Superdauerbrenner entlasten

Linksabbiegespur soll die B318 in Warngau sicherer machen

Linksabbiegespur bei Großpienzenau
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Ähnlich wie bei Großpienzenau soll die Linksabbiegespur am Abzweig auf der B318 in Warngau gebaut werden.

Warngau – Als Unfallschwerpunkt gilt die B318 zwischen Reitham und Oberwarngau am Abzweig in Richtung Piesenkam. Eine Linksabbiegespur soll das Problem nun lösen.

Acht schwere und neun Unfälle mit Leichtverletzten, 15 sogenannte Kleinunfälle sowie unzählige Schrecksituationen – so lautet die Bilanz der Unfallkommission des Landkreises Miesbach für die vergangenen fünf Jahre auf der Bundesstraße B318 in Warngau. Die Kommission sowie das Staatliche Bauamt Rosenheim sehen vor allem an den Einmündungen nach Piesenkam und zum Flugplatz schwere Unfallhäufungspunkte. Eine Linksabbiegespur sowie die Schließung einer Gemeindestraße sollen den Unfallschwerpunkt südlich von Oberwarngau beruhigen. Ein Vorhaben, das bei der Präsentation im Warngauer Gemeinderat für Diskussionen sorgte.

Peter Schiffmann, Vorsitzender der Unfallkommission des Landkreises, sprach von einem Superdauerbrenner in der jüngsten Sitzung des Gremiums. Gemeint ist damit die Strecke von Warngau bis zur Reithamer Kurve. Auf diesem Straßenabschnitt komme es nur aufgrund geringen Sicherheitsabstands bereits zu 13 Auffahrunfällen jährlich. Vor allem durch den Rückstau beim Abbiegen in Richtung Piesenkam würde regelmäßig die Fahrbahn blockiert.

Waghalsige Ausweichaktionen an B318

„Da kommt es nicht nur zu Auffahrunfällen, sondern auch zu Unfällen beim Überholen im Gegenverkehr und waghalsigen Ausweichaktionen im Feld auf der rechten Seite“, bestätigte Ernst Größwang, seit 40 Jahren Polizist in Holzkirchen und Verkehrsexperte.

Nach einigen Überlegungen in der Kommission sei man zu dem Entschluss gekommen, dass lediglich die Reduzierung von Einmündungen und der Ausbau der übrig gebliebenen laut Schiffmann die einzig wahre Lösung sei. Die Kommission gab ihre Empfehlung ans Straßenbauamt Rosenheim weiter, das den Gemeinderäten um Bürgermeister Klaus Thurnhuber die ersten Pläne vorstellte.

Baurat Alexander Eisner stellt Pläne an B318 vor

Thurnhuber selbst musste die Leitung des Tagesordnungspunktes an seinen Stellvertreter Leonhard Obermüller (CSU) abgeben. Der Bürgermeister ist als einer der beiden Eigentümer der benötigten landwirtschaftlichen Grundstücksflächen für den Ausbau persönlich betroffen und nahm somit auch nicht an der Abstimmung teil.

Der neue Abteilungsleiter für das Gebiet Landkreis Miesbach beim Straßenbauamt, Baurat Alexander Eisner, erklärte dem Gremium das Vorhaben:

  • So soll die Gemeindestraße in Richtung Flugplatz mit einer Schutzplanke für den Straßenverkehr komplett geschlossen und auf lange Sicht zurückgebaut werden.
  • An der Einmündung zur Gemeindestraße, die in Richtung Piesenkam führt, wird die Bundesstraße auf der linken Seite verbreitert und eine 20 Meter lange sowie 3,25 Meter breite Linksabbiegespur eingezogen. „Das ist eine ausreichend große Aufstellfläche und die Autofahrer können in aller Ruhe abbiegen, ohne irgendwelche Harakiri-Aktionen fahren zu müssen“, betonte Eisner die Vorteile dieser Lösung.
  • Um Unfälle beim Einbiegen der Autos von beiden Seiten zu vermeiden, werde ein sogenannter Tropfen zu Beginn der Straße eingesetzt, der die Ein- und Ausfahrt voneinander trennt. Dass diese Änderung sehr große positive Wirkung habe, erklärte Schiffmann anhand des Beispiels einer ähnlichen Lösung in Großpienzenau.

Um die Baumaßnahmen durchführen zu können, muss der Bund etwa 700 Quadratmeter landwirtschaftlichen Privatgrunds erwerben. Sollte die Bauerlaubnis der beiden Grundbesitzer sowie die fertige Planung vorliegen, könnten sogar noch in diesem Jahr die Ausschreibungen sowie erste Baumaßnahmen in der zweiten Jahreshälfte folgen, erklärte der Baurat.

Gemeindestraße muss verbreitert werden

Max Bauer (FWG) sowie Peter Huber (CSU) sprachen sich deutlich für die beiden Baumaßnahmen aus. Jedoch waren nicht alle Gemeinderäte gänzlich von der Planung überzeugt. So brachte Harald Stanke (FWG) seine Bedenken bezüglich des Zustands der Gemeindestraße ein. Diese müsste, das bestätigten auch Eisner und Schiffmann, auf Dauer verbreitert und ausgebessert werden: „Das muss dann die Gemeinde im Nachhinein bezahlen.“

Dieser Aspekt stieß einigen im Gremium sauer auf. Doch Schiffmann mahnte an, dass die Gemeinde „eigentlich ja jetzt schon gefordert wäre, die Fahrbahn zu verbreitern“. Dies wäre im Windschatten der Ausschreibung mit der gleichen Baufirma im Zuge des Ausbaus möglich.

Kritik an Schließung der Straße Richtung Flugplatz

Adolf Schwarzer (CSU) sprach von einem Trichter, der noch mehr Verkehr auf das schmale Straßerl führen würde. Doch eine Übernahme der Kosten durch den Bund sei absolut nicht möglich, erklärte Eisner. Um die Gemüter zu beruhigen, versprach er jedoch, die Kosten für den vollständigen Ausbau der Gemeindestraße im Bauamt berechnen zu lassen. Der Bund trüge indes die zirka 200.000 Euro für die Linksabbiegespur sowie 500.000 Euro für die sowieso notwendige Deckenerneuerung und Sanierung der B318.

Überhaupt nicht einverstanden war Engelfried Beilhack (CSU) mit der Schließung der Straße in Richtung Flugplatz: „Das gleicht einem Schildbürgerstreich.“ Er befürchtet durch die Umleitung der Autos eine zu hohe Verkehrsbelastung in der einbahnigen Guffertstraße.

Namentliche Abstimmung im Gemeinderat

Für eine Verlängerung der Geschwindigkeitsbegrenzung und des Überholverbots ab der Tankstelle Schwarzer in Reitham Richtung Warngau sprach sich Reinhard Bücher (Grüne) aus. Aber sowohl Verkehrsschilder als auch Geschwindigkeitsbegrenzungen würden auf dieser Strecke nicht die nötige Wirkung zeigen, erklärte Verkehrsexperte Schiffmann.

Nach dem Antrag Büchners auf namentliche Abstimmung, gab der Gemeinderat seine Stimmen für den Beschlussvorschlag ab. Büchner, Beilhack und Winfried Dresel (Grüne) sprachen sich gegen das Bauvorhaben aus, ihre 13 Kollegen im Gremium dafür. Der Zweite Bürgermeister Leonhard Obermüller ließ ins Protokoll die gesonderte Beschlussfassung über den Gemeindestraßenausbau aufnehmen. sb

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