Gemeinderat stimmt mehrheitlich gegen Erhalt der Volkshochschule

Aus für Waakirchner vhs

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Hannelore Stuber hat die Volkshochschule Waakirchen maßgeblich geprägt.

Waakirchen – Einen Fortbestand der Waakirchner Volkshochschule (vhs) wird es nicht geben. Die seit 54 Jahren existierende Bildungseinrichtung soll ihr Ende finden. Mit überwiegender Mehrheit hat so der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung entschieden.

Bürgermeister Sepp Hartl, der sich für den Erhalt der kleinen vhs mächtig ins Zeug legte, wurde bei der Abstimmung nur von Günther Schmöller (FWG) und Georg Rausch (CSU) unterstützt.

Das Angebot der Waakirchner Volkshochschule erstreckt sich von Sprachkursen über Gesundheits- und Wellnessprogrammen bis hin zu Musikunterricht, Theaterfahrten und Studienreisen. Hannelore Stuber, seit über 30 Jahren für die vhs wirkend, davon die letzten 25 Jahre als Geschäftsleiterin, steht kurz vor ihrem Abschied in den Ruhestand. Die 65-Jährige geht Ende Juni offiziell in Rente, wird aber urlaubsbedingt nur noch bis Mai tätig sein. Stuber hatte bereits eine Nachfolgerin empfohlen, die ab Februar von ihr eingearbeitet worden wäre. Bis April hätte die neue Kraft auf Minijob-Basis beschäftigt werden sollen, um dann 20 Stunden pro Woche zu arbeiten. Eine neue Leiterin zu engagieren und die vhs fortzuführen – dafür gab es am Sitzungsabend gerade mal drei Stimmen. Stattdessen nahm das Gros des Ratsgremiums Stubers Ausscheiden zum Anlass, sich gegen den Fortbestand der Bildungseinrichtung auszusprechen. „Wir hatten eine wunderschöne lange Zeit mit der vhs“, sagte Gisela Hölscher (FWG) und plädierte für ein „sanftes Ende“. Die Musikschule Tegernseer Tal könnte den Musikunterricht für Kinder übernehmen. Dieser wäre sogar in den Waakirchner Räumen möglich, lediglich ein Gastschulbeitrag würde dafür anfallen. „Verschwindend gering“ sei laut Hölscher das sprachliche Unterrichtsangebot für Erwachsene. Fraktionskollege Günther Jeske bestätigte das. Weil in Waakirchen nur Englischunterricht für Anfänger angeboten werde, besuche er selbst einen Kurs in Bad Tölz. „Das Programm ist wirklich mehr als mager“, urteilte Gwenny Kalch. Zumal für die weitere Finanzierung jährliche Kosten in Höhe von 40.000 Euro im Raum stünden, „bin ich der Meinung, dass wir die vhs beerdigen sollten“, sagte die SPD-Rätin.

Bei einer Auflösung gebe es auch keine Theaterfahrten mehr, machte Rathauschef Sepp Hartl deutlich. „Klar, wir sind eine kleine Volkshochschule mit Erwachsenenbildung“, räumte der Bürgermeister ein, zeigte aber gleichzeitig auf, dass 2016 immerhin 128 Veranstaltungen stattgefunden hätten. Die Kurse und Reisevorträge würden sehr gut laufen, attestierte Hartl und sprach sich mit Nachdruck für den Erhalt der vhs aus.

In diese zu investieren, rentiere sich einfach nicht mehr, war stattdessen Balthasar Brandhofer (ABV) der Meinung. Seine Devise: „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.“

Wie schon seit langem im Gespräch, sollen die Volkshochschulen bis 2020 einen Verbund bilden. Wenn nun Waakirchen ihre vhs mit einer Übergangslösung erhalten würde, wäre später der Einfluss im besagten Verbund viel größer, gab Rausch zu bedenken. Für die Einrichtung eines Büros – Hannelore Stuber arbeitete von zu Hause aus – lasse sich, so Rausch weiter, bestimmt eine günstige Lösung finden. Hartl hob hervor, dass sich die neue Geschäftsführerin bei der Gründung des Verbundes auch keine Sorgen um ihren Posten machen müsse, denn: „Die Angestellten werden übernommen.“ Obwohl der Waakirchner Bürgermeister nichts unversucht ließ, vom Fortbestand der vhs zu überzeugen, entschied sich die große Mehrheit der Gemeinderäte dagegen.

Damit hätte sie niemals gerechnet, sagte Vereinsvorsitzende und Bürgermeistergattin Silvia Hartl. Zutiefst enttäuscht über die vom Ratsgremium getroffene Entscheidung, ließ sie auf Nachfrage schon mal verlauten, dass der vhs-Verein wohl aufgelöst werden müsse. „Es macht keinen Sinn, wenn er weiterhin besteht“, sagte die Vorsitzende.

„Es ist traurig“, meinte Hannelore Stuber einige Tage nachdem der Gemeinderatsbeschluss gefallen war. Die vhs sei sehr gut gelaufen und stehe auch finanziell gut da, erklärte die Leiterin gegenüber dem Gelben Blatt. Auf die vielen Jahre, ja Jahrzehnte zurückblickend, kam Stuber zu folgendem Ergebnis: „Ich denke, wir haben Großes geschaffen.“

rei

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