Krankheit greifbar gemacht

Gmund: Demenz-Infotag der Diakonie stößt auf reges Interesse / Wiederholung 2020

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Beim Infotag waren auch die Seniorenbeauftragten des Landkreises Miesbach und der Talgemeinden vertreten (v.l.): Martina Ettstaller (Gmund), Agnes Hiller (Tegernsee), Marile Tipolt (Rottach-Egern) und Christine Dietl (Landratsamt Miesbach).

Gmund – „Mittendrin und trotzdem nicht dabei?“ – unter diesem Motto stand ein Aktionstag im Gmunder Neureuthersaal, den der Diakonieverein Tegernseer Tal im Rahmen der ersten bayerischen Demenzwoche veranstaltete. Dabei erwartete die Besucher ein breit gefächertes Angebot mit Infoständen und vielfältigen Fachvorträgen.

Unbestritten gilt Demenz als eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft. Allein in Deutschland geht man davon aus, dass sich bis zum Jahr 2030 die Zahl der Erkrankten auf 2,15 Millionen Menschen erhöhen wird. Zumal das Krankheitssyndrom nicht nur die Lebensbereiche der Betroffenen selbst, sondern auch die der Angehörigen verändert, gilt es, mit der Situation bestmöglich umzugehen. Am vergangenen Samstag nutzten nun viele Interessierte die Gelegenheit, sich Rat bei verschiedenen Ansprechpartnern zu holen. „Unter den Gästen waren auch Demenzerkrankte, um die sich unser Betreuerteam kümmerte, währenddessen den Angehörigen Zeit für Vorträge und Gespräche blieb“, erklärt Monika Klöcker, Verwaltungsleiterin des Diakonievereins Tegernseer Tal. Auch bei den anwesenden Fachleuten habe der Infotag samt umfassendem Austausch großen Anklang gefunden, zieht die Organisatorin der Veranstaltung zufrieden Bilanz.

Wie sich verschiedene Alltagssituationen für Demenzerkrankte darstellen, konnten Besucher an sogenannten Hands-on-Dementia-Stationen ergreifen, erfühlen und entdecken. „Dadurch wurde anschaulich vermittelt, wie schwer es ist, Alltagstätigkeiten mit kognitiven und motorischen Einschränkungen zu verrichten“, erläutert Klöcker und merkt an, dass der besagte Aufgabenparcours „dem besseren Verständnis für eine Demenzerkrankung dient“. Betroffenen mit Ungeduld und Druck zu begegnen, sei der falsche Weg, weil sich dadurch die Symptome verstärken. Wichtiger sei es, die Erkrankten mit ihrer, ein Stück weit auf die Seite geschobenen Wahrnehmung im Alltag einzubinden.

Dass nicht jede Verhaltensänderung automatisch einer Demenzerkrankung zugrunde liegt, sondern möglicherweise von einer Depression verursacht werden könnte – auch darum ging es beim Infotag, der übrigens im nächsten Jahr in die zweite Runde gehen soll. Klöcker: „Die Informationsveranstaltung war eine gute Initialzündung für ein weiteres gemeinsames Wirken der Akteure.“ Für 2020 ebenfalls ins Auge gefasst sei eine starke Zusammenarbeit der Anbieter im Bereich Altenhilfe und Demenzbetreuung im Tegernseer Tal sowie im gesamten Landkreis Miesbach, lässt die Diakonie-Verwaltungsleiterin wissen und hebt hervor: „Geplant ist ein erstes Treffen Anfang des Jahres, um weitere abgestimmte Aktivitäten und Aktionen zu besprechen. Ein möglicher Schwerpunkt könnten Gesprächsgruppen für pflegende Angehörige sein.“ rei

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