Vorbild fürs Tegernseer Tal

Gmund tritt kräftig in die Pedale: Gemeinderat beschließt Radverkehrskonzept

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Ja, mia san mim Radl da“ – der erste autofreie Sonntag in Gmund erwies sich als voller Erfolg.

Gmund – Den Radverkehr fördern und stärken – das hat sich Gmund groß auf die Fahnen geschrieben. In seiner jüngsten Sitzung verabschiedete der Gemeinderat ein Gesamtradverkehrskonzept, das sich nach den Komponenten Infrastruktur, Service, Information und Werbung, Kommunikation sowie sonstige Maßnahmen gliedert.

Mit dem Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK) positionierte sich die Gemeinde ganz klar zum Fahrradverkehr und tritt deshalb auch kräftig in die Pedale – tatkräftig unterstützt vom Agmunda Arbeitskreis Verkehr. Dessen Ergebnisse und Vorschläge finden sich im Radverkehrskonzept wieder, das um die Erkenntnisse aus der sogenannten Vorbereisung der AGFK am 29. April ergänzt wird. Das besagte Konzept ist Auftrag und Fahrplan für die Gemeinde zugleich. Es umfasst sowohl investive als auch nichtinvestive Maßnahmen. Ein wichtiger Punkt ist die Zusammenarbeit mit Fachbehörden und Institutionen, wie SMG, ATS, TTT und ADFC.

Gmunds Bürgermeister Alfons Besel bezeichnete das Radverkehrskonzept als Flächennutzungsplan, der die Zielrichtung vorgebe. 140 Einzelmaßnahmen umfassend, sollen diese je nach Haushaltslage Schritt für Schritt umgesetzt werden Das Thema Radfahren werde wie ein roter Faden bei den Sitzungen des Ortsplanungsausschusses oder Gemeinderates sein, kündigte Besel an. Ergänzend fügte Rathaus-Geschäftsleiter Florian Ruml hinzu, dass kleinere Maßnahmen der Bürgermeister in Eigenregie veranlassen könne.

Das Konzept bildet die kommunale Verkehrspolitik ab. Es enthält einen Maßnahmenkatalog und setzt Prioritäten bei der Umsetzung durch. In puncto In­frastruktur hat die Erstellung einer digitalen Karte für die Radewegeplanung und den Lückenschluss hohe Priorität. Bei der Planung des Bahnhofsareals sollen die Belange von Fußgängern und Radfahrern verstärkt berücksichtigt werden. Dabei geht es auch um die Schaffung von Fahrradständern und Ladesäulen. Beim Wegebau haben der gemeindeverbindende Radweg Gmund–Hausham und der Radschnellweg Otterfing–Gmund Vorrang. Dazu kommen im Gemeindebereich etliche Querungshilfen, Schutzstreifen, Fahrbahnmarkierungen, Entschärfung von Gefahrenstellen und verbesserte Beschilderungen.

Beim Service hat die Erstellung eines Winterdienstplanes für die Radverkehrsinfrastruktur hohe Priorität. Ebenso ein Automat für Material wie Flickzeug und Schläuche (bereits in Planung), Radverleihstellen sowie ein verbessertes Baustellenmanagement. Was Information und Werbung angeht, steht die Verbesserung der gemeindlichen Homepage ganz oben auf der To-do-Liste. Außerdem soll im Rathausfoyer auf einem Info-Bildschirm für die Fahrradfreundlichkeit geworben werden und es ist eine Neugestaltung des Briefkop­fes der Gemeinde in Planung. Ferner sollen Bürgermeister und Gemeinderat ihrer Vorbildfunktion nachkommen und vermehrt das Fahrrad nutzen, wenn sie an Veranstaltungen, Sitzungen, Besprechungen und öffentlichen Begehungen teilnehmen. Vorzug haben auch die Vernetzung mit dem ÖPNV und dessen Stärkung sowie die Zertifizierung von touristischen Radrouten durch den ADFC.

In Sachen Kommunikation soll der Radverkehr sichtbar und populärer gemacht werden und sich in den Köpfen verankern. Wichtig ist auch der Austausch auf Verwaltungsebene mit Fachbehörden und anderen Gemeinden. Bei den sonstigen Maßnahmen sollen unter anderem die aktuelle Modal-Split (Verteilung des Transportaufkommens auf verschiedene Verkehrsmittel) erhoben, der Radverkehrsanteil im Modal-Split in den nächsten fünf bis sieben Jahren um fünf Prozent erhöht und Pro-Kopf-Ausgaben verbindlich festgelegt werden.

Im Ratsgremium bedurfte es keiner Diskussion, dem Radverkehrskonzept einmütig zuzustimmen. In einem weiteren Schritt wurde die Verwaltungsangestellte Veronika Simon zur Radverkehrsbeauftragten bestellt. Am Ende der Radverkehrsthematik stellte Besel am Sitzungsabend begeistert fest: „Wir haben eine große Bewegung angestoßen. Der Funke ist übergesprungen aufs ganze Tal.“rei

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