Antrag der Haushamer Grünen

Große Skepsis bei 5G: So läuft der Ausbau im Landkreis Miesbach

Mobilfunkantenne vor blauem Himmel mit Wolken
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Die Telekom forciert im Landkreis Miesbach den Ausbau des Mobilfunkstandards 5G. Neben Hausham fühlen sich dabei aber viele Gemeinden und ihre Bürger nicht gut informiert.

Hausham – Der 5G-Ausbau ist auch im Landkreis Miesbach nicht aufzuhalten. Obwohl die Skepsis groß ist, treibt die Telekom den Ausbau voran.

Die Fraktion der Grünen im Haushamer Gemeinderat steht dem neuen Mobilfunkstandard 5G kritisch gegenüber und sieht bei dessen Umsetzung Defizite bei der Aufklärung der Bevölkerung. In einem Antrag forderten sie daher vordringlich, dass die Bevölkerung dazu besser informiert wird und Anfragen von Telekommunikationsunternehmen dazu öffentlich diskutiert werden sollen. In einer leicht abgewandelten Formulierung bekam der Beschlussvorschlag die Zustimmung des gesamten Gremiums.

Wie in dem Antrag der Grünen zu lesen ist, gehe es nicht darum, technikfeindlich zu sein, sondern darum, dass viele Haushamer Bürger wegen des 5G-Ausbaus besorgt sind und sich auch im Landkreis die Bedenken dagegen mehren. „Es gibt keine Studie, die zeigt, dass 5G nicht gesundheitsgefährdend ist. Die Bevölkerung ist darüber viel zu wenig informiert, das aber ist unsere Aufgabe“, begründete Fraktionssprecherin Harda von Poser den Antrag und erklärte weiter, dass hier wohl wirtschaftliche Interessen mehr gewichtet werden als die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt. „Wir wollen nicht, dass uns etwas übergestülpt wird, das nicht erforscht ist. Daher ist es uns wichtig, das öffentlich zu diskutieren“, stellte von Poser fest und forderte weiter, dass sich die Gemeinde verweigern solle, wenn Standorte für neue Masten gesucht würden.

Wie Bürgermeister Jens Zangenfeind erklärte, habe die Gemeinde hier nur Einfluss, wenn es um eigene Liegenschaften geht: „Wenn eine Privatperson der Telekom erlaubt, einen Mast aufzustellen, können wir nichts machen.“ Auch dämpfte er zu große Erwartungen, was die Macht des Gremiums angeht: „Mit unseren Diskussionen können wir 5G nicht aufhalten. Wir müssen so ehrlich sein, das zu sagen.“

Allerdings sieht der Rathauschef in einer schnelleren Mobilfunkverbindung durchaus auch Chancen für die Region. Insofern sei die Thematik ein zweischneidiges Schwert, bei dessen Bewertung er sich aber schwer tue: „Ich bin kein Wissenschaftler und kann das nicht seriös beurteilen.“ Einig ist sich Zangenfeind mit den 17 Landkreisbürgermeistern, dass in allen Gemeinden fundierter Informations- und Aufklärungsbedarf besteht. Dies haben sie bei den zuständigen Ministerien eingefordert. „Uns zu erklären, ob 5G lächerlich oder ein Teufelswerk ist, ist deren Aufgabe, und da werden wir auch nicht locker lassen“, sagte Zangenfeind.

Peter Wagner (SPD) zitierte 5G aus einem Antrag der NRW-Grünen als Lebensader des 21. Jahrhunderts und meinte dann: „Ich sehe den Antrag positiv. Aber 5G wird kommen und dazu muss aber die Akzeptanz in der Bevölkerung gesteigert werden.“ Ähnlich sah es Thomas Danzer (SPD), der meinte: „Darüber reden und informieren ja, aber den Ausbau müssen wir mitnehmen, damit wir als Region nicht abgehängt werden.“ Analog dazu meinte Hubert Lacrouts (CSU): „Natürlich müssen wir damit sensibel umgehen, aber wir dürfen technologisch nicht ins Hintertreffen geraten.“ Der Beschluss, dass die Gemeinde dem Ausbau von 5G kritisch gegenüber steht und Anfragen von Telekommunikationsunternehmen dazu, soweit dies gesetzlich möglich ist, öffentlich behandelt werden, erfolgte daraufhin einstimmig.

Landkreis Miesbach: Telekom treibt 5G-Ausbau voran

Wie die Telekom kürzlich mitteilte, wird der 5G-Mobilfunkausbau im Landkreis Miesbach zügig vorangetrieben. Damit bekommt dieser laut einer Mitteilung einen digitalen Standortvorteil. Um die dazu noch notwendigen Sendemasten bauen zu können, benötigt die Telekom allerdings noch Grundstücke.

Insgesamt betreibt das Unternehmen im Landkreis derzeit 47 Standorte. Bis 2022 sollen weitere 18 hinzukommen und im selben Zeitraum 14 auf LTE und 5G umgerüstet werden. Von den bestehenden Standorten wurden in den vergangenen neun Monaten 22 mit 5G erweitert. Diese teilen sich wie folgt auf (in Klammer die Anzahl der jeweiligen Standorte): Holzkirchen (4), Gmund und Irschenberg (je 3), Hausham und Weyarn (je 2), Kreuth, Miesbach, Rottach-Egern, Schliersee, Tegernsee, Valley, Waakirchen und Warngau (je 1). Teilweise versorgen diese Standorte die Autobahn sowie Bundes- und Landstraßen.

Ziel des Ausbaus ist es laut Telekom, unterschiedliche Frequenzen nutzen zu können. Diese sollen sich in puncto Reichweite und Geschwindigkeit sinnvoll ergänzen. Demnach wird 5G bei der Telekom auf 3,6 GHz funken. Diese hohe Frequenz bietet höhere Geschwindigkeiten, geht aber auf Kosten der Reichweite und eigne sich eher für Städte. Auf der niedrigeren 2,1-GHz-Frequenz sind laut Aussage der Telekom hingegen die Reichweiten der 5G-Antennen deutlich höher.

In dieser Kombination, so der Konzern, werde der 5G-Ausbau daher vorrangig im ländlichen Bereich vorangetrieben. Durch den Einsatz dieses sogenannten Dynamic Spectrum Sharing (DSS) soll auch LTE (4G) einen Schub erfahren.

Laut Mitteilung kann DSS das Netz innerhalb von Millisekunden automatisch dem Bedarf der jeweiligen Nutzer anpassen und bedarfsorientiert zwischen LTE- und 5G-Anwendern verteilen. Im ländlichen Bereich sollen sich so laut Telekom die Geschwindigkeiten teilweise mehr als verdoppeln lassen.

Um die notwendigen Flächen für die neue Funkmaststandorte anmieten zu können, ist die Telekom allerdings auf die Zusammenarbeit mit den Kommunen oder privaten Grundstückseigentümern angewiesen. Gerade in diesem Punkt entwickelte sich aber in vielen Gemeinden eine ablehnende Diskussion, weil der Ausbau wegen fehlender Informationen oft kritisch gesehen werde.

Wo 5G technisch bereits möglich ist und welche Mobilfunkstandards die Telekom ansonsten anbieten kann, ist unter www.telekom.de/netzausbau abrufbar. hac

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