Geplanter Seeuferweg sorgt für Kontroversen

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DIETER HEIN, Tegernsee – Wenn schon, dann komplett und nachhaltig. In der jüngsten Zusammenkunft des Tegernseer Stadtrates machte dieser mit großer Mehrheit den Weg für ein weiteres Teilstück des Seeuferweges zwischen Macke-Anlage und der Länd frei. Obwohl die Gegner des Weges scharfe Munition geladen hatten. Ihre Argumente: Das Vorhaben komme übereilt, schade dem Einzelhandel in Tegernsee wie in der Hauptstraße und stehe den Plänen des Herzoglichen Brauhauses, Eigentümer des Hotels Guggemos, im Weg. Dem Beschluss vorausgegangen war eine lange und teils kontrovers geführte Debatte, die darin gipfelte, dass Max Stühler (FWG) seinen Rücktritt erklärte, für den Fall, dass der Bau des Seeuferweges an diesem Tag beschlossen werde. Er warf Bürgermeister Peter Janssen vor „mit Salamitaktik sein Prestigeobjekt durchpeitschen zu wollen“. Von Martina Niggl-Fisser (FWG) wie auch von Anton Staudacher (CSU) musste sich Stühler allerdings auch anhören, dass es mit seinem Demokratieverständnis nicht weit her sei: „Da fehlt’s weit. So ein Verhalten ist nicht akzeptabel.“ Er sei schließlich gewählter Repräsentant und könne nicht einfach so, weil ihm eine Abstimmung nicht passe, dem Gemeindegremium den Rücken kehren. Vor diesem Vorfall hatte Bürgermeister Janssen jedoch Schritt für Schritt die Entwicklung, von der ersten Erwähnung dieses Abschnitts des Seeuferweges aus dem Jahr 1981, bis zu den jüngsten Entscheidungen des Gemeinderates, dem Gremium sowie den vielen Zuschauern im Raum noch einmal in Erinnerung gerufen. Damals habe auch der heutige Gegner dieses Abschnittes, Kurt Rößle, sein Einverständnis für den Bau des Seeuferweges auf Staatsgrund gegeben, zitierte Bürgermeister Janssen. Auch die mittlerweile durch den Bau des Seeuferweges vielfach strapazierte Bayerische Verfassung fand Erwähnung, wonach Privatinteressen dem Allgemeinwohl hinten anstehen müssten. „Der Seeuferweg erfüllt viele Punkte unserer Leitsätze und steht gleichwohl für sanften Tourismus“, kam Janssen zum Schluss seines Rückblicks. Im Laufe des Sitzungstages sei zudem noch die Zustimmung der Bayern-Versicherung gekommen, den Weg über deren Grundstück laufen zu lassen. Die geplante Wegführung war es denn auch, welche die Ratsmitglieder spaltete. Vorgelegt hatte Janssen eine Planung, bei der der Weg als rund 200 Meter langer Steg auf den See eingezeichnet war. 400 Quadratmeter Steg auf dem Wasser waren für Andreas Obermüller (FWG) dann doch zu viel: „Das ist nicht mehr verfassungskonform.“ Auch Peter Hollerauer (FWG) mahnte eine Verkürzung des Seeweges und damit ein früheres Anlanden an. „Ich kann mir ein Anlanden am Guggemos gut vorstellen“, so das Ratsmitglied. Und auch seine Fraktionskollegin Niggl-Fisser stieß in dasselbe Horn. Janssen wiederum gab zu bedenken, dass das Herzogliche Brauhaus, die Seeuferpläne strikt ablehne, da sie deren Interessen durchkreuzen würden. Das Brauhaus möchte das Hotel Guggemos abreißen und mit einem Investor ein neues Konzept erarbeiten. Eine vom Brauhaus in Auftrag gegebene Studie einer privaten Hotel- und Gaststättenberatungsfirma kommt dabei zum gleichen Schluss, wie auch eine Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK), die im Auftrag der Steg-Gegner erarbeitet wurde. Beide fürchten Nachteile und fordern ein nachhaltiges Gesamtkonzept für Seeuferweg und Hauptstraße. Dies wiederum spielte dem Bürgermeister in die Hände, da er ohnehin beides so zeitnah wie möglich realisiert wissen möchte. In einem weiteren Tagesordnungspunkt stand genau dieser Punkt ebenfalls zur Debatte. Zum Schluss brachte Janssen noch einen weiteren Pluspunkt für den jetzigen Zeitpunkt aufs Tablett: Durch die staatlichen Konjunkturprogramme könne die Stadt mit einem Zuschuss von rund 250000 Euro rechnen, zudem ermögliche der Haushalt eine Finanzierung ohne Kredit. Am Ende wurde der Bürgermeister gegen die Stimmen von Christel Laprell (CSU), Andreas Obermüller, Toni Lengmüller, Andrea Köstler, Peter Hollerauer und Max Stühler (alle FWG) beauftragt, die wasserrechtliche Genehmigung beim Landratsamt einzuholen. Weiter soll er aktiv das Gespräch mit den Anliegern suchen, um damit eine kürzere Wegeführung übers Wasser zu erreichen sowie die mögliche Schaffung von Verbindungswegen zur Hauptstraße. Bei einem Einlenken der Anlieger will der Stadtrat die Wegeführung umplanen.

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