Es geht um Zentimeter

Spannende Wettkämpfe bei der Heißluftschiff-WM im Tegernseer Tal

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Ganz schön was los unterm Wallberg. Nach der offiziellen Eröffnung der Heißluftschiff-WM erhoben sich am Startplatz an der Naturkäserei gleich einige der Giganten in die Lüfte, begleitet von Klängen der Tegernseer Alphornbläser.

Bad Wiessee/Tegernseer Tal – Erst die Deutsche Meisterschaft 2015, 2016 schon die Europameisterschaft, 2017 ein Trainingscamp. Und wieder nur ein Jahr später schon die WM. Wer derzeit etwas Abwechslung von Olympia und ganz andere Wettkämpfe sehen möchte, kommt im Tegernseer Tal auf seine Kosten. Neun Piloten aus fünf Nationen kämpfen um den Titel bei der 10. Weltmeisterschaft der Heißluftschiffe. Sie dauert noch bis kommenden Donnerstag.

Zahlreiche auch überregionale Medien, Kamerateams, Flaggen und sowohl Begrüßung als auch Moderation auf Englisch – der Rahmen bei der offiziellen Eröffnungsfeier am Donnerstag im Wiesseer Gasthof zur Post war genauso außergewöhnlich wie der Anblick von neun großen Aerostaten über dem Tegernsee. In den kommenden Tagen allerdings werden sie häufiger zu sehen sein – sofern das Wetter mitspielt. Denn die 41 Meter langen Heißluftschiffe haben zwar einen Motorantrieb, sind aufgrund ihrer Dimensionen aber auch äußerst windanfällig. Regen und Schnee machen Starts ebenfalls unmöglich. Doch es sind ja einige Tage Zeit, die WM durchzuziehen. Mindestens zwei Wettfahrten mit je drei Aufgaben sind nötig, je mehr es werden desto besser. Dann spielt das Glück eine geringere Rolle, wie Organisator und Wettbewerbsleiter Helmut Seitz erklärt. Die Piloten müssen ihre Heißluftschiffe präzise um Wendepunkte lenken oder über Zielpunkte manövrieren. Auf diese lassen die Piloten kleine Marker, farbige Sandsäcke, fallen. Wer näher dran ist, gewinnt. „Da geht‘s um Zentimeter“, macht Seitz klar. Eine kleine Böe kann sich groß auswirken, was sich bei mehr Wettfahrten und Aufgaben dann wiederum relativiert. Aber bei den Piloten ist nicht nur Geschicklichkeit gefragt. Auch um Geschwindigkeit wird es gehen, eine Vielzahl an Aufgaben und Rennen ist denkbar. Was zu bewältigen ist, erfahren die Piloten beim morgendlichen Briefing. Wettfahrten sind dann für jeweils 9 und 15 Uhr vorgesehen.

ähe stattfinden und die Heißluftschiffe dabei auch das Tegernseer Tal nicht verlassen, dürfen sich Zuschauer auf tolle Bilder und spektakuläre Szenen freuen. Zum ersten Mal findet die Weltmeisterschaft in Deutschland statt, acht Jahre nachdem der Schweizer Jaques-Antoine Besnard den Titel in Frankreich gewann. Die Freude, dass die FAI (Féderation Aeronautic Internaional) ihre Meisterschaft am Tegernsee austrägt, sorgt auch im Tal für Begeisterung. So zeigte sich Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn als Vertreter der Gemeinden stolz, über die „besondere Veranstaltung“. Mit den Bergen und dem See, sagte er bei der Eröffnungsfeier, biete das Tal in Kombination mit den Luftschiffen einen „Rahmen, der in Deutschland und Europa einzigartig ist“. Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH, freut sich auf den „sportlichen Wettkampf“ ebenso wie auf „die tollen Bilder“, die sich dabei ergeben. Er ist „sehr stolz“, dass das Tegernseer Tal die Gastgeber-Region sein darf. Zu verdanken ist das aber nicht nur der Attraktivität der Gegend, sondern auch dem Mikroklima mit relativ ruhigen Winden im Winter. Als „fantastic area“ lobte Jury-Mitglied Jean-Claude Weber (FAI) das Tal. Die Piloten werden es nicht nur aus der Luft kennenlernen, für sie stehen auch gemeinsame Abende und Unternehmungen auf dem Programm. Neben dem sportlichen Wettstreit geht‘s den Verantwortlichen auch darum, die Piloten zusammenzubringen und die Gemeinschaft zu stärken. Sie sind Profis, die das gesamte Jahr für ihre Sponsoren unterwegs sind. Privat wäre ein Luftschiff kaum zu finanzieren, es kostet mit allem drum und dran knapp 300.000 Euro. Rund 60 Piloten gibt es weltweit, neun kämpfen nun um den WM-Titel. Ein Team besteht jeweils aus vier Mitgliedern, während der Pilot beim Briefing sitzt, trifft die Crew alle Vorbereitungen. Etwa eine Stunde dauert es, bis die Hülle gefüllt ist und das 41 Meter lange Luftschiff abheben kann. Dann ist nur noch hin und wieder der Brenner, der wie bei einem Heißluftballon den Auftrieb regelt, sowie der Motor durch ein Surren zu hören.

Wer das hautnah erleben möchte, hat dazu noch bis Donnerstag im Tegernseer Tal Gelegenheit, wenn die Giganten um den WM-Titel fliegen. Wer nicht nur zuschauen möchte, hat sogar Gelegenheit, in einem Luftschiff eine Runde zu drehen. Tickets (140 Euro) gibt‘s in allen Tourist-Infos, alle Infos zur WM gibt's hier.

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