Verkäufe lassen Schulden sinken

Fischbachau beschließt Rekordhaushalt – was am meisten kostet

Das geplante Baugebiet am Wolfsee prägt den neuen Fischbachauer Rekordhaushalt.
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Das geplante Baugebiet am Wolfsee prägt den neuen Fischbachauer Rekordhaushalt.

Fischbachau – Fischbachau beschließt einen Rekordhaushalt für das Jahr 2020 und baut trotzdem weiter Schulden ab.

„Wir sind wirklich gut unterwegs“, kommentierte Josef Lechner den Fischbachauer Haushalt 2020. Zum Abschluss seiner Amtszeit präsentierte der Bürgermeister zusammen mit Kämmerin Veronika Rauscher noch einmal einen Rekordetat. Schon im Vorjahr habe sie gedacht, mehr geht nicht. Ein Irrtum, wie Rauscher schmunzelnd feststellte: „Wir haben also gesagt: Machen wir den Haushalt heuer noch größer.“ Herausgekommen ist ein Zahlenwerk mit einem Gesamtvolumen von 34,2 Millionen, die sich auf 22,5 Millionen im Vermögens- und 11,7 Millionen im Verwaltungshaushalt aufteilen.

Der Etat bricht nicht nur sämtliche Rekorde, er soll auch den von Lechner immer wieder angekündigten Abbau der Schulden gewährleisten. Zwar werden die Verbindlichkeiten laut dem Finanzplan zum Jahresende noch 8,2 Millionen Euro – 5,1 Millionen weniger als Ende 2019 – betragen, doch davon sind 5,4 Millionen rentierliche Schulden, die sich also über Gebühren und Erträge selbst tragen und reduzieren. Rücklagen noch gegengerechnet, bleiben nur noch Schulden in Höhe von rund 500.000 Euro, wie Lechner erklärte. Erwirtschaftetes Geld möchte er lieber parken, als damit Kredite zurückzuzahlen, „für die wir praktisch keine Zinsen bezahlen“. Die globale Finanzlage macht es möglich. Außerdem werde die Gemeinde in den kommenden Jahren einiges an Geld benötigen, wie Lechner prophezeite. Zum Beispiel für den Hochwasserschutz, der voraussichtlich 2023 realisiert werden könnte.

Ob der Haushaltsplan aufgeht, hängt in erster Linie an einem Großprojekt: dem Baugebiet Wolfsee. Es ist sowohl auf der Einnahmen-, als auch auf der Ausgabenseite ein wesentlicher Posten. Gut ein Fünftel der Ausgaben im Vermögenshaushalt, 4,9 Millionen Euro, entfallen auf das Baugebiet. Soviel gibt die Gemeinde für die Erschließung inklusive Wolfseehalle aus. Und plant mit enormen Einnahmen. So soll der Verkauf der Grundstücke dort 10,1 Millionen einbringen, insgesamt sind es 12,5 Millionen, die aus Grundstücksverkäufen aufs Gemeindekonto fließen sollen. Das entspricht 55,5 Prozent der gesamten Einnahmen im Vermögenshaushalt. Damit seien die Verkäufe „unbedingt im Haushaltsjahr 2020 zu realisieren“, wie Rauscher klar machte.

„Sonst droht Zahlungsunfähigkeit“, warnte Andreas Auracher (CSU) sogar. Gleichzeitig betonte der Vize-Bürgermeister, dass „die Gemeinde vorbildlich aufgestellt ist“. Er attestierte eine „ganz gesunde betriebswirtschaftliche Ausrichtung“. Hätte die Gemeinde meistbietend verkauft, wäre sie sofort schuldenfrei gewesen. Doch das sei nicht das Ziel, verwies Auracher auf den Willen, Einheimische zum Zug kommen zu lassen. Für Bernhard Padeller (FaB) ist der Druck, die Grundstücke zu veräußern, ohnehin nicht ganz so groß. „Die Werte für die Gemeinde sind ja da“, sagte er. Zu Verzögerungen könne es immer kommen.

Eine Kreditaufnahme ist für dieses Jahr nicht vorgesehen, obwohl die Gemeinde noch einige teure Projekte im Investitionsprogramm stehen hat. So schlägt der neue Bauhof mit 2,4 Millionen Euro zu Buche, außerdem möchte die Gemeinde am Wolfsee selber ein Wohnhaus bauen und über mindestens 20 Jahre günstig vermieten. Grunderwerb und Erschließung schlagen dafür heuer mit 1,3 Millionen Euro zu Buche, für den Bau rechnet die Gemeinde mit 1,9 Millionen Euro im kommenden Jahr. Für die neue Rettungswache in Aurach werden heuer 1,2 Millionen Euro fällig. Rund 2 Millionen Euro investiert die Gemeinde in ihre Straßen, 1,2 Millionen sind im Bereich Tourismus eingeplant. Der Gemeinderat beschloss den Rekordhaushalt einstimmig. ft

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