Rund 200 Einwohner bei Bürgerversammlung

Warum Fischbachau bereit ist für die Zukunft

Vor vollem Haus zog Bürgermeister Josef Lechner bei der Fischbachauer Bürgerversammlung im Klostersaal Bilanz über seine Amtszeit.
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Vor vollem Haus zog Bürgermeister Josef Lechner bei der Fischbachauer Bürgerversammlung im Klostersaal Bilanz über seine Amtszeit.

Fischbachau – Bürgermeister Josef Lechner blickt im Klostersaal auf ein geordnetes Haus und feiert die Bürgerversammlung als kleinen Abschied.

Rund 200 Fischbachauer sind der Einladung von Bürgermeister Josef Lechner zu seiner letzten Bürgerversammlung in den Klostersaal gefolgt. „Jeder bekommt die Bürger, die er verdient. Wir haben gute“, sagte er. Der Abend wurde zu einer Bilanz von Lechners Amtszeit, die mit frenetischem Applaus gefeiert wurde.

Lechner machte auch den drei Anwärtern auf sein Amt klar: Der Beruf eines Bürgermeisters hat keinen Acht-Stunden-Tag und kennt auch kaum freie Wochenenden. Aber Lechner hatte in seinen 13 Jahren Amtszeit immer die Gemeinde im Blick und wollte, dass es in Fischbachau gut läuft. „Ich möchte keinen Tag missen“, sagte er zufrieden.

Lechners Ziel war immer, Fischbachau schuldenfrei zu machen. „Das war keine One-Man-Show des Sepp Lechner“, lachte er. Es war vielmehr eine Gemeinschaftsleistung mit der Verwaltung und dem Gemeinderat. „Der war für mich der Aufsichtsrat“, sagte der Bürgermeister. Mit seinen Ideen sei er – anscheinend mit guten Argumenten – in den Gemeinderat gegangen, denn viele der Entscheidungen wurden einstimmig getroffen.

Bürgerversammlung Fischbachau: 90 Prozent mehr Gäste und 15 Prozent mehr Übernachtungen

Stolz verkündete Lechner: „Wir können ein geordnetes Haus übergeben!“ Die Fischbachauer Schulen haben einen guten Ruf und sind in einem tadellosen Zustand. Auch im Bereich der Vorschulangebote ist Fischbachau mehr als gut versorgt und für die Zukunft gerüstet. Die aktuelle Nachfrage kann abgedeckt werden und eine Erweiterung wäre auch problemlos möglich.

Für den Tourismus folgten ebenfalls gute Zahlen: Seit Lechners Amtsantritt 2007 verzeichnet Fischbachau etwa 90 Prozent mehr Gäste und etwa 15 Prozent mehr Übernachtungen. Die Grundausrichtung mit einem sanften Tourismus trägt Früchte. Allerdings nicht, ohne große Kosten zu verursachen. Aber wenn man bedenkt, dass das Defizit durch den Tourismus seit 2007 mit 2 Millionen Euro rund 350 Millionen generiert hat, sei das eine durchaus berechtigte Ausgabe und somit Wirtschaftsförderung.

Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung in Fischbachau sind laut Lechner top und auch bei einem Gebührenvergleich schneidet Fischbachau mit 2,40 Euro je Kubikmeter für Wasser und Abwasser sehr gut ab. „Unsere Wasserversorgung sucht seinesgleichen“, sagte er.

Bürgerversammlung Fischbachau: Zahlreiche Straßen und Fußwege saniert

Fischbachau hat in den vergangenen 13 Jahren weit mehr als ein Drittel der gemeindeeigenen Straßen ohne Beteiligung der Bürger erneuert oder saniert. Um immer auf dem aktuellen Stand zu sein, werden jedes Jahr etwa drei Kilometer des Straßennetzes erneuert. Aber auch Gehwege wurden saniert und bestehende Gehweglücken weiter geschlossen. Insgesamt wurden 10,2 Millionen Euro in Gemeindestraßen investiert.

Ein Großteil von Fischbachau ist Dank des großen Engagements von Lechner mittlerweile auch mit Breitband versorgt. Förderungen zu beantragen war in diesem Fall der leichtere Teil für den Bürgermeister. Die Durchführung zu erwirken dagegen sehr schwierig. Die Fertigstellung ist bis 2023 zu erwarten.

Ein ganz wichtiges Projekt war für Lechner die Dorfentwicklung in Hundham-Elbach und die Städte­bauförderung Fischbachau. „Das ist mein Beispiel für aktive Bürgerbeteiligung“, sagte Lechner. Als Glücksfall für die Gemeinde bezeichnete er den sozialen Wohnungsbau in Hundham (2016) und die Ausweisung des Baugebiets Wolfsee (2019). Durch die aktive Wohnraumpolitik der Gemeinde selbst (rund 120 Wohneinheiten) sowie dem Ermöglichen von privatem Wohnraum (rund 80 Wohneinheiten) ist der Bedarf für insbesondere einheimische Familien derzeit weitgehend gedeckt.

Bürgerversammlung Fischbachau: Gemeinde Vorbild bei Energieautarkie

Stolz ist Josef Lechner auf sein Engagement, energieautark zu werden. Beim Strom rechnet er sogar bereits 2030 mit dem Erreichen dieses Ziels. „Wir gelten als Vorreiter im Landkreis in Sachen Klima- und Energiepolitik“, sagte Lechner. Die größte Herausforderung sieht er bei der Lösung der Verkehrsprobleme und hofft auf eine sinnvolle Erweiterung des ÖPNV.

Durchschnittlich hat Fischbachau während Lechners Amtszeit 2,4 Millionen Euro im Jahr investiert, davon wurde immer die Hälfte der Summe an Zuschüssen geholt. Insgesamt wurde ein Überschuss von 11,3 Millionen Euro erwirtschaftet. Trotz enormer Investitionen in den vergangenen 13 Jahren konnte durch einen ständig steigenden Verwaltungsüberschuss und einer geschickten Ausnutzung von Fördermöglichkeiten das Ziel erreicht werden, die Grundlage für einen konsolidierten Haushalt 2020 zu legen. Lechner freut sich, dass Fischbachau als Weltmeister für Förderungen im Landkreis gilt, da er weiß, wie man geschickt mit wenig Geld viel erreichen kann. „Das war auch eine Art Überlebenstaktik“, lachte er.

Abschließend sagte Lechner aber auch, dass große Herausforderungen auf den neuen Bürgermeister und Gemeinderat warten, da sich die Welt in einem ständigen Wandel befindet. Er sieht seine Gemeinde als bereit für das Morgen – ebenso wie sich selbst mit viel Zeit für seine sieben Enkelkinder. jw

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