Gegen das Verkehrschaos arbeiten

Landrat Jakob Kreidl, Bob-Chef Heino Seeger, TU-Professor Gebhard Wulfhorst (v.l.) referierten zum Thema Verkehrschaos im Landkreis Miesbach. Peter Friedrich Sieben moderierte den Abend. Foto: Oswald

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SELINA OSWALD, Weißach – „Wir müssen anfangen, auch wenn es lange dauert“, davon ist Bob-Chef Heino Seeger überzeugt. Denn die Verkehrssituation an Wochenenden und Ferien im Landkreis Miesbach halten die Bürger für nicht mehr zumutbar. Deshalb organisierten die CSU-Verbände des Tegernseer Tals eine Diskussionsveranstaltung im Hotel Bachmair Weißach, um zusammenzutragen, was Bürger, Politiker und Experten an Lösungen im Kopf haben, wie die Situation verbessert werden kann. Einer der Experten war Gebhard Wulfhorst von der Technischen Universität München. Der Professor leitet das Fachgebiet für Siedlungsstruktur und Verkehrs- planung in München. Um Mobilität und Erreichbarkeit ging es in seinem Vortrag, doch die 120 Zuhörer waren von den theoretischen Lösungsansätzen und internationalen Vergleichen wenig begeistert. „Können Sie nicht mal zum Thema kommen?“, tönte es aus dem Publikum. Den Kernpunkt erreichte zwar Wulfhorst nicht, doch Bob-Chef Seeger sprach den Anwesenden aus dem Herzen. „Wir müssen noch mehr machen aus dem was da ist und das möglichst zeitnah und finanzierbar.“ Eine Taktverdichtung mit zusätzlichen Triebwagen auf allen Zweigen der Bob und ein Elektrobetrieb wären laut Seeger die nachhaltigsten Lösungen. Doch seine Vision fürs Tegernseer Tal ist eine andere: eine Straßenbahn rund um den See. Von Tegernsee über Kaltenbrunn und Bad Wiessee nach Kreuth. Zwischen Tegernsee und Rottach-Egern „geht´s nicht, da ist es zu eng“, erklärte Seeger. Preiswert und naturverträglich wäre diese Lösung und „dann sitzen Sie hier alle in ihrem Mercedes und A6 und können dann endlich mal fahren, wenn das andere Volk in der Straßenbahn hockt“, sagte der Bob-Chef und erheiterte damit die Zuhörer. Eine „schöne Vision“ für Jakob Kreidl, denn auch der Landrat bleibt vom Verkehrschaos nicht verschont: „Ich habe meinen persönlichen Stresstest erlebt, als ich vom Neujahrs- empfang in Kreuth heim nach Fischbachau fahren wollte. Normalerweise brauche ich dazu 50 Minuten. Am Sonntag waren es zweieinhalb Stunden.“ Moderne Verkehrsleitsysteme und eine intelligente Ampelsteuerung „müssten doch im Zeitalter der Hochtechnologie möglich sein“, sagte Kreidl. Ebenso hält er Kreisverkehre an der Kreuzstraße und in Seeglas für sinnvoll. Eine Optimallösung hatte keiner der Referenten parat, auch die Vorschläge in der anschließenden Diskussion klangen plausibel, scheitern jedoch an der Umsetzung. Etwa solle es wieder mehr Schifffahrt geben, ein riesiger Zentralparkplatz an der Kreuzstraße solle die Besucher mit Bussen ins Tal transportieren und auf dem Hof der neuen Realschule sollten am Wochenende zusätzlich Autos parken können. Sogar die alte Mautstelle in Kreuth solle wieder eröffnet werden. Gmunds Bürgermeister Georg von Preysing will für die nahe Zukunft aber erst mal eins: Einigkeit der Talgemeinden und des Landratsamts. „Die Krise ist jetzt vielleicht groß genug, dass man sich zusammenrauft“, sagte der TU-Professor. Dem stimmten auch alle Anwesenden zu.

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