Emotionale Debatte

Kloster-Diskussion: Antrag auf temporäre Museums-Nutzung zurückgestellt

+
Der Antrag des Museumsvereins Miesbach auf temporäre Nutzung des ehemaligen Klosters ist zunächst zurückgestellt.

Miesbach – In der vergangenen Stadtratssitzung war Emotionalität zu spüren, als es um den Museumsverein ging. Dieser hatte einen Vorschlag zur Zwischenlösung für das Miesbacher Heimatmuseum unterbreitet. Dabei ging es bei der Diskussion um Grundsätzliches wie die Finanzierbarkeit der Einrichtung im ehemaligen Klostergebäude ebenso wie um die Frage, ob Miesbach fair mit seinen Vereinen umgehe. Auch stand der Vorschlag im Konflikt mit einer möglichen Nutzung der Räumlichkeiten als Kinderkrippe.

Da ein städtischer Museumsbetrieb wohl in nächster Zeit nicht finanzierbar sei, schlug der Verein vor, das Klostergebäude für drei bis fünf Jahre als „Vereinsheim“ zu pachten und dort in Zusammenarbeit mit der städtischen Museumsleitung einen reduzierten, aber konzentrierten Museumsbetrieb durchzuführen. Auflagen wären dadurch geringer. Die Haftung liege beim Verein. Interessierte hätten die Möglichkeit, die Exponate zu betrachten. Die Pacht würde sämtliche zur Disposition stehenden Räumlichkeiten des klösterlichen Haupt- und Mittelbaus beinhalten. Dabei würden mindestens zwei themenbezogene Ausstellungen pro Jahr seitens des Vereins kuratiert, deren Besichtigung ausschließlich über Führungen, etwa für Schulklassen möglich sei, so der Vorschlag.

„Bevor wir nicht wissen, ob man das Gebäude als Krippe nutzen kann, sollten wir den Antrag zurückstellen“, fand Bürgermeisterin Ingrid Pongratz. Seit 20 Jahren werde von einem Museum geredet, vormals im alten Krankenhaus, erinnerte sich Paul Fertl (SPD). Der Verein habe 300.000 Euro gesammelt und 115.000 Euro in den Kauf des Grundstücks mit investiert: „Das Geld wird von uns gerade zweckentfremdet.“ Der Verein wolle etwas tun. Die Stadt lasse ihn nicht. Ein Mitarbeiter der Stadt sei bereits für museale Zwecke zuständig. „Wegen solcher Sitzungen wie heute geht die Aktivität unserer Vereine verloren. Die fühlen sich verarscht“, fand Fertl. Dem pflichtete Inge Jooß (SPD) bei, die das Engagement der Vereine als nicht ausreichend gewürdigt empfand.

Das sah Franz Mayer (CSU) zusammen mit Markus Seemüller (FW) anders. Beide verwiesen auf den knapp gestrickten Miesbacher Haushalt und die Unmöglichkeit eines „Zuschussbetriebes“. Verantwortung sei gefragt. „Priorität hat für mich das Schwimmbad“, erklärte Seemüller. Man solle ehrlich sein und nicht „herumeiern“. Gegen den Vorwurf der Unehrlichkeit verwehrte sich Pongratz. Nur sei man jetzt an einem entscheidenden Punkt angelangt. Auch Erhard Pohl (CSU) konterte den Vorwurf: „Es geht um die Frage: Wollen wir oder können wir Museum.“ Man würde sich nicht „die Zeit um die Ohren hauen, wenn es uns nicht wichtig wäre“.

Für eine Prüfung der rechtlichen Vorgaben eines Vereinsheims setzten sich mehrere Stadträte ein, ebenso für die Prüfung, ob eine Krippe überhaupt im Gebäude untergebracht werden könne. Sollten die Prüfungsergebnisse pro der Vorstellungen des Vereins verlaufen, meinte Manfred Burger (Grüne), dass dieser einfach seine Vision verwirklichen solle. „Wenn man kein Gebäude mehr hat, geht erst mal nichts mehr.“

Abschließend entschieden sich die Stadträte dafür, dass zuerst die mögliche Nutzbarkeit des Klosters als Krippe untersucht werden solle. Dann seien die rechtlichen Vorgaben für den Vorschlag des Museumsvereins zu prüfen und ein Architekt für die von diesem angedachte Nutzung der Räume hinzuzuziehen. Bis dahin ist der Antrag zurückgestellt.

maf

Auch interessant

Meistgelesen

Verfolgung wie im Film: Chef der Kreissparkasse schnappt Randalierer
Verfolgung wie im Film: Chef der Kreissparkasse schnappt Randalierer
So schön war die Leonhardifahrt in Hundham – mit Bildergalerie
So schön war die Leonhardifahrt in Hundham – mit Bildergalerie
Warum der Optimismus der Wirtschaft im Oberland verflogen ist
Warum der Optimismus der Wirtschaft im Oberland verflogen ist
SPD bereit für Kommunalwahl – diese Kandidaten treten 2020 an
SPD bereit für Kommunalwahl – diese Kandidaten treten 2020 an

Kommentare