Kritik an der Bürokratie

Wie die Corona-Krise das Krankenhaus Agatharied belastet

Krankenhaus-Geschäftsführer Michael Kelbel sieht einige Defizite in der Finanzierung des Gesundheitssystems.
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Krankenhaus-Geschäftsführer Michael Kelbel sieht einige Defizite in der Finanzierung des Gesundheitssystems.

Hausham – Die anhaltende Corona-Krise verursacht im Krankenhaus Agatharied immense Kosten. Geschäftsführer Michael Kelbel übt Kritik an der Bürokratie.

Die Prognosen waren nicht besonders rosig: Das Defizit des Krankenhauses Agatharied belief sich im Jahr 2018 auf rund 883.000 Euro. Und es sind auch keine schwarzen Zahlen in Aussicht, wie Kreiskämmerer Gerhard de Biasio erklärte, als es kürzlich im Werkausschuss um die Finanzen gegangen ist. Vielmehr könnte das Defizit sogar steigen. Und nun kommt die Corona-Krise hinzu. Sie kostet ebenfalls eine Menge Geld, wie Krankenhaus-Geschäftsführer Michael Kelbel in einem Gespräch deutlich macht.

Dass die Politik schnell reagiert und ein Hilfspaket geschnürt hat, freut ihn. Gleichzeitig bedauert Kelbel, „dass es nicht gelungen ist, unterzubringen, was uns die ganze Bürokratie kostet“. Um für die steigende Zahl an Covid-19-Patienten gewappnet zu sein, hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im März die Krankenhäuser aufgefordert, entsprechende Vorbereitungen zu treffen und Intensivkapazitäten aufzubauen. Spahn versprach, die wirtschaftlichen Folgen würden ausgeglichen. Daran glaubt Kelbel nicht.

Schon in einer Mitteilung der Agatharieder Klinik von vor etwa zwei Wochen hieß es: „Das Einzige, worauf sich die Krankenhäuser jetzt verlassen können, ist der Fortbestand einer ausufernden Bürokratie und die Sicherheit, auf einem nicht unwesentlichen Teil der Mehrkosten in Zeiten von Corona sitzen zu bleiben.“ Für jedes frei gehaltene Bett sollen Krankenhäuser 560 Euro je Tag erhalten.

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Außerdem gibt es im Zuge der Corona-Krise eine Kostenpauschale in Höhe von 50 Euro je Patient, die zwischen dem 1. April und 30. Juni aufgenommen wird. Für Kelbel sind diese 50 Euro „eine Farce in Bezug auf den Betrag, der über das DRG-System nicht abgedeckt ist“. Damit spricht der Geschäftsführer die Kostenerstattung im Gesundheitssystem nach sogenannten diagnosebezogenen Fallgruppen an, die keine der Mehraufwendungen für die Corona-Maßnahmen berücksichtigt.

Das Krankenhaus habe sich völlig neu aufgestellt, Wege verändert und sich für den Infektionsschutz in einen grünen und roten Bereich geteilt. Für die intensivmedizinische Betreuung ist viel zusätzliches Personal nötig, zahlreiche Mitarbeiter müssen extra geschult werden. Grundlagen seien zwar Teil der Ausbildung für Pflegekräfte, doch erstens liege diese oft lange zurück und zweitens sind nicht alle nun erforderlichen Kenntnisse etwa bei einer Beatmung beinhaltet.

„Dass wir die alle jetzt auch noch mit den speziellen Abrechnungsfeinheiten schulen, das geht gar nicht“, erklärt Kelbel. „Wir können gar nicht bewerkstelligen, was wir da alles dokumentieren müssen“, sagt er. „Die Bürokratie behindert uns massiv.“ An erster Stelle stehe die Behandlung der Patienten und die Bewältigung der Ausnahmesituation.

Kelbel fordert deshalb einen Ausstieg aus dem DRG-System und eine krisengerechte Finanzierung – „ohne Wenn und Aber“ – und mit Ende der ausufernden Dokumentationspflichten. ft

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