Forstministerium bietet neue Fördermöglichkeit für Ernte und Pflanzungen

Der Wald soll bunter werden

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Der gelb markierte Ahorn soll künftig mehr Platz haben. Das haben Förster Robert Wiechmann (r.) und Waldbesitzer Josef Mang (2.v.r.) entschieden. Dafür müssen die Fichten ringsherum weichen, was Profis erledigen werden. Mit Rat und Tat zur Seite stehen dabei die Vorsitzenden der Waldbesitzervereinigungen, Michael Lechner (Holzkirchen, l.) und Johann Killer (Wolfratshausen).

Otterfing – Wenn Josef Mang seine drei Hektar Wald betritt, betritt der Landwirt ein Stück Familiengeschichte. Diese drei Hektar östlich von Otterfing sind schon seit Jahrzehnten im Besitz der Familie Mang. Der Holzertrag war stets gut gewesen. Bis zum Orkan „Wiebke“ 1990.

Sämtliche Bäume wurden damals umgeworfen. Wo einst vor allem mächtige Fichten standen, wuchs in den folgenden Jahren das Gras meterhoch. Mangs Großvater pflanzte dann, gemeinsam mit seinem Enkel, neue Bäume. Und damit dieser junge Wald, der zu einem großen Teil aus Fichten besteht, wieder zu einem Mischwald wird, nutzt Mang nun eine neue Förderung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Mang sagt: „Jetzt ist die Zeit, wo man was machen muss.“ Bei einem Pressegespräch in Mangs Wald erklärt Ully Schweizer, Abteilungsleiter Forst beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Miesbach, welche Vorhaben vom Ministerium unterstützt werden, um einen „standortgemäßen Wald“ mit Fichte, Tanne, Buche und Ahorn zu erhalten: Naturverjüngung und Pflanzung von klimatoleranten Misch- und Laubwäldern, Pflegemaßnahmen in Baum-Jungbeständen und die waldschonende Seilbahnbringung von Holz. Letztere war bislang nur im Bergwald gefördert worden. Wenn allerdings Wälder auf moorigen Böden stehen, können Arbeitsgeräte und -maschinen nur schwer oder gar nicht in den Wald gebracht werden. Und eben diese Neuerung bei den Förderrichtlinien hat Mang zur Entscheidung bewogen, seinen Wald zu durchforsten. Nicht weit vom Waldrand entfernt, steht in Mangs Holz ein Ahorn mit etwa 20 Zentimeter Durchmesser. Ein gelbes Plastikband markiert, dass dieser Laubbaum erhalten werden soll. Mehrere Fichten, die ringsherum stehen, sollen dafür weichen. Der Ahorn braucht Platz zum Wachsen. Die Fichten rundherum werden über eine Rückegasse, also eine Schneise, die in den Wald geschlagen wird, abtransportiert. Zusammen mit dem zuständigen Revierförster Robert Wiechmann hat Mang die Bäume schon gekennzeichnet, die noch dort stehen, wo später die etwa vier Meter breite Rückegasse verlaufen soll. Das sei die schonendste Art der Holzbringung, betont Wiechmann. Andernfalls würde man den Waldboden zu sehr in Mitleidenschaft ziehen. Und: Schon nach wenigen Jahren sei von der Rückegasse nichts mehr zu sehen. Dabei sind es nicht nur Fichten, die aus dem jungen Wald entnommen werden. Stehen zwei Laubbäume direkt nebeneinander und behindern sich gegenseitig im Wachstum, so muss der weniger schöne weichen. Das wird dann von Profis erledigt, die Mang über die Waldbesitzervereinigung (WBV) Holzkirchen engagiert. Innerhalb einer Woche seien die drei Hektar durchforstet, schätzt WBV-Vorsitzender Michael Lechner. Er zeigt sich erfreut, dass sich die Preise langsam erholen und das Holzgeschäft wieder lukrativer wird als in den vergangenen Jahren. Nach Orkan „Wiebke“ waren die Preise in den Keller gerast. Nun sei man etwa auf dem Niveau von davor. Dass nun auch die Seilbahnbringung gefördert wird, hält Lechner für einen Dienst an der Allgemeinheit, schließlich genieße jeder einen Spaziergang durch einen Mischwald, niemand wolle durch monotone Forste wandern. Die Steuermittel seien deshalb „bestens eingesetzt“. Zumal die Förderung mit etwa 400 Euro pro Hektar nicht allzu hoch liegt. Allerdings, erklärt Förster Wiechmann, gebe diese Förderung einen „Impuls und erleichtert die Entscheidung, Laubbäume zu pflanzen“. Landwirt Mang wird seinen Wald im Spätherbst durchforsten lassen und ihn in den kommenden Jahren weiter pflegen. Dereinst werden dann seine Nachkommen in diesen drei Hektar Wald stehen, Bäume markieren und fällen. Denn, wie Förster Wiechmann sagt: „Arbeit im Wald ist immer Generationenarbeit.“

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