Ein Etappensieg

Sportzentrum: Kompromisslösung ist gefunden / Planung weiter für Nordring

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Nach langer Diskussion stand fest: Die möglichen Sportzentrums-Standorte an der Dietramszeller- und Kreuzstraße sind passé, es wird weiter für den Altstandort geplant.

Otterfing – Zwei Anträge zum Thema Sportzentrum sorgten bei der Otterfinger Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstag für volle Besucherränge: Nach einer hitzigen Debatte und einer Sitzungsunterbrechung stand nach gut zwei Stunden fest, dass die Standorte Dietramszeller Straße und Kreuzstraße ad acta gelegt werden. Stattdessen soll am Nordring der Bau einer neuen Turnhalle mit Mehrzwecknutzung geplant und je nach finanziellen Mitteln der Gemeinde gebaut werden. Das alte Sportzentrum soll so lange wie möglich in Betrieb bleiben.

Der gemeinsame Antrag der Fraktionen FW, SPD und Teilen der Grünen (Hubert Baldauf und Thomas Hogger) deckte sich in Bezug auf den zukünftigen Standort nahezu mit dem der CSU. Beide Seiten kamen zu dem Schluss, dass die Dietramszeller Straße und die Kreuzstraße wegen ökologischer Gründe und Bürgerbedenken nicht weiter verfolgt werden sollten. Schnell war dann ein von allen Fraktionen gefasster Antrag erstellt. In der namentlichen Abstimmung ging Bürgermeister Jakob Eglseder zwar mit der Aufgabe der Dietramszeller Straße mit, stimmte aber trotzdem als einziger dagegen, beide Standorte aufzugeben. Seine Gründe gab er zu Protokoll: „Die Kreuzstraße ist die einzige wirklich zukunftsfähige Option für ein Sportzentrum und wird auch vom Landratsamt und der Regierung von Oberbayern als gut erachtet.“ Die anschließende Diskussion darüber, wie es am Nordring weitergehen solle, verlief äußerst hitzig. Vizebürgermeisterin Ulrike Stockmeier (FW) eröffnete die Runde und stellte gemäß Gemeinschaftsantrag fest: „Um dem TSV in Zukunft vernünftige Sportmöglichkeiten bieten zu können, ist der Bau einer neuen Zwei- oder Dreifachturnhalle mit Mehrzwecknutzung unumgänglich.“ Da erhebliche Emissionsschutzauflagen zu erwarten seien, solle ein „drei- oder vierköpfiges kreatives Architektenteam mit pfiffigen Lösungen“ planen. Bezüglich Verköstigung ist bei dieser Lösung lediglich Platz für ein

Bistro oder eine Catering-Möglichkeit vorgesehen. Außerdem würden die Stockschützen und das Beach-Volleyball-Feld über die Klinge springen. Kosten sollte das Ganze nach Schätzungen

Stockmeiers rund fünf bis sieben Millionen Euro.

Für CSU-Wortführer Robert Schüßlbauer war der Antrag nicht nur wegen der Haushaltslage unrealistisch und ein Affront: „Ich stimme keinem Antrag zu, der einzelne Gruppen oder Vereine ausschließt.“ Er legte großen Wert darauf, dass das Sportzentrum auch in Zukunft gesellschaftliche Aufgaben zu erfüllen hat und somit auch über eine Gastronomie verfügen muss. Vorschläge Stockmeiers, diese gegebenenfalls in der Aula abzuhalten, erteilte Schüßlbauer eine klare Abfuhr. Die von ihm vorgestellte CSU-Lösung sah vor, das Bestandsgebäude wie bisher instand zu halten und zeitnah einen kleinen Neubau mit

Duschen für den Außensport und eventuell Gymnastikräumen zu bauen. Zudem sollten Maßnahmen für den Erhalt der Gastronomie und der Innensportbereiche erfolgen. Die Kostenschätzung lag letztlich bei einer guten Million Euro. Weiter war in dem Antrag zu lesen, dass eine neue Halle erst gebaut werden solle, wenn dafür Geld und ein passender Grund vorhanden seien.

Auch Eglseder sieht den Plan finanziell unrealistisch: „Wir kennen doch die Kostenschätzungen des Architekten Till Fischer für ein Projekt ähnlichen Umfangs. Die lagen bei rund 17 Millionen Euro.“ Als teurer Stolperstein könnte sich tatsächlich der aufwändige Emissionsschutz bei einem Neubau erweisen, wenn der „Altbestandsbonus“ wegfällt. Das bestätigte Stephan Kupferschmid, der ebenfalls anwesend war und im Landratsamt Miesbach für die Kommunalaufsicht tätig ist. Auf Empfehlung seiner Kollegin Maria Rode sollte auch vermieden werden, bei der Sitzung einen Antrag mit fixen Summen zu hinterlegen, solange der Haushalt 2018 nicht steht: „Ich kann nur davor warnen, so etwas in einer haushaltsfreien Zeit zu machen.“

Als keine Kompromisslösung mehr in Sicht schien, nahm Georg Schlickenrieder (CSU) Druck aus dem Kessel: „Ich möchte keine Kampfabstimmung. Wir brauchen für dieses Projekt eine breite Mehrheit.“ Nach einer Sitzungsunterbrechung zeigten sich schließlich beide Lager kompromissbereit.

In namentlicher Abstimmung wurde beschlossen, die Planungen für eine neue Halle mit Mehrzwecknutzung, wie der Gemeinschaftsantrag vorsah, aufzunehmen. Als Konzession an den CSU-Vorschlag soll eine Kleingastronomie mit aufgenommen werden. Des Weiteren wurde vereinbart, dass die alte Halle so lange wie möglich für alle Sparten in Betrieb bleiben soll. Bezüglich der Finanzierung wurde festgeschrieben, dass die Umsetzung im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde angegangen wird. Dieser Lösung stimmte dann auch Eglseder zu, allerdings „zähneknirschend“, wie er sagte. Die einzige Gegenstimme kam von seinem CSU-Fraktionskollegen Ferdinand Höchstetter. 

hac

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