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Worauf die evangelische Kirchengemeinde Miesbach-Hausham künftig setzt

Die Argulakirche kommt weg. Hier wird die Gemeinde ein Haus für Kinder bauen.
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Die Argulakirche kommt weg. Hier wird die Gemeinde ein Haus für Kinder bauen.

Hausham – Die evangelische Kirchengemeinde Miesbach-Hausham setzt in den nächsten Jahren auf Jugend und Musik. Und baut bald neu.

Mit der Entwidmung der Argulakirche und deren beschlossenem Abriss geht für die evangelischen Bürger Haushams ein Wahrzeichen mit vielen Erinnerungen verloren. Kürzlich fand in der Kirche der letzte Gottesdienst statt. Pfarrer Erwin Sergel ist dennoch nicht bange um die Zukunft der Kirchengemeinde. Zusammen mit Martin Reents vom Gemeindehaus-Team stellte er dem Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung die Grundpfeiler vor, auf die die nächsten Jahrzehnte gebaut werden soll.

„Bei all der Trauer um den Verlust der Argulakirche ist es doch ein Trost, dass die Gemeinde an ihrer Stelle ein Haus für Kinder baut“, stellte Pfarrer Sergel fest. Falls die Diakonie Betreiber der neuen Einrichtung wird, bliebe sogar noch die evangelische Prägung des Ortes bestehen.

Rund ein Drittel der knapp 2.400 Mitglieder zählenden evangelischen Kirchengemeinde Miesbach-Hausham kommt aus Hausham. Damit diese vor Ort auch weiterhin einen Gottesdienst besuchen können, haben die kirchliche und politische Gemeinde nach einer Lösung gesucht. Sie wurde mit dem Bürgersaal gefunden. Künftig wird dort, wie bisher in der Argulakirche, alle zwei Wochen Gottesdienst gefeiert. Ein entsprechendes Hinweisschild ist auch schon fertig. Bürgermeister Jens Zangenfeind hat es in der Sitzung dem Pfarrer übergeben. Offen ist noch, wo künftig die Glocke der Argulakirche läuten soll. Wie Pfarrer Sergel meinte, wäre der Haushamer Friedhof ein guter Platz. Auch dazu gibt es schon Gespräche mit der Gemeinde.

Wie es mit der evangelischen Kirchengemeinde Miesbach-Hausham die nächsten 30 Jahre weitergehen soll, erklärte Martin Reents. Er stellte fest, dass tatsächlich nur rund 20 Prozent der Aufgaben rein liturgischer oder sakramentaler Art sind. „Vier von fünf Aufgaben sind heute allgemeine Gemeindearbeit. Früher hatten wir an vielen Orten ein kleines Angebot. Das reicht nicht mehr, wir müssen es jetzt richtig gut und nicht richtig nah machen“, ist Reents überzeugt.

Mit den Schwerpunkten Kinder- und Jugendarbeit sowie Musik möchte die Kirchengemeinde in den nächsten Jahrzehnten die Menschen für die Kirche begeistern. Das klappt, wie Reents sagte, bereits recht gut: „Die Teilnehmerzahlen bei unseren Veranstaltungen hatten in den vergangenen Jahren ein Plus von 166 Prozent.“ Vor allem die Musikveranstaltungen sind laut Reents integrationsfördernd und erfreuen sich konfessionsübergreifend großer Beliebtheit.

Allerdings ist so auch das Gemeindehaus in Miesbach an seine Kapazitätsgrenzen gelangt und muss saniert und erweitert werden. Herzstück soll das neue Foyer werden. Nicht nur soll dies barrierefrei sein, sondern auch mit speziellen technischen Einrichtungen Hör- und Sehgeschädigten als auch geistig behinderten Menschen die Teilhabe an Veranstaltungen erleichtern. Der Baubeginn steht unmittelbar bevor.

Die Kosten bezifferte Reents auf zirka 2,1 Millionen Euro. Davon können 1,7 Millionen Euro aus Zuschüssen der Landeskirche, öffentlichen Fördermitteln und Eigenmitteln der Kirchengemeinde aufgebracht werden. Der Rest muss über Spenden finanziert werden. Das bewog Betty Mehrer, Vertrauensfrau der Kirchengemeinde, zu der Anfrage, ob der Gemeinderat nicht darüber nachdenken möchte, sich daran zu beteiligen: „Wir gehen mit der Bitte an alle betroffenen Gemeinden und würden uns natürlich sehr freuen, wenn sie das in den Haushalt mit aufnehmen könnten.“ hac

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