Picknick-Hoibe bleibt erlaubt

Gmunds Gemeinderäte beschließen strenge Regeln an Uferanlage Seeglas

Uferanlage in Gmund-Seeglas
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Die Uferanlage in Seeglas ist beliebt und oft viel frequentiert – nicht erst seit Corona. Zunehmender Nutzungsdruck und Vorfälle unter Alkoholeinfluss haben die Gmund bewogen, eine Satzung mit Benutzungsregeln aufzustellen.
  • vonDaniela Skodacek
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Gmund – Die Uferanlage Seeglas am Tegernsee ist beliebt bei Einheimischen und Besuchern. Doch immer wieder kommt es zu Missbrauch und Vandalismus. Nun greift Gmund durch.

Seit 1. Mai gilt sie, die Satzung für die beliebte öffentliche Freizeitanlage am Gmunder Seeufer. Vieles bleibt erlaubt, vieles ist (weiterhin) nicht gestattet. Die neuen Vorschriften für Seeglas sollen Ordnungshütern helfen, bei Grenz­überschreitungen durchgreifen zu können. Wird die Satzung streng ausgelegt, drohen bis zu 2.500 Euro Bußgeld. Das gefiel nicht jedem der Gemeinderäte.

„Jetzt haben wir es, die wunderbare Seeanlage, die zur Erholung dient, uns aber auch strapaziert bis hin zu Missbrauch und Vandalismus“, konstatierte Bürgermeister Alfons Besel in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Seit April ist die öffentliche Freizeitanlage von der Mangfallmündung im Norden bis zur Segelschule im Süden mit Fuß- und Radwegen, Liegewiesen, Kinderspielplatz, Bewegungsparcours, Pavillon und Station der Wasserwacht offiziell Hoheitsgebiet der Gemeinde Gmund.

Übermäßiger Alkoholgenuss als Auslöser

Besel bedankte sich unter anderem bei der Stadt Tegernsee und der bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung für den reibungslosen Übergang. Nun ist Gmund auch rechtlich zuständig, kann öffentliche Sicherheit und Ordnung kontrollieren und vollziehen lassen. Endgültiger Auslöser für die Gebietsänderung seien gehäufte Fälle von Sachbeschädigungen, Verunreinigungen und Störungen anderer Nutzer gewesen, vor allem verbunden mit übermäßigem Alkoholgenuss.

Meist seien es Jugendliche, die gezielt zum Pavillon fahren, um Alkohol zu trinken. Entsprechend enthemmt gebe es dann nicht nur unschöne Hinterlassenschaften, sondern auch beschädigtes fremdes Eigentum. So sei auch schon ein Einkaufswagen als Grillrost zweckentfremdet worden. Die Polizei Bad Wiessee empfahl sogar ein gemeindliches Alkoholverbot für Seeglas. „Wir machen aber kein reines Alkoholverbot“, sagte Geschäftsleiter Florian Ruml und betonte: „Zum Picknick ist eine halbe Bier kein Problem.“ Auch mit einem Glas Prosecco sich die Sterne anzuschauen, soll weiterhin möglich sein.

Das ist in Seeglas verboten:

  • Beschädigungen der Seeuferanlage, auch von Pflanzen
  • Verunreinigungen und Nicht­entfernen von Hundekot
  • Befahren oder Parken, außer zum Auf- und Abbau bei genehmigten Veranstaltungen
  • Radfahren außerhalb der gekennzeichneten Wege
  • Zelten, Nächtigen sowie Aufstellen von Campingausrüstung
  • offenes Feuer und Grillen außerhalb der bereitgestellten Grillplätze – ein zweiter und dritter Grillplatz sind angedacht
  • Lagern und Niederlassen zum Alkoholgenuss, außer bei genehmigten Festen sowie im Freischankbereich von Gaststätten während der Betriebszeiten
  • Reservieren von Sitzbänken durch Handtücher oder zum Trocknen von Kleidung
  • Verkauf von Waren, Dienstleistungen und Speisen, außer bei genehmigten Festen
  • Abhalten von Versammlungen

Bußgeld bis zu 2.500 Euro

Ausnahmen seien möglich. Wer gegen die Satzung verstoße, müsse mindestens mit einer Verwarnung oder bis zu 2.500 Euro Geldbuße rechnen. Drakonisch höre sich das zunächst an, gab Geschäftsleiter Ruml zu. Im Regelfall werde dieser Höchst­rahmen jedoch erheblich unterschritten. Bürgermeister Besel betonte: „Wer sich normal, sozial und adäquat verhält, ist von dieser Satzung nicht betroffen.“

Im Gremium bestand überwiegend Konsens, dass die aufgestellten Regeln ohnehin schon gelten würden. Korbinian Kohler (CSU) war sogar dagegen, zu viele Verbote auszusprechen. „Ich habe ein ungutes Gefühl, wenn die öffentliche Hand zu sehr reguliert.“ Dennoch zog auch das Argument, dass Polizei und Sicherheitsdienst durch die Satzung handlungsfähig sind.

Satzung gilt ab 1. Mai 2021

Erstellt wurde der Entwurf aufgrund der Erfahrungen aus der Vergangenheit und des teils starken Nutzungsdrucks – jüngst auch im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Zu Rate gezogen wurden zudem der örtliche Bauhof, die Polizeiinspektion Bad Wiessee sowie der gemeindliche Sicherheitsdienst (TOS). Außerdem geprüft wurden die Nutzungsregeln für Kur- und Grünanlagen der anderen Talgemeinden, des Marktes Schliersee, der Landeshauptstadt München und sogar der Stadt Hof, die eine vergleichbare Anlage am Untreusee verwaltet.

„Wir schauen, wie es sich entwickelt“, sagte Besel und schlug vor, das Einhalten der Regeln zu beobachten und die Satzung gegebenenfalls zu ändern oder wieder abzusetzen. Mit der Gegenstimme von Korbinian Kohler wurde der Entwurf verabschiedet und trat zum 1. Mai in Kraft. sko

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