Pohl. In dem großzügigen Bauernhaus haben die Bewohner nun Platz genug, um sich und ihre Persönlichkeit zu entfalten. Eine große Küche, eine gemütliche Wohnstube mit Kachelofen und sechs großzügige Wohneinheiten, die sie nach ihrem eigenen Geschmack eingerichtet haben, stehen den Männern und Frauen zur Verfügung. Es gibt auch einen großen Balkon und Garten. Der Unterschied zur Intensiveinrichtung um die Ecke ist so simpel wie ausschlaggebend: Die Eingangstüre im Moarhof ist nicht verschlossen. „Natürlich findet immer noch eine Betreuung statt, doch durch die engen Strukturen im Heim wurden die Bewohner an die Selbstständigkeit herangeführt“, erklärt Pohl. Jeden Abend wird gekocht, immer hat ein anderer Bewohner Küchendienst. Freitag steht der Großeinkauf in Hausham an, und am Wochenende wird gemeinsam geputzt. Eine weitere Besonderheit ist, dass für die Bewohner kein gesetzlicher Unterbringungsbeschluss mehr vorliegt. So können sie unter der Woche auch einer Arbeit außerhalb des Hauses nachgehen. Einige von ihnen arbeiten bei den Oberland Werkstätten im Landkreis, die übrigen in der hausinternen FBA-Werkstatt. „Fördern, beschäftigen, arbeiten“, erklärt Pohl die Abkürzung. In der Werkstatt in Elbach stellen die Bewohner unter anderem Gegenstände für das Markus Wasmeier Freilichtmuseum und die Firma Develey her. Diese Selbstständigkeit und das in sie gesetzte Vertrauen verleiht den Bewohnern Auftrieb. „Sie blühen hier richtig auf, sehen sie nur wie lebendig die sind“, freut sich Joachim Merkel. Der Gründer von Domus Mea kam am vergangenen Freitag mit seiner Ehefrau persönlich nach Fischbachau, um bei der offiziellen Einweihung und Eröffnung der offenen Wohngruppe dabei zu sein. Mit den Bewohnern feierten auch Nachbarn, Betreuer und Mitarbeiter von Domus Mea, die Blaskapelle Fischbachau spielte auf, Pfarrer Josef Spitzhirn und Diakon Peter Salamon gaben der Einrichtung ihren Segen. Den Anlass nahm Pohl zum Dank an der Familie Wittmoser. Ihnen gehört das Bauernhaus und als die letzten Mieter auszogen, kamen Lorenz Wittmoser und seine Frau auf die Idee, bei Domus Mea bezüglich einer Verwendung anzufragen. Pohl war sofort begeistert, denn schon lange war der Gedanke über neue Wohnformen für die Bewohner in seinen Gedanken, „auch wenn der Schritt, die engen Strukturen auch offen beizubehalten, schwierig ist“. Aber es hat geklappt und darauf sind nicht nur die Mitarbeiter von Domus Mea stolz. „Ich habe mich so gefreut, dass wir umziehen, dass ich heulen musste“, erzählt die 25-jährige Jenny den Besuchern bei der Einweihung. Dass das ganze aber auch ohne eine verständnisvolle Nachbarschaft, wie sie um die Einrichtungen von Domus Mea in Fischbachau zu finden ist, nicht möglich wäre, betonten sowohl Pohl als auch Merkel. Auch Bürgermeister Josef Lechner sprach das gute Verhältnis zwischen der Gemeinde, der Einrichtung und den Bürgern an und brachte auf den Punkt, was die neue Offene Wohngruppe so besonders macht: „Hier tut sich eine Türe auf für Menschen, für die andere Türen manchmal verschlossen sind.“ os

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