Ex-Landrat mit Ambitionen

Rzehak möchte für Landesvorsitz der bayerischen Grünen kandidieren

Bei der Kommunalwahl unterlag Wolfgang Rzehak. Nun strebt der Ex-Landrat einen Posten im Grünen-Landesvorstand an.
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Bei der Kommunalwahl unterlag Wolfgang Rzehak. Nun strebt der Ex-Landrat einen Posten im Grünen-Landesvorstand an.

Gmund/Landkreis – Nach seiner Niederlage bei der diesjährigen Landratswahl gegen Olaf von Löwis (CSU) denkt Wolfgang Rzehak noch lange nicht ans Ende einer politischen Karriere.

Wir erreichen den 52-Jährigen daheim in Gmund, wo er momentan die meiste Zeit zusammen mit seiner Familie verbringt, und haben den Kreisrat rund um seine aktuellen Absichten befragt, für den Landesvorsitz der bayerischen Grünen zu kandidieren.

Herr Rzehak, Sie waren nicht glücklich, dass sie im März als Landrat abgewählt wurden, empfanden es aber auch nicht als Weltuntergang. Wie geht es Ihnen heute damit?
Rzehak: „Für keinen ist es einfach, wenn er abgewählt wird. Andererseits war die Möglichkeit sehr groß, das war mir von Anfang an klar. Es ist ein sehr konservativer Landkreis und es war damals ein kleines Weltwunder, dass ein Grüner im schwarzen Oberland Landrat wird. Die CSU hat nun alles versucht, sowohl monetär als auch strategisch, diese Wahl zu gewinnen, das haben sie geschafft. Das ist nicht schön, aber wie schon gesagt, ist es kein Weltuntergang.“ 

Was hat Sie dazu bewogen, sich als neuer Landesvorsitzender der Grünen ins Spiel zu bringen?
Rzehak: „Da Eike Hallitzky nicht mehr kandidiert, stellt sich die Frage, wer den Landesverband künftig führen wird zusammen mit Eva Lettenbauer. Die Wahl wird entweder Ende dieses Jahres oder Anfang Januar stattfinden. Mich bewogen hat, dass ich meiner Meinung nach geeignet wäre, Brücken rein ins bürgerliche Lager zu bauen. Ich habe bewiesen, dass ich Landrat kann, dass ich auch Regierung kann, dass ich Exekutive kann. Bei der Bundestagswahl und auch der kommenden Landtagswahl werden die Grünen, wie es ausschaut, eine sehr große Rolle spielen als Gegenspieler der CSU, nicht die Freien Wähler oder die SPD. Ich bin seit 1986 bei den Grünen dabei und seit 1996 im Kreistag, war lange Gemeinderat und dann eben Landrat. Und diese Erfahrungen würde ich einbringen, um unsere grünen Positionen durchzusetzen, gerade auch, wenn es eine Regierungsverantwortung geben würde. Hier dürfen wir uns nicht unterbuttern lassen. Das würde bei mir bestimmt nicht passieren, weil ich auch weiß, wie die CSU tickt. Die gönnen einem nicht den Erfolg, da muss man aufpassen. Und es ist wichtig, dass es an der Spitze, neben einer jungen dynamischen Frau, die wirklich das Moderne verkörpert, vielleicht auch einen erfahrenen Kommunalpolitiker hat, der die verwaltungsrechtlichen Vorgänge und auch die gesetzlichen und politischen Hintergründe kennt. Ich glaube, das wäre ein gutes Zusammenspiel.“ 

Was würde Sie als Landesvorsitzender der Grünen auszeichnen?
Rzehak: „Die Themen Umwelt, Naturschutz, Landschaftsschutz, Verkehr und Verhinderung von Flächenfraß spielen in ganz Bayern eine Rolle. Das wichtigste Statement für mich wäre die ‚Regierungserfahrung‘ als Landrat, mit der man alles auch von einer anderen Seite betrachten und diese Erfahrungen in die bayerische Partei einbringen kann. Meine Aufgabe wäre, glaube ich, in anderen Gemeinden oder Landkreisen mitzuhelfen, dass wir unsere Wahlerfolge auch weiterhin haben werden. Ich stehe vielleicht für die Möglichkeit, Wählerschichten zu erreichen, die von den Grünen nicht unbedingt so angesprochen werden. Gerade die bürgerliche Mitte, die gern grün wählen würde, sich aber ab und zu einfach nicht angesprochen fühlt.“

Welche Aufgaben übernimmt der Landesvorstand und welche würden Sie mit vorantreiben wollen?
Rzehak: „Die Landesvorsitzenden sind wie bei der CSU und den anderen Parteien die Parteivorsitzenden. Wir haben immer zwei gleichberechtigt an der Spitze, Frau und Mann, das ist auch gut so. Da soll es auch keinen ersten oder zweiten Vorsitz geben. Die Grünen sind anders aufgebaut als die CSU, die sehr hierarchisch ist. Man muss Impulse geben, man muss den Laden zusammenhalten, man muss strategisch denken können. Man muss auch gemeinsam etwas erarbeiten, nicht einer oder eine allein vorneweg. Es wird sich vieles auf die Digitalisierung konzentrieren, darauf die Partei moderner zu machen. Da sind die Grünen weiter als die anderen, glaube ich. Wichtigste Aufgabe aber ist die Vorbereitung auf die Bundestagswahl und dann auch die Weichen zu stellen für die Landtagswahl. So wie sich die derzeitigen Umfragen lesen – manche wollten uns schlechtreden nach dem Motto: wegen Corona sind die grünen Themen vorbei – ist jetzt eigentlich eine Rückbesinnung nach dem ersten Schock auf das Einfache, auf das Normale, auf die regionalen Kreisläufe zu erkennen.“ 

Gibt es bereits einen Gegenkandidaten um das Amt?
Rzehak: „Es ist ja noch länger hin bis zur Wahl, mir ist noch kein Gegenkandidat bekannt.“

Das Interview führte Daniela Skodacek.

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