Aus dem Gemeinderat

Caritas-Suchtambulanz zeigt beunruhigende Entwicklung in Hausham auf

Bier, Schnaps und Nikotinmissbrauch wurde in der Statistik der Caritas-Suchtberatung von Cannabisdelikten überholt.
+
Bier, Schnaps und Nikotinmissbrauch wurde in der Statistik der Caritas-Suchtberatung von Cannabisdelikten überholt.

Hausham – Die Caritas-Suchtambulanz hat jüngst im Haushamer Gemeinderat informiert. Dabei zeichnet sich eine beunruhigende Entwicklung ab.

Im Dezember 2019 genehmigte der Haushamer Gemeinderat einstimmig, dem Caritas-Zentrum Miesbach für deren Jugendsuchtberatung einen Zuschuss in Höhe von 50 Cent je Einwohner zu gewähren. Für 2019 errechnete sich ein Betrag von 4.233 Euro. Sorge bereitete dem Gremium damals, dass der Anteil der Klienten 2018 ein Plus von zwölf Prozent hatte und Hausham ganz knapp hinter Holzkirchen landkreisweit auf dem zweiten Platz lag. Der Gemeinderat wollte wissen, warum dies so ist und lud dazu kürzlich Mitarbeiter der Caritas-Suchtberatung in die Sitzung ein.

„Mich erschreckt die Statistik. Zudem sind die Zahlen überall rückläufig, nur in Holzkirchen und bei uns nicht. Liegt es am Umfeld, oder was ist der Auslöser?“, wollte Hubert Lacrouts (CSU) damals wissen. Auskunft gaben jetzt Alexandra Peis-Hallinger, Leiterin der Fachambulanz für Suchterkrankungen, und Jugendsuchtberater Tobias Marx. Tatsächlich hatte 2018 die Fachambulanz der Caritas 80 Haushamer Klienten und damit nur einen weniger als aus Holzkirchen. Über mögliche Gründe dafür und warum es den rapiden Anstieg der Klienten um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr gab, referierte das Duo in der jüngsten Sitzung.

Wie Peis-Hallinger sagte, ist die Statistik eine Mischung aus vielem. Ein Grund ist sicherlich in der Größe der Gemeinde bedingt. Außerdem hat die Polizei ihre Kontrollen verstärkt. Da wusste Marx zu berichten, dass, wenn ein Klient aufgegriffen und von der Polizei oder dem Amtsgericht unmittelbar an ihn überwiesen wird, und er oder sie einen der Lehrgänge der Suchtprävention absolviert, sich das strafmindernd auswirkt. Manchmal werden danach die Anzeigen auch fallen gelassen. „Das spricht sich in der Clique herum. Dann meldet sich schon der eine oder andere freiwillig“, wusste Marx zu berichten.

Dabei machen rund 60 Prozent der Fälle Cannabis-Missbrauch aus. Synthetische Drogen wie Ecstasy oder Amphetamine sind hingegen, wie Marx auf die Frage von Gerhard Klante (FWG) sagte, bei den Jugendlichen eher kein Problem. In den Lehrgängen, die die Caritas-Fachambulanz anbietet, steht auch nicht die Prävention im Vordergrund, sondern das Ändern des Suchtverhaltens. „Wir wollen die Gefahren aufzeigen. Vielen jugendlichen Klienten fehlt einfach das Wissen, wie mit Drogen umzugehen ist. Dazu kommt oftmals eine gewisse Gruppendynamik. Ziel der Lehrgänge ist es, dass die Klienten ihre Sucht in den Griff bekommen“, sagte Marx.

Lacrouts wollte wissen, inwieweit der Erfolg messbar ist. Wie Peis-Hallinger sagte, werden dazu nach fünf Jahren Fragebögen verschickt und ausgewertet. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist laut Marx, dass sich ehemalige Klienten bei einem Rückfall nachweislich schneller um Hilfe bemühen. Auf die Frage von Gottfried Bonleitner (CSU), was Hausham tun kann, nannte Peis-Hallinger neben der Schaffung von Räumen für Jugendliche die Überwachung der Einhaltung des Jugendschutzgesetzes. Außerdem sollten die Vereine mit im Boot sein, weil für die Kids Jugendleiter und Trainer ein Vorbild sind.

Bürgermeister Jens Zangenfeind sagte schließlich im Namen des Gemeinderates der Caritas-Jugendsuchtberatung weiterhin volle Unterstützung zu. Außerdem soll demnächst auf der Homepage auch die Nummer des Sorgentelefons hinterlegt werden. Eine großartige Idee, wie Peis-Hallinger meinte: „Wir bieten einen niedrigschwelligen und anonymen Einstieg in die Jugendsuchtberatung an. Das gilt übrigens auch für besorgte Eltern.“

Mehr Informationen über die Suchtberatung gibt es online. Telefonisch ist die Fachambulanz anonym unter der Nummer 08025/280660 erreichbar. hac

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis Miesbach: Scharfe Kritik an neuem Lockdown
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Scharfe Kritik an neuem Lockdown
Corona-Virus im Landkreis Miesbach: Diese Veranstaltungen sind abgesagt
Corona-Virus im Landkreis Miesbach: Diese Veranstaltungen sind abgesagt
Diese Frau leitet fortan die Grenzpolizeistation in Kreuth
Diese Frau leitet fortan die Grenzpolizeistation in Kreuth
Schwerer Unfall bei Agatharied – Bad Wiesseer (72) in Lebensgefahr
Schwerer Unfall bei Agatharied – Bad Wiesseer (72) in Lebensgefahr

Kommentare