Geplanter BOB-Halt in Finsterwald sorgt für Unmut bei Anwohnern

Skepsis und Ärger

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Standen zur geplanten Haltestelle in Finsterwald Rede und Antwort (v.l.): Gunnar Bernstein und Heino Seeger (Tegernsee-Bahn), Karl Grundler (Landratsamt), Stefan Ambrosi (Schulleiter), Bürgermeister Georg von Preysing, Georg Kleeberg (Landratsamt) und Georg Glas (Gemeinde Gmund).

Gmund – Geht es um die geplante BOB-Haltestelle an der neuen Realschule in Finsterwald, machen sich bei den Bewohnern der angrenzenden Bernöckersiedlung Skepsis, Zweifel und Unmut breit.

Auch eine Informations-Veranstaltung am vergangenen Donnerstag im Gmunder Neureuthersaal - eingeladen hatte dazu die Gemeinde - vermochte nicht, die besorgten Gemüter zu beruhigen. Im Gegenteil: Die Stimmung war aufgeheizt, es gab immer wieder Zwischenrufe und jede Menge Widerworte. Gegen Ende der Veranstaltung wich jedoch die Wut und machte einer Resignation Platz. Dass sich die Anwohner in punkto Bahnhalt schlecht informiert fühlen, hatten sie bereits im Vorfeld in einer Unterschriftenaktion zum Ausdruck gebracht. Am Info-Abend sollten nun im Dialog offene Fragen geklärt werden. Auf die drängendste Frage, ob es denn schon sicher sei, dass der neue Halt kommt, antwortete Bürgermeister Georg von Preysing: „Sicher ist es erst, wenn alles geprüft ist.“ Die Prüfung erfolge im Zuge eines Planfeststellungsverfahrens, genauere Details gebe es noch nicht. „Warum ist dann der Haltepunkt schon in den Fahrplänen der Bahn eingetragen?“, wollte eine Anwohnerin wissen. Heino Seeger, Geschäftsführer der Tegernsee-Bahn, erklärte, dass es sich hierbei um eine reine Vorsichtsmaßnahme handle. Zumal die Programmierung der neuen Fahrpläne sehr teuer sei, habe man die Eintragung schon mal vorsorglich vorgenommen. Wo der Bahnsteig hinkommt, wenn der Halt errichtet werden sollte, sei noch nicht ganz klar. Laut Seeger stehe nur fest, dass er eine Länge von 120 Metern haben müsse. Ein Planungsbüro werde das Ganze „auszirkeln“. Dass in Finsterwald nicht nur eine Bedarfshaltestelle, sondern ein fester Haltepunkt entstehen soll - „zu diesem Ergebnis sind alle Verantwortlichen bei einer Begehung im November letzten Jahres gekommen“, informierte von Preysing. Etwa 120.000 Euro soll dieser Bahnhalt kosten. Bezahlt wird er von der Tegernsee-Bahn und aus Zuschüssen der Regierung von Oberbayern. Die Einrichtung des Halts begründete der Gmunder Bürgermeister mit mehr Schulwegsicherheit. Wie viele Schüler denn überhaupt in Finsterwald aus- und einsteigen würden, dazu konnte Georg Kleeberg, beim Landratsamt zuständig für die Schülerbeförderung, den fragenden Anwohnern nur vorläufige Zahlen liefern. Laut einer Elternbefragung wären es aktuell 100 von insgesamt 460 Schülern. Später, bei einer Schülerzahl von 550, rechne man mit 150 Schülern, die mit der Bahn kommen und die neue Haltestelle nutzen. Eine Mutter machte sich Sorgen, dass durch den BOB-Halt fremde Personen auf dem Schulgelände unterwegs sein könnten. Stefan Ambrosi, Rektor der Realschule gab Entwarnung: „Der Weg eines Bahnreisenden führt nicht über das Schulgelände. Dieses muss vom Bahngelände getrennt sein.“ Deshalb werde es Zäune um die Realschule geben. Den Anwohnern brennt nicht minder auf den Fingern die Parkplatzsituation. Damit der Schulparkplatz nicht zum Pendlerbahnhof wird, soll er, wie von Preysing kundtat, durch eine Schranke geschützt werden. Wo Pendler künftig parken könnten, soll ebenfalls das bereits erwähnte Planfeststellungsverfahren zeigen. Stellt sich heraus, dass für das Verfahren die Anforderungen nicht erfüllt werden können, „dann wird der Bahnhalt nicht gebaut“, erklärte der Gmunder Rathauschef. Von den Siedlungsbewohnern ebenfalls aufs Tablett gebracht wurde das Thema Lärm. „Der Zug hält bis zu 40 Mal am Tag. Das finde ich unzumutbar“, empörte sich eine Betroffene. Schon jetzt könne man sich im eigenen Garten nicht mehr unterhalten, wenn der Zug vorbeifährt. Zu den Befürchtungen, dass durch das An- und Abfahren künftig mehr Lärm entstehe, klärte Seeger auf: „Die Geräuschimmission wird nicht höher sein, als bei einem durchfahrenden Zug.“ Außerdem könne die Notwendigkeit einer Lärmschutzwand geprüft werden. Auch über die Beleuchtung wurde am Info-Abend heftig diskutiert. Ein Anwohner beschwerte sich, weil schon jetzt die Lampen am Parkplatz der neuen Schule auch nachts brennen und die benachbarten Häuser anleuchten. Eigentlich sollten die Lampen um 22.15 Uhr abgeschaltet werden, sagte Karl Grundler vom Landratsamt. Zuständig sei dafür die Firma SKE, merkte von Preysing an. Seeger gab zu bedenken, dass die Beleuchtung aus Sicherheitsgründen solange gegeben sein müsse, bis die letzte BOB um etwa ein Uhr nachts durchgefahren sei. Man könne aber ab einer bestimmten Uhrzeit „die Lichtleistung auf 50 Prozent herunterschalten und den Lichtkegel so einstellen, dass nur der Bahnsteig und das Gleis beleuchtet werden“. Obwohl von Preysing am Ende der Veranstaltung zum wiederholten Mal versicherte, dass sämtliche Bedenken der Anlieger in die Prüfungen einfließen würden, fühlten sich die Bürger nicht ausreichend informiert, unverstanden und nicht ernstgenommen.     rei

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