Trotz Furcht vor Corona

Krankenhaus Agatharied appelliert: Bei Verdacht eines Schlaganfalls Notruf wählen

1.000 eigenhändig hergestellte Schutzvisiere sind jüngst ans Krankenhaus Agatharied übergeben worden.
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1.000 eigenhändig hergestellte Schutzvisiere sind jüngst ans Krankenhaus Agatharied übergeben worden.

Hausham – Die kbo-Lech-Mangfall-Klinik in Agatharied übergibt 1.000 Schutzvisiere aus Bastelprojekt. Unterdessen mahnen Mediziner, Schlaganfallsymptome trotz Corona-Pandemie ernst zu nehmen.

In einem gemeinsamen Projekt mit Patienten hat die Ergotherapie der kbo-Lech-Mangfall-Klinik in Agatharied 1.000 Schutzvisiere gefertigt und ans Krankenhaus Agatharied übergeben. Die Bastelmaterialien wurden zentral durch das Krankenhaus organisiert. Bei der Folie handelt es sich um Laminierfolie, der Schaumstoff stammt von der Firma Kreativ-Raum Design aus Hausham.

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Mit einem Schnell-Laminiergerät konnten die Folien für die Schutzschilde in kurzer Zeit hergestellt werden. Danach folgte das Zusammenfügen der Bestandteile. Jede Folie wurde mühevoll von Hand an den unteren Ecken gerundet. „Der Vorteil der selbst gebastelten Schutzvisiere ist, dass die eingesetzten Bestandteile auch in Zeiten, in denen medizinische Schutzausrüstung sehr schwer erhältlich ist und enorm hochpreisig gehandelt wird, jederzeit günstig erhältlich sind“, erklärt der zuständige Mitarbeiter Johannes Seifert. „Wir sind uns natürlich auch der Schwächen bewusst. Für den Einsatz im OP kommen weiterhin reguläre Schutzbrillen zum Einsatz.“

Unterdessen hat das Krankenhaus Agatharied noch ein weiteres wichtiges Anliegen: Rund 270.000 Menschen erleiden pro Jahr in Deutschland einen Schlaganfall. Dies ist lebensbedrohlich und – da das Gehirn dabei vermindert durchblutet wird – eine der Hauptursachen für bleibende Behinderungen. Betroffene schnell zu versorgen, am besten auf einer Stroke-Unit, die auf Schlaganfälle spezialisiert ist, ist für Betroffene essentiell.

Mit großer Sorge beobachten auch die Schlaganfallexperten im Krankenhaus Agatharied und die Rettungsdienste, dass viele Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen den Kliniken aus Angst, sich mit SARS-CoV-2 anzustecken, fern bleiben. Die Experten betonen: „Es ist wichtig, dass Patienten mit Verdacht auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall unbedingt den Rettungsdienst unter 112 alarmieren, damit sie sofort behandelt werden können. Bei Herzinfarkten und Schlaganfällen zählt jede Minute. Eine zügige medizinische Versorgung kann schwere Folgen und bleibende Einschränkungen vermeiden.“

Typische Symptome bei einem Schlaganfall sind plötzlich auftretende Lähmungen, Gesichts­asymmetrie wie hängender Mundwinkel, Gefühls- und Sehstörungen sowie Probleme beim Sprechen. Auch plötzlich einsetzender Schwindel kann Ausdruck eines Schlaganfalls sein. „Wenn Patienten mit einem leichten Schlaganfall oder Mini-Schlaganfall nicht schnell medizinisch versorgt werden, ist das Risiko sehr hoch, zeitnah einen erneuten, schweren Schlaganfall zu erleiden. Außerdem beobachten wir immer häufiger, dass Patienten deutlich zu spät in die Klinik eingeliefert werden, sodass oft eine ursächliche Behandlung nicht mehr möglich ist“, sind sich die Experten des Schlaganfallnetzwerkes Rosenheim einig.

„Im Rettungsdienstbereich Rosenheim ist das Time-is-Brain-Konzept bereits seit vielen Jahren umgesetzt. Alle Abläufe werden regelmäßig im Kreise der Schlaganfallkliniken, des Rettungsdienstes und der integrierten Leitstelle Rosenheim diskutiert und optimiert. Jeder Schlaganfallpatient kann sich also darauf verlassen, im Ernstfall stets in die am schnellsten erreichbare geeignete Klinik transportiert zu werden“, bestätigt Michael Städtler, ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Rettungsdienstbereich Rosenheim, zu dem auch der Landkreis Miesbach gehört, und aktuell auch Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz.

Das Schlaganfallnetzwerk Rosenheim betont, dass die Akutversorgung in den Landkreisen gesichert ist, und empfiehlt daher allen Patienten beim Auftreten von Symptomen umgehend den Rettungsdienst unter 112 zu verständigen oder ein Krankenhaus aufzusuchen. Es sei entscheidend, dass sich Patienten trauen, mit ihren Krankheiten vorbei zu kommen und keine Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus haben, heißt es in einer Mitteilung des Krankenhauses. ksl

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